12:35 Mittwoch, 04. März 2009
Der Optimist sagt, das das Glas halb voll ist. Der Pessimist sagt,
das das Glas halb leer ist. Absolut einleuchtend ist es doch in
den Zeiten einer Rezession, dass man seinen Shareholdern eine positive
Erwartung und Lageeinschätzung vermitteln muss. Dazu ist jedes
Mittel recht.
Die Software AG macht das ganz clever in einer Zeit, wo man nichtmehr
nur von einem Abschwung spricht sondern sich schon konkret in einer
Rezession befindet. Da muss man sich nur mal die Pressemeldungen
der letzten Tage anschauen, die zum Thema der Beteiligung der
Software AG an ItCampus über die Ticker gelaufen sind. Good Job @ PR.
ItCampus arbeitete schon für die Software AG an Konzepten und
Projekten mit der Software AG zusammen. Das Hauptgeschäftsfeld
der ItCampus sind durch Akquise in der Vergangenheit Produkte im
Bereich Callcenter. Nun ist das ja nachvollziehbar nicht so der
Wachstumsmarkt in 2009. Die 120 Mitarbeitern (wieviele studieren
davon noch, oder sind Freie Mitarbeiter oder existieren überhaupt
nicht ?) müssen ja auch mit Aufgaben versorgt werden und die
Lohntüte muss jeden Monat gefüllt werden.
In Zeiten wo Projekte knapp sind und der Markt einem die Produkte
nicht aus der Hand reist wie erwartet kommt man schonmal in Geldnoete.
Eigentlich ist das ja bei tragfähigen Businessplänen, entsprechenden
Umsätzen (7-8 Mio in 2008?) und Erwartungen kein Problem, bei einer
Bank einen Kredit zu bekommen. Scheinbar ist hier ItCampus keine
Finanzierung gelungen.
Soll man jetzt nun die Hälfte (von vielleicht 70 Mitarbeitern?) entlassen
und sich auf sein Kerngeschäft in Projekten beschränken oder sich
für jemanden "hübsch" machen und uebernehmen lassen ?
Die Hälfte der Leute entlassen und die vor kurzem noch eingekauften
Produkte wegschmeissen und einfach mal nur Ertrag erwirtschaften klingt
nicht gut für andere.
Für den Markt klingt das aber viel toller, wen man mit einem Partner
zusammengeht (eigentlich übernommen wird) und schön einen auf Technologietransfer
machen kann. Das beruhigt die Kunden und man hat erstmal wieder Luft.
Für die Software AG klingt das in den aktuellen Zeiten natürlich auch
hervorrangend. Passend zur Cebit solch eine Meldung einfach mal nur Top,
nachdem verschiedene Analysten das Papier auf "verkaufen" gestuft haben.
Etwas Kapital sollte ja auch da sein, nachdem die Aktie zu Anfang des Jahres
um 25% gestiegen ist, muss man jetzt natürlich nachlegen und potentiellen
Aktionären weiterhin Potential vorgaukeln.
Aber was kann Technologietransfer bedeuten ? Die Sofware AG hat den Kern
Ihrer Entwicklungen in Bulgarien viel billiger laufen. So richtig scheint
die Ausrichtung beider Parteien auch nicht so zusammen zu passen, sodass
man hier eher weniger von "Synergieeffekten in 2009" sprechen kann.
Über ItCampus könnte man vielleicht etwas Know-How noch abfassen. Den
Gedanken kann man auch etwas weiter spannen. Über ItCampus und den
richtigen Kontakten kommt man zum Beispiel auch sehr gut an Promotionen
bestimmt ran, ohne erkennbar Publikationen vorweisen zu müssen und das
auch noch 10 Jahre nach Abschluss, wie es Geschäftsführer Andreas Lassmann
von ItCamppus letztes Jahr vorgemacht hat.
Man kann den Mitarbeitern von ItCampus nur das beste wünschen. Gründet einen
Betriebsrat, wen Ihr nicht schon einen habt. Beschäftigt euch mit Themen wie
Soziaplan, Arbeitsgericht und Kündigungsschutzklage. Vergesst auch nicht
das Arbeitsamt sofort zu informieren, wen Ihr gekündigt werdet. Das sind so
Themen, die man nicht an der Universität gelehrt bekommt.
Agile Reality Lifecycle Management 2.0 !