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12:17 Montag, 25. Februar 2002
Nennen wir ihn Klaus. Klaus ist recht weit oben in einer typischen kleinen Medienfirma, die sich auf Zulieferung spezialisiert hat, Kunde: Kirch. Die Firma ist schon etwas länger im Geschäft, und liefert Qualität. Ein Fallbeispiel für viele Firmen, die im Medienstandort München entstanden sind und die jetzt durch den Niedergang der Kirch Gruppe ebenfalls bedroht sind. Klaus war so nett, sich anonymisiert für ein Interview zur Verfügung zu stellen:
DCT: Wie ist die Stimmung bei Euch?
Klaus: Entweder, man hofft auf ein Wunder, oder man verzweifelt. Bis vor kurzem waren sich alle sicher, dass sich niemand einen Untergang von Kirch leisten kann. Inzwischen scheint es sogar sehr wahrscheinlich. Wenn Kirch draufgeht, gehen die meisten kleinen Firmen aus dem Umfeld mit drauf. Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt. DCT: Sieht aus wie die klassischen Probleme bei einer Monostruktur. Klaus: Ist es auch. Auch mit den anderen Medienkonzernen vor Ort: Kirch ist das Fundament des Medienstandorts. Wer über die Hälfte seines Umsatzes mit im weitesten Sinne Kirch erwirtschaftet, ist fundamental bedroht. Im Moment versuchen alle, Kosten zu drücken. Es gibt einen regelrechten Preiskrieg, den viele nicht überleben werden. DCT: War das nicht vorhersehbar? Klaus: Doch, natürlich, aber bis zum 11. September hat das keiner zugegeben. Das wäre ja Fahnenflucht gewesen. Wir haben alle mitgelächelt. Danach konnte man guten Gewissens Investitionen zurückstellen, ohne den Verweis auf die Lage bei Kirch. Aber das hilft jetzt nichts, wenn der ganze Laden hochgeht. DCT: Siehst Du die Gefahr? Klaus: Da brauche ich mir nur meine Gesprächspartner bei Kirch anschauen. Die werden laufend ausgetauscht, es gibt keine klaren Linien mehr, heute so, morgen anders. Die haben Panik, und wenn man versucht, sie darauf anzusprechen, verweisen sie auf ihren Maulkorb. Den meisten ist wohl klar, dass es eine Party mit geliehenem Geld war, und sie ersetzbar sind. Tief drinnen wissen sie, dass es vorbei ist. Und nachdem Liberty Media auch nicht kommt, gibt es keine Alternativen. Pro Sieben und Sat Eins wird es weiter geben. Alles andere wird entweder verschwinden oder mit minimalen Aufwand weiterbetrieben. Niemand wird den Milliarden jetzt nochmal ein paar hundert Millionen hinterher werfen. DCT: Und was wird dann aus Euch? Klaus: Wir werden in den Freeze Mode gehen, so weit wie möglich Kosten senken, und uns nach anderen Geschäftsfeldern umsehen. Das sagen im Moment aber alle. Vielleicht kommt es auch anders: Falls Kirch das Geld ausgeht und er seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, gehen hier sowieso die meisten pleite. Zulieferer können sich noch nicht mal wehren und dem Grosskunden eine Mahnung oder den Anwalt schicken. Wir sind erpressbar. DCT: Wie siehst Du die Rolle der Politik? Klaus: Die kümmern sich nur um Macht und Einfluss. Was aus Unternehmen wie uns wird, ist denen egel. Die wollen die Schlagzeile "3000 Arbeitsplätze bei Kirch gerettet". Wenn wir draufgehen, kommt das nicht in die Medien. Viele kleine Pleiten werden sicher mehr Arbeitsplätze kosten, aber man bekommt es nicht mit. DCT: Wenn sich die Banken oder Murdoch und Berlusconi das Ganze aufteilen - könnt ihr dann wieder hoffen? Klaus: (lacht bitter) Nein. Der deutsche Fernsehmarkt funktioniert nach eigenen Regeln, die man kennen muss. Man wird versuchen, die Sender zu sanieren, und alles, was dauerhaft Verluste macht, schliessen. Das kann vielleicht bei einem Mischkonzern klappen. Bei einem verwobenen Medienkonzern ist das der Untergang. Ausserdem bestimmen dann die, die durch ihre Geldpumperei das Problem erst möglich gemacht haben. Es gibt keine Lösung für das Problem. Jede Lösung wirft nur mehr Probleme auf. So pervers es klingt: Nur Kirch kann den Konzern retten. Alles andere zerstört die Grundlagen des Fernsehens in Deutschland. Aber niemand scheint sich im Moment für eine weiche Landung zu interessieren. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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