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13:33 Dienstag, 21. Januar 2003
Das hat gesessen: Nachdem der Bericht von Berger über die SZ beim Focus war, bevor man die Frontschweine in den Redaktionen einweihte, ist die Stimmung natürtrüb.
Eigentlich hätte man es ja ahnen können, immer wenn gemetzelt wird, heisst es, die Berater sind ja nur da, um zu helfen... das jetzt-Magazin kann ein Lied davon singen. Im Zentrum steht die Frage: Wie konnte das passieren. Da wird Druck von oben gemacht, man ist empört und braucht sich deshalb keine grossen Fragen gefallen zu lassen, wer eigentlich die Sparvorgaben und Szenarios gemacht hat. Die Erfahrung lehrt: Sowas machen die Liquidatoren vom Berger nie allein, das wird zusammen mit dem Auftraggeber festgelegt. So richtig wahr haben wollen das aber nur die wenigsten. Vorbei die Zeiten, als man in den hochgeistigen Redaktionen nichts von Wirtschaft zu verstehen brauchte. Den Spruch "Berater sagen, was Chefs gerne hören" sollte jetzt jeder kennen.
Was besonders heftig kommt, ist die Einsicht, daß die ganze interne Solidarität in der SZ nichts gebracht hat. Im Sommer 02 hatte man sich noch zusammengetan und versucht, Kündigungen durch Einschnitte bei den Löhnen zu verhindern. Ein paar Kollegen protestierten sogar öffentlich gegen die Leitung, als Jetzt platt gemacht wurde. Schlechte Zeiten für Querulanten. Die Angst geht um. Und dann gibt es natürlich noch die Corporate Weasels. Die Typen, die ihren Hintern für gesichert halten. Besonders in den harten Kernfeldern anzutreffen. Politik und Wirtschaft, die man für den überregionalen Anspruch auch weiter brauchen wird. Und die Typen, die schon ein paar Geschichten vor die Wand gesetzt haben und trotzdem immer noch protektioniert werden. Die machen jetzt in einzelnen Redaktionen auf "bereit für notwendige Grausamkeiten". Sie sagen schon mal, das Sekretariat arbeitet sowieso schlecht... Auf die Todesliste mit NRW-Teil und Magazin reagiert man kaum noch. Es war lange erwartet worden, und die Dementis klangen schon seit Monaten wenig überzeugend. Zu Bergers Konzept kommt der langsame, hausinterne Psychostress. "Dann sollen sie es doch einfach dichtmachen, dann haben wir es hinter uns" - hört man häufig diese Woche. Worüber keiner spricht - weil sie es vielleicht nicht wissen? - sind die enormen Unsicherheiten, die das Konzept, soweit bekannt, in sich birgt. Alle Kosten der Restrukturierung sind nur geschätzt. Nach allen Erfahrungen von Pixelpark bis zu EM.TV verlaufen "Sanierungen" nie so glatt wie in den Berichten, und schon gar nicht die Amputationen, die laut Bericht geplant sind. Gerade Berger könnte da ein Lied von singen. Angesichts der massive Eingriffe in das gesamte Gefüge würde es mich nicht überraschen, wenn man Berger gleich wieder anheuert, um die Ergebnisse der mangelhaften Folgenabschätzungen zu beheben. Würde die SZ-Medienseite spitz sagen, wenn es um Burda oder Springer ginge. Eigentlich unglaublich, daß man einen Bericht ausarbeiten lässt, der Redaktionen und ganze Kompetenzbereiche behandelt, als ob es Töchter eines Mischkonzerns wären. Daß NRW Geld kostet, hätte man auch ohne Berger gewusst. Was gar keine Rolle spielt, ist der Verlust von Qualität und Kompetenz - und dadurch an verkaufter Auflage. Was schlecht für die Werbeeinnahmen wäre. Aber auch das hatte Berger wohl nicht berücksichtigt. Soweit ein paar Worte jenseits der Denkverbote. Heut Abend geht´s zur Entspannung erst mal zu ein paar Werbefritzen. Gedoppeltes Leid ist in Proseccolösung halbes Leid. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: SZ nach Berger: Ein kleiner Stimmungsbericht (banane16)
... tja schade. wenn die qualitaet der SZ weiter im gulli versinkt, magazin und wochenendbeilage hingeschlachtet werden, gibt es wirklich keinen grund mehr, sich den briefkasten mit altpapier zu fuellen. dpa-meldungen gibts anderswo kostenlos. wird ja bald fruehling, da ist kein papier mehr zum anfeuern nötig, und auch die haustiere kommen wieder ins freie und brauchen keine einstreu mehr.
Re: SZ nach Berger: Ein kleiner Stimmungsbericht (DonAlphonso)
Aber, aber...
Die SZ wird es auch sicher weiterhin schaffen, mehrere Millimeter über dem Niveau der Abendzeitung zu bleiben. Einmal im Monat darf ein Ex-Magazinler oder Jetztler dann als Freier einen Beitrag schreiben, der wird gerahmt beigelegt als Nachweis für Kompetenz, bestätigt vom Ott persönlich, und der Kotteder schreibt eine Eloge darauf.
Re: SZ nach Berger: Ein kleiner Stimmungsbericht (lucrezia_b)
Danke.
Sonst noch was? Eine Empfehlung von Christoph Wiedemann? Man kann auch ohne Gossisten einfach nur gute Arbeit machen.
Das denn doch nicht (DonAlphonso)
He! In den Sumpf der niedersten Münchner Kultursudelei hätte ich Dich nie verortet. Und Kotteder ist doch eher ein Kompliment...
more bad news für die SZ (DonAlphonso)
diesmal nicht von Burda, sondern von Springer. Da brennt die Luft:
http://www.netzeitung.de/servlets/page?section=5&item=223977 |
Mir nach!
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