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06:07 Dienstag, 04. Februar 2003
2000 kleine Agenturen gibt es, tönt die DMMV-Nachrichtensprecherin aus dem Autoradio meines Oldsecomobile Delta 88. Die Tante ist so tot wie alle hier unten in den Glasfaserhighways. Jemand hat vorne Gift eingeleitet und durchsagen lassen, alles sei schon ok, bitte alle auf den Plätzen bleiben.
Sie haben sich daran gehalten. Und jetzt tragen sie den Keim der Vernichtung in sich. Ein Gegenmittel gibt es nicht. Nur ein paar VCs haben Chancen; sie halten sich ihre Fondsgasmasken vors Gesicht, während sie die über den matschigen Asphalt in die Dotcombordelle hetzen. Sie überleben das alles, weil man sie nicht liquidiert, obwohl es für sowas inzwischen durchaus Lösungen gibt. Sie kriegen nicht mal Krankheiten im Bordell; kein Virus würde in ihrem schwarzen, giftigen Blut überleben. Unsterblich wie die menschliche Dummheit und Gier, ihr eigentliches Kapital.
Ich fahre auf dem Pit-Kabel-Boulevard runter, auf der Suche nach Informationen zu ID-Media. Bei DCT warten ein paar Sentinels auf Hinweise, dass der Kolb den Weg aller irdischen Neefs geht und endlich weggeschnupft wird wie eine Prise Backpulver. In einem versifften Hauseingang steht einer, der mir einen Gefallen und ein paar Drinks schuldet. Mein Informant meint, dass es noch etwas dauert, in ein paar Tagen mehr, und schlüpft zurück in die Finsternis. Ich drehe um und fahre heim. Die Tante auf der DMMV singt immer noch das Loblied auf die 2000 Kleinen, die das Rückgrat und die stabile Basis der Revolution sind. Würde ich auch sagen, wenn ich sonst verhungern müsste. Aber daheim wartet das Kinky-Friedman-Chili auf mich, und seinen Song von den Assholes from El Paso kriege ich gerade auf einem anderen Sender. Ein paar durchgeknallte jüdische Kids lassen es in ihrer Radioshow krachen, und ich summe vor mich hin: We don´t have no money in New Eco, we don´t get to the IPO road show. We do swap our PR with the media, and we safe the dough by interns pedophelia. And I´m proud to be an Asshole from New Eco... Und weil ich grad so gröle, ziehe ich den Lanu Finalizer Special und ballere ein paar Schuss in die ewige Nacht über dem komerziellen Netz, dessen Teil ich seit einem Tag bin. Einfach so. Ohne Absicht. Die Kugeln prasseln über den Asphalt, nur einmal gibt es ein dumpfes Platschen. Ich kenne den Ton. Ich halte an und drehe meine Taschenlampe auf, ein Geschenk von Google. Da sind die Reste von Astallos Webdesign, eine dieser 2000 kleinen Buden, aus Hannover. Haben sich in allen möglichen Verzeichnisse eingetragen, für die sich niemand interessiert. Liegt schon länger da. Selbstmörder. Auf dem Abschiedsbrief steht: Es tut uns Leid, aber wir mußten unseren Geschäftsbetrieb aus Finanziellen Gründen leider einstellen. mailto:info@astallos.de Astallos vista, baby, schreibe ich. Dann gehe ich zurück zum Oldsecomobile und fahre heim. Ich denke an die tote Tante, den hübschen Leberfleck auf ihrer Wange und die 2000 kleinen Agenturen. Ab jetzt 1999 kleine Agenturen. Noch. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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