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13:00 Dienstag, 01. Oktober 2002
welche im Managermagazin zu veröffentlichen Herr Kollmann sich nicht enthalten konnte.
Sehr geehrter Herr Kollmann, ich kann von mir nicht behaupten, Ihren Lehrstuhl zu kennen. Ich weiss auch sehr wohl zwischen einem Kommentar und einem ausgewogenen Artikel zu unterscheiden. Selbst den Vergleich mit den Schaulustigen kann ich akzeptieren - weil Sie im Gegenzug akzeptieren müssen, welchen Unfall wir da angaffen: Da sind ein paar tausend Angeber mit Tempo 250 ohne Sicherheitsabstand in eine Nebelwand gedonnert, voll mit der Koks-Personality, die Leute wie Sie fördern.
Das muss man wirklich gesehen haben. Dem Rest Ihrer Kolumne kann ich nicht zustimmen. Denn die menschliche Geschichte besteht immer aus Learning by Doing, und die Lehren aus Fehlschläge sind das, was uns voranbringt. Überzogene Jubelberichte, sogenannte "Success Stories", finden Sie im Manager Magazin zur Genüge - aber hat die blinde Verehrung irgend eines dieser gehypten Startups gerettet? Geht es denen heute gut, den Fantastics, den I-D Medias? Herr Kollmann, in der Renaissance konnte man sich derartige schreibende Kriecher in grossen Mengen billig auf der Strasse kaufen. Die Triomphi, die Heldengesänge und Widmungen wurden schneller Altpapier, als es den Regenten lieb sein konnte - zur Blütezeit des Booms, in der Zeit um 1500, war das Ende nahe. Niemand kennt heute noch das Geschwalle auf Leute wie Vettori und Cesare Borgia. Nur ein einziges Buch aus dieser turbulenten Zeit hat gegen die Heuchler bestanden. Il Principe von Niccolo Macchiavelli, 1513 beendet. Der Grund ist simpel: Macchiavelli bringt Fallstudien rund um die Macht und zeigt, wie man sie erwerben kann. Er führt seine Überlegungen allerdings Ex Negativo; er ist ein heller Kopf und zeigt vor allem, woran diese Versuche scheitern - und was selbst im Gelingen daneben geht. Den Erfolg verknüpft er mit dem begriff "Fortuna", aber wer diese Tugend besitzt, muss sich auch immer über die Gründe und Ursachen des Scheiterns bewusst sein. Der richtige Weg ist der, der Fehler meidet, und der vor allem nicht das ist, was Sie, Herr Kollmann, eines Erachtens sind: Überheblich. Die Kapitel XV bis XIX von Il Principe sollten Sie mal lesen. In dieser Hinsicht ist Dotcomtod zu verstehen. Hier finden sich die Fehler, über die kaum gesprochen wird. Hier wird hart geredet; so hart, dass jedem klar ist, was schief läuft. Den superselbstsicheren Pitch Bitches, die die Unis in St. Gallen, Passau, Ingolstadt und Östrich-Winkeln produzieren, muss man es mit aller Härte und Brutalität sagen, sonst verstehen sie es nicht. Die Leute lernen bei Alexander Christiani und Co., jeden Selbstzweifel zu vergessen, und angesichts der allumfassenden Krise ist das tödlich. Ich hatte in den letzten Jahren mit vielen Gründern zu tun. Die besten sind diejenigen, die sich immer der Risiken bewusst sind. Es gibt hier in München Business Angels und Dozenten, die empfehlen ihren Studis Dotcomtod. Es gibt natürlich auch Leute wie den Winnen und andere, die das hier für den Höllenpfuhl halten. Aber wenn Sie mal mit den Leuten im Odeon sitzen und darüber reden, wird keiner die Notwendigkeit der Don´t-even-think-offs bestreiten. Die kennen eben ihren Macchiavelli. Und die wissen dann auch, dass Erfolg nicht lehrbar ist. Sobald die Leute da draussen sind, haben sie mit Problemen zu kämpfen, die in keinem Lehrbuch stehen. Die Selbstbeweihräucherung von Kollegen hilft nicht. Nur ein wacher, von der Gefahr auf Trab gehaltener Geist und durch Niederlagen gewitzter Charakter kann da überleben. Und manchmal eben auch ein Blick zu Dotcomtod, wo man etwas über Fehler lernt - und über die Bonität eines möglichen Kunden. Deshalb sind sie auch alle hier, mit Verlaub. Übrigens: Macchiavelli hatte zwei Schüler, die sich aus seinem Buch nur die positiven Beispiele zum Vorbild nahmen. Sie glaubten, man müsse die Macht in Florenz erobern und Gegner beseitigen, und orientierten sich genau an der "Good News", die bei Macchiavelli häufig mit der Person seines Freundes Cesare Borgia verbunden waren. Sie glaubten, mit "Il Principe" eine Anleitung zu haben. Der Anschlag, den sie 1522 gegen Gulio de Medici unternahmen, endete für sie tödlich. Für Macchiavelli war es das Ende seiner Karriere. Und Cesare Borgia vereckte im Graben vor einer Burg, die er vergeblich berannt hatte. Das Problem damals und heute ist, dass niemand glaubt, die Bad News könnten ihn selbst betreffen. Nur die Success Stories interessieren, weil man darin sich selber wiedererkennen will. Das - und auch Macchiavelli betont es - ist der Kern des Niedergangs, es ist eitel, nichtig, Vanitas. Das sollte Ihnen zu denken geben. Sis felix. Don Alphonso Porcamadonna Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Was dahinter steckt...Schleichwerbung für die Kollegen. (ossip)
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