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15:34 Mittwoch, 26. November 2008
Es war schon nicht mehr mit anzusehen: Quartal für Quartal immer nur Verluste, ab und zu sorgten Beteiligungsverkäufe für schwarze Zahlen. Jetzt ist endgültig Schluss: Lycos Europe wird geschlachtet.
Reality-Check in Gütersloh: Endlich akzeptiert auch Bertelsmann, dass Mohns Sorgenkind Lycos längst tot ist, und zerlegt die Leiche. Das Hauptgeschäft wird, weil defizitär, eingestellt. Profitable Sparten wie das Domaingeschäft und der Shopping-Dienstleister sollen verkauft werden, "sofern ein angemessener Preis erzielbar ist", wie es aus Gütersloh heißt. Als Ganzes wollte den Laden niemand haben. Für 500 der insgesamt 700 Mitarbeiter heißt das: Über Weihnachten schon mal Bewerbungen schreiben. Sie werden ihren Job verlieren. Mit etwas Glück haben sie ein paar der Pennystocks ihres Unternehmens, dann gibt's immerhin noch ein bisschen Weihnachtsgeld. Im Dezember will Lycos 50 Millionen aus den liquiden Mitteln (130 Millionen sind noch vom Börsengang übrig) an die Aktionäre ausschütten. Mohn selbst hält 12 Prozent, das gibt ein hübsches Weihnachtsgeschenk. "Grundlage für diese Entscheidungen war die intensive Überprüfung der Strategie der Lycos Europe", lässt das Unternehmen verlauten. Kein Verkauf als Ganzes möglich, auch wegen Finanzkrise und so. Lycos IR-Tanja: "Vor diesem Hintergrund sei der Vorstand verpflichtet, Teile des Geschäfts zu schließen und andere zu verkaufen, um den Vermögenserhalt bestmöglich sicherzustellen". Ja, nee, is klar. Satz des Tages von bald Ex-CEO Christoph Mohn: "Die Analyse der Zukunftsperspektiven von Lycos Europe war notwendig geworden, weil es trotz umfassender Restrukturierungsmaßnahmen nicht möglich war, mit dem bestehenden Geschäft auf absehbare Zeit profitabel zu werden." Diese "Analyse" wurde April angestoßen. Im Sommer meuterte Hauptaktionär Telefonica. Das mit der Profitabilität hätte dem Mohn-Sohn allerdings auch schon vorher dämmern können. Als Sentinel der ersten Stunde und entsprechend alter Sack sei mir eine Anmerkung erlaubt: Dass ich das noch erleben darf! Lycos ist hier seit Gründungstagen immer wieder zum Gegenstand der Berichterstattung geworden und wurde von DCT liebevoll durch die New Economy und das anschließende Tal der Tränen begleitet. Christoph Mohn hat das alles sicher gelesen, aber nie beherzigt. Noch 2007 tönte er was von Marktführerschaft. Die geile Idee: Den ganzen ollen Portal-Krams mit neumodischem 2.0-Namen (Jubii) frisch verpacken. Das war wohl der letzte verzweifelte Versuch. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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