dotcomtod auf geht\'s auf oder ab abwärts übel leidend das wars wohl
Erste Seite | Die Idee | Boo melden | Ruhmeshalle | Kommentare
 

Menü
Erste Seite
Die Idee
Boo melden
Ruhmeshalle
Kommentare
Newsfeed
Forum
DCT Archiv
Kontakt

Galerien
Insider
Boo
Final

Booshaft
Baron
eCards
Intern
Echo
Kolumne
Presse

Bootanischer Garten

Login
Benutzername

Passwort

Registrieren
Passwort vergessen





Get the Klip for boocompany.com
Add to any service

Blogliste
Lanu
Don Alphonso
Che
Hal Faber
Pud
Girl
Strappato
Sven Scholz
Jens Scholz
Thomas Knüwer
Dr. Dean
Spreeblick
Lumma
Wirres
Markus Grill
Sethos

Bloghoster
Twoday.net
Blogg.de
Blogger.de

DCT Entrepreneurship-Lehrstühle: Von Amerika abschreiben hilft Verlieren lernen
KOLUMNE DCT von DonAlphonso

17:45 Montag, 24. Februar 2003

Oops – da haben wir eine kleine Riesenpleite mit den Business Plan-Wettbewerben. War wohl doch nicht so doll, aus Drittsemestlern in 9 Monaten Gründer zu machen, die dann in 1 Jahr zum Nemax, oder so. Also, heisst es von Kiel bis München, da muss was Besseres her. Nachhaltiger. Machen wir einfach schicke Lehrstühle für Entrepreneurship, wie unsere Vorbilder in den USA. Dann kommt auch der Minister wieder vorbei mit einer netten Rede. Auch wenn er dieses Entredingsbums nicht aussprechen kann.
Es ist wieder Gründerzeit in Deutschland. Gescheiterte Startupler, Vorstädterinnen mit St. Gallen-Degree und Bearingpoint-Dropouts wollen alle das Eine: Frisch gegründete Lehraufträge, um der nächsten Generation das traurige Schicksal der letzten Angriffswelle zu ersparen, die elend im Internetgraben vor dem Tor der Deutschland AG ersoffen ist. In diesem einen Fall ist es nützlich, das Scheitern einzugestehen – denn wer aus den Fehlern gelernt hat, ist geeignet für die Gründungslehrstühle mitsamt der Grossbank, die die ersten 2 Semester zahlt und dann der Uni die weiteren Kosten überlässt.

Die Kriegsgewinnler

Pädagogisches Grundwissen ist dagegen überflüssig. Wie man Studenten Erfahrungen vermittelt, haben die New-Eco-Veteranen längst gelernt, damals bei den Accenture-Seminaren für Entrepreneurs-Beratung. Sogar mit Powerpoint. Genauso, wie niemals ein Zitat von Negroponte fehlen durfte, mussten auch die leuchtenden Beispiele MIT Boston und Harvard erwähnt werden: die Vorreiter, die den Begriff Entrepreneurship prägten, ihren Studenten das nötige Wissen für Unternehmensgründungen vermittelten und halfen, aus dem Studium heraus Geschäftsmodelle zu entwickeln. Damals, in den späten 40er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Ein Erfolgsmodell war das damals, die Basis für den Aufstieg Amerikas zur weltweiten Nummer eins. Alles leitet sich von diesem revolutionären Entstauben der Unis ab, die zupackende Art der Amis, der Wille, das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, ein Volk von Unternehmern zu werden. MIT und Harvard sind sowas wie der Wilde Westen, der Gründungsmythos der modernen Wirtschaft. Und sowas muss man in Deutschland an unseren lahmen Unis auch schaffen. Weg mit dem Wirtschaftsgeschichte-Kram, her mit der wahren Welt da draussen! sagen die Bearingpoint-Dropouts & Consorten. Die bei Wirtschaftsgeschichte immer geschwänzt haben und lieber bei KPMG networken waren.

Die Kriegsgeschichte

Ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte würde bei sowas auch nur stören. Eine genaue Analyse des 1948er Gründerbooms zeigt schnell, dass die Vorraussetzungen jenseits der Hochschulen einzigartig waren – und dass die Unis keine andere Wahl hatten, als die Studenten zu Gründern zu machen.

Denn die Hochschulen drohten damals, an Studenten zu ersticken. In den späten 40er Jahren mussten sie ihre Tore für die heimgekehrten Soldaten des 2. Weltkriegs öffnen. Der GI Bill, das staatliche verbriefte Recht auf einen Studienplatz, war für die 45er Helden oft einzige Chance zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Von den Kriegsschauplätzen in Europa und Asien kam eine raue, desillusionierte Generation zurück. Zwischen Highschool und erstem Semester lagen Jahre in Camps, am Steuer eines Bombers oder am Flammenwerfer. Für diesen wilden Haufen waren die Universtäten weder personell noch ideell ausgestattet.

Die Siegertypen

Die damals eingeführten Entrepreneurship-Lectures hatten vor allem das Ziel, ein Äquivalent zum Schützengraben zu bieten; etwas, das den spezifischen Fähigkeiten dieser Leute entsprach. Sie hatten gelernt, zu überleben, jeden Vorteil und jede Deckung skrupellos zu nutzen, hart mit sich selbst und anderen zu sein. Was Leadership war, musste man diesen Kämpfernaturen nicht erklären. Man versuchte damals bewusst – und sehr oft erfolgreich – ihnen zu erklären, wo der Krieg im Privatleben weitergeht. Wie man als Unternehmer überlebt. Wie man Marktlücken findet und Stellungen aufbaut. Wie man sein Team voranbringt und Verantwortung übernimmt.

Wie im Krieg, hatten die Leute auch im Zivilleben keine andere Chance. Die Wirtschaft war ohne sie klargekommen, und andere hatten Karriere gemacht. Die Ausbildung im Krieg war nicht die Qualifikation, die ein normaler Arbeitsplatz in einer hierarchisch strukturierten Firma forderte, von den Manieren, Kriegsschäden und psychischen Defekten mal ganz abgesehen. Wer nicht selbst etwas unternahm, landete trotz Uniabschluss schnell im unteren Drittel der Gesellschaft.

Die Chance zum Überleben

Auf der anderen Seite war aber ein gigantischer Markt für jede Form von ziviler Produktion und Dienstleistung. In den Jahren von 1941 bis 1945 wurde die gesamte Industrie der Vereinigten Staaten auf Kriegsproduktion umgestellt. Es gab keine zivilen Autos, Armbanduhren, Telefone, Küchen, Flugzeuge. Komplette Grosskonzerne verwandelten sich in staatlich gelenkte Waffenschmieden. Die Rückumstellung auf zivile Produktion kam nur schleppend in Gang. Wer klein und schnell war, konnte den Giganten ein Schnippchen schlagen. Wer gründete, hatte fast überall enorme Nachfrage, aber kaum die Konkurrenz der vor 1941 etablierten Unternehmen.

Gleichzeitig hatte der Krieg einen gewaltigen Innovationsschub ausgelöst. Die Amerikaner flogen in Pearl Harbour noch mit 1000 PS starken Curtiss P-40 Kittyhawks. 1945 brachte es eine P-47 Thunderbolt auf knapp 2400 PS, und galt angesichts neuer Entwicklungen bereits als veraltet. Die GIs wussten, wie man die neuen Techniken bediente, und hatten auf unterschiedlichsten Schauplätzen gelernt, sie eigenständig allen Bedingungen anzupassen.

Der Erfolg

Innovationsschub – enorme Nachfrage bei kleinem Angebot – eine Generation, die nichts zu verlieren hat – das sind die Grundlagen für den Aufschwung der USA nach 1945. Die Entrepreneurship-Kurse der Universitäten waren vielleicht das Salz – die Suppe haben andere gekocht.

Von all den Bedingungen sind heutige Hochschulen und die gesamte Volkswirtschaft nach dem Downturn der New Economy weltenfern. Die Technologie-Märkte sind weitgehend gesättigt, in den Nischen tummeln sich zu viele Anbieter. Die gewinnbringenden Sektoren teilen die Grossen unter sich auf. Es gibt keine Technik-Euphorie mehr, und kein 1948er-Gefühl, zu den Siegern zu gehören.

Die Landserromantik

Denn unsere Jungs haben keinen Krieg verloren, sondern nur eine windelweiche Spassökonomie, die nicht ernster war als eine Runde Quaken. Keiner von denen musste gründen. Man hat den Entrepreneuren das Geld auf die Strasse gelegt. Man hat tolle Events mit hübschen Girls gemacht; danach ging es nicht nach Omaha oder Midway, sondern nur zum Meeting mit den Consultants oder dem VC. Man sass in unhaltbaren Stellungen, und wenn man nicht mehr weiter wusste, rief man die 3.-Runde-VC-Luftwaffe, um die Konkurrenz plattzumachen. Am Business Plan hielt man fest wie Paulus an Stalingrad. Und wer ein Commitment mit dem Geldgeber hat, konnte sich die Verpflichtung gegenüber den Mitarbeitern sparen. Wer seine Leute verheizte und scheiterte, ging nicht ins POW-Camp, sondern wurde als Manager in die Old Economy übernommen, oder ging zurück ins Consulting oder Marketing.

Das ist die Generation, die jetzt mit den 1948er Entrepreneurship-Uni-Rezepten gepäppelt werden soll. Von Leuten, die ebenfalls Mitglieder dieser Windelweich-Generation sind. Themen wie VC-Finanzierung, CRM und Mitarbeiterfreistellung sind selbstverständlich auf dem Lehrplan. Das meiste davon lernte man schon bei den Business Plan-Wettbewerben, jetzt heisst es halt Entrepreneurship. Die Amerikaner vom MIT und Harvard, die hierher für Key Speeches eingeflogen werden, wissen das. Sie wissen auch, dass der europäische MIT-Ableger in Dublin wenig Erfolge vorzuweisen hat. Dass er auch nicht besser ist als vergleichbare Einrichtungen, die die France Telecom in Sophia Antipolis laufen hat.

Die nächste verlorene Schlacht

Sie könnten auch erzählen, dass Harvard und MIT längst windelweiche Pleitiers produzieren. Dass 1948 vorbei ist. Dass das wichtigste Kapital der Nobelunis die Alumnis sind, die Netzwerke, also das Gegenteil vom freien Wettbewerb auf einem deregulierten Markt. Aber sie wollen auch die Fortführung der Spass- und Gaudikultur. Dafür kann man schon mal das letzte Stück 48er Anstand in den Dreck der schicken, deutschen Entrepreneur-Lehrstühle treten.

Und danach geht´s ans Etappenschwein-Buffet. Man darf dann auch gerne über Entrepreneurship und das Vorbild 1948 sprechen. Aber bitte nicht nachdenken. Wäre schlecht für den nächsten Endsieg.





Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Entrepreneurship-Lehrstühle: Von Amerika abschreiben hilft Verlieren lernen (gauli)
Gelesen - nachgedacht. (gauli)
Jubiläum (DonAlphonso)
Re: Jubiläum (gauli)
Re: Jubiläum (DonAlphonso)
Re: Jubiläum (gauli)
Re: Jubiläum (DonAlphonso)
Re: Entrepreneurship-Lehrstühle: Von Amerika abschreiben hilft Verlieren lernen (AppKiller)
Re: Entrepreneurship-Lehrstühle: Von Amerika abschreiben hilft Verlieren lernen (noergler)
Re: Entrepreneurship-Lehrstühle: Von Amerika abschreiben hilft Verlieren lernen (Tomahawk)
Re: Entrepreneurship-Lehrstühle: Von Amerika abschreiben hilft Verlieren lernen (noergler)
Re: Entrepreneurship-Lehrstühle: Von Amerika abschreiben hilft Verlieren lernen (AppKiller)
Re: Entrepreneurship-Lehrstühle: Von Amerika abschreiben hilft Verlieren lernen (noergler)
Re: Entrepreneurship-Lehrstühle: Von Amerika abschreiben hilft Verlieren lernen (AppKiller)
Re: Entrepreneurship-Lehrstühle: Von Amerika abschreiben hilft Verlieren lernen (noergler)
Re: Entrepreneurship-Lehrstühle: Von Amerika abschreiben hilft Verlieren lernen (AppKiller)
Re: Entrepreneurship-Lehrstühle: Von Amerika abschreiben hilft Verlieren lernen (CaptainChaos)
Re: Entrepreneurship-Lehrstühle: Von Amerika abschreiben hilft Verlieren lernen (DonAlphonso)


Mir nach!



Suche

Ältere Artikel
12. Januar
·Weltbild: Weg mit dem Schmuddelkram, nicht wirklich
14. Dezember
·Siemens vergeigt Krankenhaus-IT in Wien
01. Dezember
·"Lehrer offline": Schuhbeck gegen Schuhbeck
28. November
·Ströbele: Wie man einen lächerlichen Vorfall noch lächerlicher macht
23. November
·Braucht jemand Weltbild?
·First Mail: So schnell?
22. November
·First Mail: Final mit Ankündigung(?)
13. November
·caatoosee - Jetzt ist der Final final
22. Oktober
·Baron der Woche: Siegfried Kauder (CDU)
21. Oktober
·Alle Äpfel dieser Welt gehören mir

 
Sämtliche Logos und eingetragene Warenzeichen sind Eigentum der jeweiligen Besitzer.
Für den Inhalt der gemeldeten Nachrichten, der Kommentare und der gesetzten Links, ist der Initiator des betreffenden Beitrages verantwortlich.