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Jamendo Spiel uns das Lied vom Tod, Jamendo!
BOO Jamendo von goebelmasse

09:49 Sonntag, 10. Januar 2010

Tja, die Idee von Jamendo, mit CC-lizenzierter Musik als "user generated content" eine Community (wie man das so neudeutsch nennt) aufzuziehen, um dann daran zu verdienen, sie war an sich eine gute Idee. Nur vielleicht als Geschäftsidee nicht, und jetzt spielt uns Jamendo mit letztem Atem das schauerliche Lied vom Tod.

Eine Andeutung, dass Jamendo in schwierige Zeiten gehen würde, gab es bereits im vorletzten Jahr, als man dortens so dringend Geld in die Kassen spülen musste, dass man ausgerechnet LayerAds auf eine Website platzierte, die doch vorgab, eine Gemeinschaft von Künstlern zu sein. Die gewählte, gewaltsame Form einer Reklame, die sich noch über die vorgeblichen Inhalte legt und auf diese Weise unübersehbar deutlich macht, dass die "Inhalte" nur die Funktion haben, Menschen zur Zumutung der Werbung zu schleifen, führte auch zu deftigen Misstönen und zur Abwanderung etlicher Künstler. Wer sieht auch schon gern sein Schaffen in einer Weise "dekoriert", die beim bloßen Hinschauen an obskure Pr0n- und Warez-Sites erinnert?

Doch Jamendo brauchte gar nicht so derbe Mittel, um die Musiker zu vertreiben, die große Menge an technischen Fehlern in der Umsetzung der tollen Idee konnte auch erfahrene Computeranwender entmutigen. Insbesondere war der Upload eines Albums über die dafür erstellte Anwendung über viele Monate hinweg ein Glücksspiel, dessen Ausgang von Faktoren wie dem Winkel des Mondscheines abzuhängen schien, bis endlich eine Flash-Lösung implementiert wurde, die weniger Probleme bereitete. Unter den auf Jamendo veröffentlichenden Musikern ging schon vor anderthalb Jahren recht offen die Rede um, dass in Jamendos Internet-Programmierung eigentlich nur noch eines korrekt funktioniere, und das ist die Einblendung der Werbung. Von Seiten Jamendos wurde meist unwirsch, kalt und arrogant reagiert, wenn auf die vielen Unzulänglichkeiten Fehler hingewiesen wurde, und häufig wurde auch gar nicht reagiert. Man führte sich nach dem Motto "Ich Chef, du Nix" auf, wenn die Menschen "behandelt" wurden, die doch die Inhalte auf Jamendo zur Verfügung stellen, was eine gnadenlos dumme Haltung war und ist.

Selbst typische Web-2.0-Funktionalität wie die Auszeichnung der Alben durch Schlagwörter, neudeutsch auch "Tags" genannt, funktionierte zuletzt in der hingestrokelten Website nicht mehr richtig, so dass das Anhören eines Albums immer mehr einem Blick in einen Sack glich, um zu schauen, was für eine Katze sich darin befindet. Dass unter den geschaffenen Umständen feingeistigere Menschen mit Anspruch an ihre eigene Musik nicht mehr besonders motiviert waren. Und auch die Kernfunktion, der Download eines Albums, gehörte keineswegs zu den Dingen, auf deren reibungslosen Ablauf man sich als Nutzer verlassen konnte.

Nun, jetzt ist die Katze aus dem Sack und Jamendo schwer am Säckel krank. Aber mit letztem Atem wird noch das Lied vom Tod gespielt, und wer unter den Nutzern so dumm ist, Geld in ein Fass ohne Boden zu werfen, erhält in einem eigens eingerichteten Shop die Gelegenheit, 50 Euro für ein T-Shirt oder einen USB-Stick auszugeben. Nein, das ist nicht Wucher, denn Jamendo ist ja gut und CC und so weiter. Oder, um es mit den Worten eines Nutzers zu sagen: "Wenn das Schiff schon so kaputt ist, dass schon Werbeartikel für teures Geld verkauft werden, dann ist das Schiff absolut nicht mehr auf Kurs zu bringen". Unterdessen wird von Seiten Jamendos, damit die Bereitschaft der User zu solcher Geldverbrennung auch nicht auf Null sinkt, schon einmal die frohe Kunde verbreitet, dass es jemanden gibt, der dieses Totenschiff noch übernehmen will, als ob fehlerhafte Software, vergraulte Anwender, seit Jahren unbewältigte technische Probleme und eine qualitative Ausdünnung der von Nutzern erstellten Inhalte irgend jemanden zu einem solchen Schritt reizen könnte. Deshalb überrascht es auch nicht weiter, dass zurzeit niemand sagen kann, wer denn auf dieser Welt dermaßen verschwenderisch mit Geld umgehen würde, dass der diesen Laden einfach so aufkauft.

Die letzten Klänge des "Liedes vom Tod" werden immer jämmerlicher, und wir warten gespannt auf den FINAL. Lange kann es nicht mehr dauern.

Nur eine Frage stellt sich: Wenn so ein verhältnismäßig gutes Projekt des Web 2.0 scheitern muss, wie übel wird es wohl in den nächsten Monaten mit den ganzen Nutzlosprojekten kommen?





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