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Freenet freenet: Helmut Thoma und das Aktiengesetz
INSIDER Freenet von pro-freenet

07:38 Mittwoch, 03. Dezember 2008

Laut Aufsichtsratschef Helmut Thoma steht der Aufsichtsrat einstimmig hinter Super-Vorstand Eckhard Spoerr. Aber wie viel sind 100 % eines Aufsichtsrats wert, dem mindestens 51 % der Aktionäre nicht mehr ihr Vertrauen aussprechen? Einem Aufsichtsrat, mit dem Spoerr zum Teil ins Bett geht, der zum Teil die Verbindungen des eigenen Sohns zu Spoerr deckt und der zum Teil in dubiose Vorgänge der Vergangenheit verwickelt ist?

Die Reaktionen Helmut Thomas gegenüber dem Handelsblatt und der Süddeutschen Zeitung sind jedenfalls nicht mehr als ein Verwirrspiel für die dummen Aktionäre und verdienen einzig das Prädikat „lachhaft“. Die Aktionäre können den Vorstand nicht absetzen, sondern nur den Aufsichtsrat auf einer ordentlichen oder auch auf einer außerordentlichen Hauptversammlung neu wählen. Dies ist der erste Schritt und wenn das geschieht, interessiert es niemanden mehr, dass der jetzige Aufsichtsrat Eckhard Spoerr sein Vertrauen ausspricht. Als Nächstes kommt wohl noch eine Anzeigenkampagne des Aufsichtsrats pro Spoerr.

Sollte der Aufsichtsrat ausgetauscht werden, muss daraus nicht zwangsläufig sofort eine Abberufung Spoerrs folgen. Es ist aber das gute Recht der Aktionäre, den Aufsichtsrat mit Personen zu besetzen, von denen sie ihre Interessen gut bzw. besser vertreten sehen. Auch ein neuer Aufsichtsrat könnte Spoerr erst mal weiter agieren, sprich die debitel-Integration und mögliche Verhandlungen zum MVNO weiter vorantreiben lassen. Thoma argumentiert hier in erster Linie also, um seinen eigenen Hintern zu retten. Dabei lenkt er dann auch noch komplett vom Thema ab, indem er ein juristisches Verwirrspiel inszeniert und die diesmal völlig unbeteiligten Aktionäre United Internet und Drillisch ins Spiel bringt.

Bei den aktuellen Querelen geht es einzig und allein darum, dass der Großaktionär Permira nicht zufrieden ist mit der Arbeit des Vorstands und des Aufsichtsrats. Permira hatte Empfehlungen gegeben, von denen Spoerr nicht eine einzige befolgt hat. Permira hat diesen Brief an das Handelsblatt gegeben. Die Kommunikation in Richtung Permira scheint auch dürftig zu sein, wenn Thoma im Handelsblatt erklären muss, es seien sogar schriftliche Belege dafür vorhanden, dass es tatsächlich noch Interessenten für das marode DSL-Geschäft gebe. Aus diesen und verschiedenen anderen Gründen könnte es für Permira, aber auch für alle anderen Aktionäre, sinnvoll sein, wenn mindestens Helmut Thoma durch eine kompetentere Person ersetzt wird.

Sollten diverse Vermutungen bzgl. Thomas Rolle bei alten Verstrickungen richtig sein, wäre aber genau diese Personalie äußerst unangenehm für die meisten Beteiligten. So hat Thoma sich dann auch gleich wieder Rat bei dem Hengeler-Partner Prof. Dr. Gerd Krieger, nicht verwandt oder verschwägert mit dem Angeklagten Axel Krieger, eingeholt. Und so soll es angeblich einen Missbrauch von Aktionärsrechten darstellen, wenn Permira den Aufsichtsrat abberufen möchte, bloß weil Drillisch dies bereits zwei Mal vergeblich versucht habe. Wo hier der sachliche Zusammenhang bestehen soll, wird wohl ein Geheimnis der Top-Kanzlei Hengeler bleiben. Einen längeren Rechtsstreit, wie Thoma ihn prophezeit, wird Hengeler mit dieser Argumentation sicherlich nicht eingehen, wenn ihnen ihr Ruf noch irgendetwas wert ist.

Ebenso lachhaft ist aber, dass ausgerechnet diejenigen, die das Gesetz laufend brechen und das Unternehmen schädigen, sich nun auf das Gesetz berufen und es als eine bewusste Schädigung des Unternehmens bezeichnen, wolle man Spoerr nun auswechseln. Solange Spoerr das Unternehmen immer wieder in bedrohliche Situationen bringt, wird sich für den Aufsichtsrat immer wieder das Argument finden lassen, dass Spoerr in einer solchen Situation nicht ausgetauscht werden dürfe. Sich selbst stellt der Aufsichtsrat damit ein miserables Zeugnis bzgl. des Risikomanagements aus, wenn er zulässt, dass das Unternehmen so sehr abhängig von einer einzigen Person ist. In Wahrheit erfüllt freenet für Spoerr und Thoma jedoch nur noch den Selbstzweck ihres Machterhalts und damit ihrem Schutz vor Strafverfolgung.





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