1984.boocompany.com
dotcomtod auf geht\'s auf oder ab abwärts übel leidend das wars wohl
Erste Seite | Die Idee | Boo melden | Ruhmeshalle | Kommentare
 

Menü
Erste Seite
Die Idee
Boo melden
Ruhmeshalle
Kommentare
Newsfeed
Forum
DCT Archiv
Kontakt

Galerien
Insider
Boo
Final

Booshaft
Baron
eCards
Intern
Echo
Kolumne
Presse

Bootanischer Garten

Login
Benutzername

Passwort

Registrieren
Passwort vergessen





Get the Klip for boocompany.com
Add to any service

Blogliste
Lanu
Don Alphonso
Che
Hal Faber
Pud
Girl
Strappato
Sven Scholz
Jens Scholz
Thomas Knüwer
Dr. Dean
Spreeblick
Lumma
Wirres
Markus Grill
Sethos

Bloghoster
Twoday.net
Blogg.de
Blogger.de

Süddeutscher Verlag Hölle, Dein Name ist Süddeutscher Verlag, mal wieder,
INSIDER Süddeutscher Verlag von donalphonso

10:41 Sonntag, 29. Dezember 2002

und eine Welt entfernt, in der Provinz, geht alles seinen ruhigen Gang und meine Wenigkeit zum Wochenmarkt. Beim Gemüse kommt mir ein Hals unter kurzen, dunklen Haaren bekannt vor, und tatsächlich - diejenige, die Paprikas auswählt, hat mit mir Abitur gemacht.
Gleicher LK, gleich mies in Mathe, danach nur noch ein paar mal gesehen, na so eine Überraschung, hallo Margot.
Auch wenn es klingt wie meine Oma: Sie ist immer noch auf eine vertrackte Art grandios, sie hat sich kaum verändert, und ich - weniger grandios - wohl auch nicht. Ich halte ihre Hände und gucke, ob da irgendwo ein Ehering ist, denn nichts verunziert alte Erinnerungen mehr als ein dröger Ehemann. Nichts zu sehen. Glück gehabt.

Sie sagt, sie hat mich vermisst beim Abijubiläum, aber ein Bekannter hat meine Story erzählt: Dass ich an dem Tag im Ausland war, dass ich in der Weltgeschichte rumgurke und aus mir gleich mehrfach was völlig anderes geworden ist, als ich geplant hatte. Damals im ockergelben Gymnasium am grossen, trägen Fluss - aber zumindest habe ich es raus aus der Provinz geschafft. Von den 120 Leuten damals haben gerade mal 3 eine Bio bei Google, haben sie auf dem Jubiläum gesagt; ich bin der einzige auf der Liste mit einer .org-Mail.

Fast alle anderen konnten damals übrigens mit dem Rad zum Treffen fahren; sie sind meistens wieder da, die Provinz hat sie wieder eingesammelt wie die Strassenreinigung Blätter im November. Der diskrete Charme der kleinen Stadt spricht aus ihren Worten und lotet aus, ob die Provinz auch noch in mir steckt. Als ich nicht reagiere, kommt die Frage direkt; weil ich jetzt da bin, bin ich doch wieder zurückgekommen, für länger?

Nein, sage ich, ich war nur über die Feiertage der anderen da, und habe auf die Katze aufgepasst.

Du warst schon immer ein Paradiesvogel, Don. Irgendwie würde eine gerade Bio auch nicht zu Dir passen. Aber das haben wir auch bei Julia gedacht; die war nämlich da auf dem Treffen und klang damals noch recht zuversichtlich, dass sie in München bleiben würde, und jetzt...

Und dann erzählt Margot, dass Julia wieder da ist, so ziemlich die einzige, die es wie ich auch raus geschafft hat aus der Provinz, in einen schillernden Beruf. Der andere Paradiesvogel, die einzige, die es in der K13 wie ich zur Arztpflicht bei den Absenzen geschafft hat. Mit Julia war Margot gestern Nacht auf der Piste, und Julia hat erzählt, dass sie jetzt erst mal in der Provinz bleibt. Bei ihren Eltern. Weil sie nämlich bei der Süddeutschen gegangen wurde.

Moment, sage ich, wann denn?

Jetzt, im Dezember, meint Margot, da hat man sie vor die Wahl gestellt, entweder freiwillig zu gehen oder gefeuert zu werden, so oder so könne man sie nicht halten. Und das, obwohl sie im Lauf des Jahres so gut wie alles getan hat, um sich in der Krise anzupassen, weniger Geld akzeptiert, mehr gearbeitet, aber irgendwie wollte man kurz vor Weihnachten nochmal ein paar Leute loswerden. Nicht viel, aber auf die Weise hat man halt eine niedrige zweistellige Zahl rausgekickt, mit den Worten, sie würden doch überall was finden. Leute ohne Hausmacht. Und das soll im Januar nochmal schlimmer werden, weil es im Verlag zwischen den Gesellschaftern mal wieder kracht. Was im Moment in München passiert, klang nach ihren Worten ziemlich schlimm, Don. Und wie geht es Dir dort?

Ich will gerade ausholen, da kommt ein Typ mit Blue Jeans, blauer Windjacke, fetten Handschuhen, Lennonbrille und dünner, blauer Mütze auf uns zu. Margot stellt ihn mir vor. Ihr, hm, Mann, was immer das heisst. Sehr erfreut, Alphonso Porcamadonna. Ich fange an, was über die Munich Area zu erzählen, aber es nervt den Kerl. Nach einer Minute geht er dazwischen und erklärt, dass es ja so kommen musste, und dass er das schon lange gesehen hat.

Er kennt sich nämlich aus. Er weiss, was gut und richtig ist. Die Leute wollen kein Internet oder New Media, sie wollen Sicherheit, Häuser, Kinder und für die wiederum einen Garten. Er versteht sowieso nicht, wie man in München leben kann, da ist alles laut und die Leute sind arrogant, kein Wunder, dass dort nur Singles sind. Lauter Verhaltensgestörte, deshalb machen die alles über Email und Chats. Meine Einwände interessieren ihn nicht. Ich soll einfach mal eine Weile hier sein, dann würde ich das schon verstehen. Man braucht nämlich eine Heimat, und das kann so eine Grossstadt nicht sein. Er war ja auch in München beim Studieren, Maschinenbau, er hat es gehasst, aber jetzt ist er hier und kann nur lachen über diese Stadt, die jetzt endlich aufs Maul fällt. So richtig. Die Provinz hat gesiegt.

Margot fühlt die Peinlichkeit der Situation, aber sie tut nichts. Ich sage, ich muss weiter, aber sie soll mich doch anrufen, und gebe ihr meine Karte. Der Kerl grinst schief dazu, als er darauf die Organisation und den Titel liest. Ich bin in seinen Augen der Inbegriff des Fremdkörper, der Andere, die Bedrohung, aber ich werde auch noch fallen, da ist er sich sicher. Dann schaut er genervt durch die Gegend, als ich mir das Recht herausnehme und Margot nach diesen langen Jahren zum Abschied umarme.

Ruf mich an, bitte, ich bin nächstes Wochenende da, sage ich ihr. Leise.

Wochenende ist immer schlecht, sagt sie, auch leise. Am besten unter der Woche, tagsüber.

Und dann sehe ich zu, wie sie gehen und er mit seinen Wurstfingern auf ihrem schlanken Hals rumpatscht. Der Trottel.

Es ist mit der Provinz wie mit intensivem Käse, sagen wir mal, Saint Ceols: Wenn man zuviel auf einmal nimmt, kippt der Geschmack um und wird unerträglich. Es wird mir hier zu sauber, ich setze mich in den Wagen, lasse die Raketen von Tokio kreischen und jage zurück in den Moloch der Munich Area. In das betonversiegelte Zentrum des Bösen, wo die Nacht nicht enden will, wo die Frauen statt Männer ein nettes Alkoholproblem haben, wo sie nachts um drei auf den Sofas weinen und kein Garten und keine Vorstadt künstliche Paradiese der Kleinbürger erfindet. Dorthin, wo das Scheitern und der Untergang akzeptierte Regeln des Spiels sind und das Verglühen die eheliche Wärme ersetzt. Wo der Alptraum offensichtlich ist und man schnell stirbt, und nicht irgendwann 60 Jahre später unbekannt verlischt. Vergiftet sind dort die Träume, und der Selbstbetrug ist grandios.

Es ist alles eitel, es ist Lüge, und wir gehen dabei drauf, zum Teufel mit uns und allen anderen, aber immer noch besser als die schale Langeweile, die Sicherheit über dem Rasen des Vorgartens, unter dem mein Jahrgang seine Erwarungen ans Leben verscharrt hat. Wir Anderen, wir Fremden sterben an unserer eigenen Hybris und an der falschen Ernährung, wir haben Anorexie und ein Tablettenproblem wie die Trottel der Provinz Fettleibigkeit und Gewohnheitssäuferei, wir sind schnell und die sind langsam, vielleicht gehen wir unter, oder finden das neue Goldene Zeitalter, aber wir schiessen uns hier selber raus und warten nicht nur auf das Ende.

Oder so, Margot. Viel Spass mit dem Trottel, der nicht begreift, warum Du überhaupt mit mir redest oder mit Julia weggehst.





Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
"Uns verbrennt die Nacht" (Peter_H)
(Buch über Jim Morrison)



Und die SV-Gesellschafter.



.org-Mail? Na die kann noch teurer kommen als T-Aktien...



Don, Du solltest die Cloaka Maxima selbst schreiben - als Roman. Über Münchner Frauen kann ich dann noch was beisteuern ;-/
Re: (DonAlphonso)
"Über Münchner Frauen kann ich dann noch was beisteuern"



Weisst Du, nach jeder Geschichte mit der Prinzessin habe ich eine Grundsatzdebatte mit der real existierenden Prinzessin, die ich aus gutem Grund nicht veröffentliche. Muss ja nicht jeder wissen, wie das auch sein kann.



Glaub mir, Peter_H, nicht die Nacht verbrennt uns, sondern der Blick einer Schönen, die sich nicht adäquat beschrieben sieht. Das hier kann ich auch nur schreiben, weil in der Provinz niemand DCT kennt.
Meine Frauen... (Peter_H)
...lesen hier nicht mit. Jedenfalls die, über die ich schreiben würde. Die, die in meinem Leben ist, über die muß ich ja nicht lästern :-)
Re: Meine Frauen... (DonAlphonso)
fanden es irgendwann mal witzig, dass sie den Don kennen, haben ab und zu reingeschaut, und schwupps, hatte ich Probleme. Scheiss-Popularität.



Vor drei Wochen war ich bei einem Essen, da kannten 4 von 5 Leuten den Namen, einer davon hiess Markwort und ist beim Focus. Brr.
Corrigenda (DonAlphonso)
Meine Katze legt nach Lesen Wert auf die Feststellung, dass niemand auf sie aufpassen muss. Im Gegenteil, sie hat sich in den letzten Tagen ausserordentlich befleissigt, meiner banalen Existenz im Streicheln und Füttern Sinn und Bedeutung zu geben.
Provinz? (crashdotcom)
Also München kam mir auch immer ziemlich provinziell vor. Mann, ist das fade dort! Was macht man dort eigentlich, wenn man keine Arbeit hat?
Re: Provinz? (DonAlphonso)
Man sitzt rum und redet darüber, dass Berlin kreativer ist, aber dass es dort auch keine Jobs gibt. Dann ruft man jemand an und frägt, ob ein Event ist. Wenn nicht, geht man in´s Odeon und tut beschäftigt mit dem Laptop.



Andererseits, ich wurde in viele "Grossstädte" Deutschlands verschlagen, und in der Summe aller weichen Standortfaktoren ist München noch am ehesten eine Metropole. Ist halt nicht jedermanns Sache, geb ich zu.
Re: Provinz? (Tomahawk)
Berlin kreativer, Don? My left foot! Das Regierungsviertel etwa, das dort (wo man Schinkel, Semper, Lenné et al. noch mit geschlossenen Augen sehen kann) hingeklotzt wurde, ebenso dumpfblütig wie geschmacklos? Gegen diesen inhaltsleeren Protz, mit Verlaub, war der ebenso geschmacklose Albert Speer ein Minimalist.

Jobs gibt's in Berlin aber reichlich: Die Nobelnutten an den "Adlon"- und sonstigen präkoitalen Mahagoni-Theken wissen um ihren städtischen Kulturauftrag und werden täglich zahlreicher.



Da lob' ich mir Hamburg. Die Nutten auf St. Pauli haben Kultur ohne Auftrag und gehen sogar ins Theater: auf eigene Kosten, freierlos. Und ein Hamburger Pfeffersack, der in seinem diskreten Kontor die Zeitung aufschlägt und seinen Namen in den Klatschspalten liest -- der springt in der Speicherstadt aus'm sechsten Stock in die zugefrorene Alster. (Im Sommer: Köhlbrandbrücke oder Fernsehturm.)



Hier hat, anders als in München, die Schickeria noch nicht das Regime übernommen. Und das ist gut so.

Moin!




Re: Provinz? (DonAlphonso)
Das mit Berlin sagen die anderen, nicht ich. Wenns nach mir ginge, würde man Berlin an die Nordkoreaner verkaufen, für 1 Euro 99 Schrottwert.
Re: Provinz? (RoMo)
Arbeit suchen? :-)



Ernsthaft: Irgendwie tut es einer Stadt auch gut, wenn die ganzen Pseudo-High-Potentials zur beruflichen und menschlichen Rekalibrierung geschickt werden.



Ganz besonders in München, wo die arroganten Wohnungsmakler (2000: "Mein Sohn hat eine Internet Firma und arbeitet für Stoiber!!!" 2002: insolvent ) zumindest oberflächlich wieder respektvoller mit Ihren Kunden umgehen :-)



Achja, auch ich habe grade den Job gewechselt, da mein Münchener Ex-Arbeitgeber mich gegangen hat... (Leider darf ich ja nicht Lästern wegen der Abfindung ;-))



o'zapft is
Re: Provinz? (f360m)
Feigling fällt mir dazu nur ein - wegen Abfindung. Ansonsten ist München einfach Klasse ! Wo sonst lässt es sich so gut leben, wenn man einen unkündbaren Job hat.



Ciao
Re: Provinz? (AppKiller)
Wieso Feigling? Auch Loyalität ist käuflich! ;-)

(Und München ist wirklich eine schöne Stadt - wären da nur nicht die Münchner... ;-))
Re: Provinz? (DonAlphonso)
"Die Münchner" sind nur eine Erfindung.



Es gibt sie nicht wirklich, mal von den miesen, kleinen präpotenten Juniorgeldsäcken des OvM mal abgesehen, und den Kids aus dem Westend, aber die sind eine andere Baustelle. Der Rest ist Abschaum aus den Provinzen, derer München viele hat.
genial (deathrow)
grossartig, wirklich. Genialer Artikel, bitte schreib ein Buch. Vorbestellung von mir hast du. Mit Geschichten wie dieser klatscht du den aufgeblasenen Stuckrad-Barre an die Wand. Guten Rutsch und ein gutes Neues...
Merci, aber.... (DonAlphonso)
ein Buch, das wären dutzende und aberhundert solcher Geschichten, und die dann noch verknüpft, puh.



Ernst beiseite, das Werk ist bereits in diversen Lektorenhänden und wird fleissig nicht gelesen und zurückgeschickt. Vielleicht, weil die 3 Helden nichts im Kopf haben ausser Sex, Drogen und Luxus?
Re: Merci, aber.... (deathrow)
ignoranten...

ernsthaft, dranbleiben, hast du die kleinen verlage probiert?



Ausserdem, handeln grosse romane nicht alle von LSD (Luxus, Sex, Drogen). Naja spannung wäre auch nicht schlecht...



bis bald
Re: Merci, aber.... (DonAlphonso)
Das macht alles mein Agent ;-)



Münchner Romane (und besonders NE-Romane) sind ohne LSD nicht vorstellbar. So fertige berliner Gründer, die Golf fahren, eine feste Freundin haben und hin und wieder ein Pils zuviel picheln, gibt´s in meiner Welt nicht. Wir haben hier nur echten Grössenwahn und das entsprechende Material.



Dietl und Co. verbreiten über München keine Klischees. München ist wirklich so. Man blickt eigentlich immer nur fassungslos zurück und denkt sich, das kann doch alles gar nicht wahr gewesen sein, und gleichzeitig drängelt alles immer weiter, aber niemand weiss wohin -



alptraumhaft & spannend, und ich bin mittendrin statt nur dabei, wenn wieder die Salven der Strategieberater knattern und neben mir gestorben wird.




Suche

Ältere Artikel
17. Dezember
·Holtzbrinck fängt an, die StudiVZ-Türen zu verrammeln
16. Dezember
·Der Zumwinkel-Skandal wird zur Farce
15. Dezember
·Baron der Woche: Dr. Diether Wiefelspütz, Mitglied des Innenausschusses
·freenet: Die schöne Welt des Eckhard Spoerr
12. Dezember
·freenet: Wie ist denn die Stimmung in Elmshorn? (Update)
11. Dezember
·Mutig und voller Elan in die Krise – Lanu Store geht online
10. Dezember
·Diamond Systems: Größe schützt vor Pleite nicht
09. Dezember
·Yahoo! macht Düsseldorf und Hamburg dicht
07. Dezember
·Baron der Woche: Thomas Knüwer, hibbeliger "Journalist" 2.0?
05. Dezember
·Post zum Thema Betriebsrat bei Solarwatt

 
Sämtliche Logos und eingetragene Warenzeichen sind Eigentum der jeweiligen Besitzer.
Für den Inhalt der gemeldeten Nachrichten, der Kommentare und der gesetzten Links, ist der Initiator des betreffenden Beitrages verantwortlich.