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Gruner + Jahr Gruner + Jahr: Adieu Capital und Co.
INSIDER Gruner + Jahr von Jaromil

07:30 Dienstag, 18. November 2008

"Lesen. Entscheiden. Umziehen" muss der neue Claim von "Capital" heissen. Denn das Flagschiff der Gruner + Jahr-Wirtschaftspresse wird nach Hamburg ziehen. Im Gefolge: das G+J-Unternehmermagazin "impulse". Es ist der letzte Rettungsversuch von Vorstandschef Bernd Kundrun. Für die Wirtschaftstitel - und sich selbst.

Noch ist es nicht bestätigt. Aber klar ist: Die einstmals renommierten und renditeträchtigen Wirtschaftsmedien der Bertelsmann-Tochter Gruner und Jahr werden, mehr oder minder, zusammengelegt. Aus den vier kränkelnden Titeln "Financial Times Deutschland", "Capital", "impulse" und "Börse Online" soll irgendwie eine gesunde Einheit werden. Dran glauben tut keiner - ausser denen, die es reissen sollen. Klaus Schweinsberg gehört nicht mehr dazu. Der "Capital"-Chefredakteur ist geschasst. Da nutzten auch seine Kontakte zu Förderer und Ziehvater Kundrun nichts mehr. Schweinsberg, als Kundrun-Adlatus zuvor bei "impulse" reingedrückt, vermochte zwar seine Kontrahenten aus dem Weg zu räumen. "Capital" aber hat nach seinem Relaunch niemand mehr wiedererkannt. Das Magazin, einst für exklusive Enthüllungsgeschichten bekannt, verschwand in der Bedeutungslosigkeit. "Second Life" war Schweinsberg gar eine Titelstory wert. Auch teure 0900-Servicenummern konnten den Erfolg nicht bringen. Für "impulse" gilt dies schon lange: schwierige Zielgruppe, gelangweilte Werbekunden, schlechte Leistungswerte und eine arbeitsmässig völlig ausgelaugte Rumpfredaktion können niemanden mehr begeistern und halten auch die letzten der Treuen nicht. Da halfen auch diverse Chefredakteurs-Wechsel nicht. Zumal dort gar jemand landete, der dort nie hinwollte - und prompt scheiterte.

Gruner und Jahr wird dies in den nächsten Tagen sicherlich anders darstellen: als großen Befreiungsschlag, der die Voraussetzungen für eine glorreiche Zukunft in schwierigen Zeiten schafft. Es ist der erklärte Abschied vom Qualitätsjournalismus in der Wirtschaftspresse. Eine Tradition geht zu Ende.





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