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12:51 Mittwoch, 18. Dezember 2002
Das Märchen vom unermesslichen Reichtum
Alle handelnden Personen und Abläufe sind natürlich frei erfunden. Falls doch etwas wahres daran sein sollte, ist es ein reiner Zufall. Kapitel 1: Vor langer Zeit in Bayern, in den goldenen 90ern Es war einmal, vor langer Zeit, da war unser Held, der Bodo (Schnabel), ein kleiner Ingenieur, der stets von der großen Welt und von unermesslichem Reichtum träumte. Er lebte zwar gut, aber dennoch bescheiden, vergnügte sich mit seinem Weib, der Ingrid, sie war ihm stets treu ergeben.
So wie es guter Brauch dieser Zeit war, arbeitete Bodo mit seinem besten Freund, dem Hartmut (Schwamm), in verschiedenen Abenteuern zusammen, zuletzt an "Information Storage", was ihnen ein guter Name schien. Es trug sich zu, dass der wirkliche Erfolg leider ausblieb, seinen Unternehmnungen drohte vielmehr ein böser Dämon namens Insolvenzus. Um Insolvenzus zu entgehen, flüchteten Bodo, Ingrid und Hartmut, stets wagemutig in neue Unternehmungen. Sie träumten dabei von schnellen, tollen Gefährten, die ganz besonders magisch technologisch aufgerüstet waren. Als Insolvenzus ihnen wieder einmal gefährlich nahe kam, namen Sie einen Schutzmantel (Vorratsgesellschaft Rain, nie aktiv), benannten ihn in ComRoad, denn das erschien ihnen gut, bei ihrer Liebe zu den Fahrzeugen. Sie nahmen diesen Schutzmantel, und begaben sich wieder in ihr geliebtes Oberschleißheim. So organisierten für ComRoad etwas Geld, dieses magische Mittel, das Insolvenzus stets vertreiben konnte, und begannen von tollen Gefährten mit viel Magie (Telematik) zu träumen. Da der Mantel es so forderte, nannte sich Bodo vortan "Vorstand", Hartmut "Aufsichtsratsvorsitzender", und auch Ingrid wurde "Aufsichtsrat". Da der Mantel aber noch mehr Aufsichtsräte forderte, überredeten sie ihren guten Freund "Christian". Leider drohte der böse Dämon Insolvenzus ihrem schönen Abenteuer "Information Storage", doch sie besiegten die Bestie mit einem Trick: Der Mantel verschlang die "Information Storage", so dass der Dämon ins Leere lief mit seinem bösen Werk. So waren unsere drei Helden erstmal glücklich und zufrieden, und hingen weiterhin ihren Träumen vom großen Reichtum und magischen Fahrzeugen nach. Kapitel 2: in Frankfurt, der Stadt des Geldes An anderem Ort begaben sich zu jener Zeit andere Geschichten. Im goldenen Frankfurt war ein Glücksritter namens "Immobilien Schneider" am Werk, einen Kreuzzug nach Osten, zu den boomenden Immobilienspekulationen zu unternehmen. Dies alles tat er von seinem Schloss in Frankfurt Königsstein aus. Dieses Schloss hütete er wie seinen Augapfel, und bezahlte hierfür immer brav seinen Zehnten, im Gegensatz zu seinen Kreuzzügen im Osten, wo er nicht so genau auf solche weltlichen Dinge achtete. Nun begab es sich, dass misswillige Fürsten ihre Schergen aussandten, unseren Immo-Schneider zu bedrängen. Die Schergen hatten Erfolg, der arme Immo-Schneider ward unter großem Getöse in den Kerker geworfen. Er konnte selbst sein liebstes Schloss in Königsstein so nicht mehr verteidigen. Aus diesem Grund übergab er das Schloss seinem getreuen Verbündeten Andreas (Löhr), auf dass er es hüten und bewohnen möge. Auch Löhr war ein Glücksritter, gar schnell etablierte er ein neues Abenteuer namens "Emissionsberatung" im Schloss in Königsstein. Kapitel 3: unsere Helden treffen sich Nun begab es sich, dass unser Held, der Bodo, auf unseren Glücksritter, den Andreas, stiess. Schnell machte Andreas dem anfangs ungläubigen Bodo klar, dass er die Magie gefunden habe, alle seine Wünsche wahr werden zu lassen. Was das wohl für eine Magie sei? Der "Neue Markt" sei der Gott, der Insolvenzus vernichten und Reichtum schaffen könne, meinte Andreas. Zunächst war Bodo etwas misstrauisch. "Ich habe nicht viel, werter Andreas, was ich dem Gott opfern könnte" - "Das macht doch nichts, er verlangt nur eine Story, und Dein Traum von magischen Fahrzeugen ist gar wohl geeignet, dem Gott geopfert zu werden". "Aber Andreas, du willst doch sicherlich viel Geld von mir, um mich mit diesem Gott zu verbinden?" - "Oh nein, werter Bodo, gewiss nicht. Im Gegenteil: wenn Du dich an mich bindest, auf dass ich Dich zu dem Gott führe, so werde ich dich sofort gar fürstlich belohnen!" - "Wie geht das denn, Andreas?" sagte ungläubig unser Bodo. "Nun, ganz einfach, ich nenne es Optionen. Mir selbst wird diese Güte der Gott Nemax gar fürstlich belohnen". So wurde, durch das Zureden von Andreas, unser Bodo zum Anhänger des Gottes Neuer Markt. Er überzeugte auch seine Gefährten, die Ingrid und den Hartmut. Ihnen allen, Bodo, Andreas, Ingrid, und Hartmut, war jedoch die böse Natur des Götzen noch nicht bewusst. Kapitel 4: Die Widrigkeiten werden überwunden Nun machten sich unsere vier Helden daran, alle Widrigkeiten auf dem Weg zum Glück mit ihrem neuen Gott zu überwinden. Das fehlende Gold wurde über Andreas' "Optionsprämie" beschafft. Nun, so sagte Andreas, man bräuchte noch Engel namens Konsortialbanken. Da Andreas mit solchen Engeln von je her gute Verbindungen pflegte, fanden sich schnell die Engel "Concord Effekten" und "Hauck & Aufhäuser", die ebenfalls dem großen Götzen Börse verfallen waren. Eines Tages kam Bodo etwas bedrückt zu Andreas "na ja, weisst Du, mit den Zahlen, die unser Gott so sehen wird wollen, könnte es ein bischen schwierig werden. Zwar weiss ich wohl, wie sie aussehen sollen, ich habe sie gar bereits im Kopf, nur hat unser schöner Mantel Comroad ein bösen Buchhalter, der mir gar andere Zahlen vorlegt. Die konnte ich zwar ändern, aber kommen da nicht die Schergen des Gottes, und verdächtigen mich?" "Oh nein, lieber Bodo, keinesfalls. Auch dafür habe ich ein allbewährtes Heilmittel. Es hört auf den Namen KPMG. Das sind nette Gesellen, denen sagst Du einfach Deine Lieblingszahlen, und sie testieren. Mach dir hier nur keine Sorgen." "Aber Andreas, muss denn, um dem Gott geopfert zu werden, mein Traum von magischen Fahrzeugen nicht umsetzbar sein? Nur leider beherrsche ich die Magie noch nicht" - "Keineswegs. Wir haben doch die Story, ich habe sie gar schon geschrieben, ich nenne sie "Emissionsprospekt", ein gar literarisches Werk. Dies reicht, die Schar der Jünger des Gottes will die Story, doch nicht die magischen Fahrzeuge". So wurden alle Widrigkeiten gar meisterlich überwunden, und zu Weihnachten im letzten Jahr des Jahrtausends begab es sich, das das Abenteuer Comroad dem großen Gott dargebracht wurde. Um ihm würdig entgegen zu treten, wurde Andreas gar zum Aufsichtsratsvorsitzenden erhoben. Kapitel 5: Der Götze erfüllt alle Wünsche Und der Gott war wahrlich freigibig. Er überhäufte unsere Helden mit purem Gold. Andreas wurde gar fürstlich für seine "Optionen" belohnt, sein Gott bedankte sich millionenfach für seine Treue. Auch Bodo und Ingrid lebten fortan in Reichtum und Freude, sie konnten wie einst Rumpelstielzchen Gold in Hülle und Fülle erzeugen, sie mussten nur das magische Wort "Verkaufe ein paar meiner Aktien" zu ihrem Diener, der Bank, sagen. Die Jünger des Gottes waren gar begeistert, und trieben durch ihre Zuneigung den "Aktienkurs" als Zeichen ihrer Verehrung, in ungeahnte Höhen. Nur war leider der Traum selbst, die magischen Fahrzeuge, nicht durchführbar. Die Jünger des Götzen verlangten jedoch nach Fortschreibung der Story. Doch auch hier fiel unserem Helden eine schöne Lösung ein. So sprach er einfach frei von der Leber weg "Sehet nach Osten, in die Ferne. Dort, im unbekannten Lang hong kong, wo die Menschen fremdartig, aber gar fortschrittlich sind, dort wird meine Magie zur Tat. Millionenfach wird dort, im fernen Land, zu Gold, was einst als mein Traum begann." Die Jünger waren begeistert. Auch die Geselllen von KPMG waren gar hocherfreut, und testierten, was immer sie an Geschichten über das ferne Land von Bodo erzählt bekamen. Kapitel 6: Der Gott ist mächtig So lebten unsere Helden in Reichtum und Wohlstand. Jedoch, durch den prunkvollen Lebensstil, und eine teure Knechtschaft, die tagein tagaus die Geschichte der magischen Fahrzeuge weiterdichtete, drohte dem Bodo das Gold auszugehen. Er wandte sich hilfesuchend an Andreas. "Oh Bodo, verzage nicht. Auch hierfür hat unser Gott ein Mittel. Es nennt sich Kapitalerhöhung, so bekommt dein Traum Comroad ach noch viel mehr des Goldes". Wieder diente Andreas als Mittler zu dem Götzen, wieder belohnte der Götze alle reich und fürstlich. Weitere Mengen an Gold wurden an unsere Helden vergeben, Glück und Zufriedenheit waren gerettet. Wieder schrien die Jünger nach neuen Zahlen, wieder dichtete Bodo gar meisterlich von fernen Ländern mit gewaltigem Bedarf an magischen Fahrzeugen, wieder erfreute er damit die KPMG, die stets fröhlich testierten. Bodo wurde gar einer der treuesten Dienser seines Gottes, selbst als andere schon abliessen, dichtete er noch von seiner Magie. Kapitel 7: Der Gott stürzt, Bodo wird getroffen Doch, im Jahre des Herrn zwei tausend und zwei, begab es sich, dass der falsche Gott, der bereits strauchelte, vernichtet wurde. Seine Anhänger wandten sich ab, seine Jünger flohen, seinen Verbündeten standen harte Zeiten bevor. Hier nun beginnt der traurige Teil der Geschichte, unser Held Bodo musste erfahren, dass seine Gefährten doch gar treulose Gesellen waren. Die Büttel der KPMG bekamen Angst, und sagten auf einmal "wir testieren nicht". Das war gar aussergewöhnlich, hatten sie doch nie zuvor so getan. Auch Andreas hatte alles bereits geahnt, er sagte schlicht "ich beschließe die Entlassung von Bodo als Vorstand und trete als Aufsichtsrat zurück", und begab sich mit seinem Gold von dannen, auf dass er nicht vom stürzenden Gott betroffen werde. So konnte er durch seinen Verrat weiter glücklich und in Reichtum leben. Selbst Hartmut, der treueste der Treuen, sprach "ich kenne dich gar kaum, das Scheitern der magischen Fahrzeuge ist mir ein Rätsel, wie hätte ich davon ahnen können", und wandte sich ab. Alle anderen Büttel, die Bodo so lange treu gedient hatten, nahmen von dem Gold, soviel sie konnten, und machten sich von dannen. Sogar der Gott Neuer Markt bestrafte, selbst im Fallen, den armen Bodo mit Rekord-Kurseinbrüchen. Bodo war allein und verlassen, nur Ingrid stand an seiner Seite. Nun gaben ihm die Gefährten einen Letzten Rat: Sich selbst auch von dannen zu machen, die Anbetung des Götzen sei vorüber, Bodo solle in fernen Ländern dem möglichen Unbill entgehen. Kapitel 8: Bodo arm und verlassen Bodo jedoch glaubte einfach nicht, die Welt könnte sich so ins Böse verkehren. Standhaft behauptete er, sein Traum von Comroad sei doch gut. Nun, die Schergen der neuen herrschenden Götter, genannt Staatsanwälte, setzten an, unserem Bodo gar übel zuzusetzen. Sein Mantel gab ihm keinen Schutz mehr, seine Getreuen machten sich von dannen. Gar warfen sie den Held, in Ketten gelegt, in finstere Kerker, allein ihr Wort "Fluchtgefahr" genügte. Auch Ingrid wurde belangt, da sie jedoch ein zartes und liebenswürdiges Wesen ist, waren die Staatsanwälte doch freundlicher zu ihr. Sie hielt ihnen auch nicht lange Stand, sie bekannte und bereute, klein, arm und unwürdig zu sein, stets von Bodo und dem Götzen gelenkt worden zu sein, und dass sie doch von alledem recht wenig verstanden hätte. So wurde ihr Gnade zuteil. Nicht aber Bodo. Er wurde von Schergen vor ein Gericht gebracht. Dort, standhaft und edelmütig, wie wir ihn kennen, verteidigte er seinen Traum. Er sagte, er habe doch nur getan, was sein Götze von ihm verlangt habe. Es sei doch nichts böses gewesen, die Geschichten aus den fernen Ländern zu erzählen, denn Teil seines Traumes sei doch gewesen, dass in ferner Zukunft tatsächlich in den fernen Ländern die magischen Fahrzeuge entstünden. Auch habe er den Jüngern des falschen Gottes doch nur gegeben, was sie verlangten. So, fragte er die Ankläger, wie könnt ihr mich bestrafen, wo ich doch stets recht getan? Nur, die Schergen waren böse, und die Zeiten hart. Für sieben bittere Jahre warfen sie unseren Helden in einen finstren Kerker. und die Moral ? Die Geschichte endet böse, wie die des Gottes. Die treulosen Gefährten zwar leben weiter in Frieden und Reichtum, nur unser guter Held mit den schönen Träumen wird für sieben Jahre eingekerkert. Gar ungerecht ist doch die Welt. trotz allem ein gesegnetes Weihnachtsfest an die anderen ehemaligen Jünger der Götter der New Economy mit ihrem mächstigsten Gott des Neuen Marktes. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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