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Freenet freenet inside – Der Kampf um die Macht – Teil 1
INSIDER Freenet von lanu

18:36 Sonntag, 03. August 2008

Wird freenet-Boss Eckhard Spoerr gestürzt oder nicht? Wer blickt bei freenet überhaupt noch durch? Nach der Fusion von freenet und mobilcom wollte freenet-Chef Eckhard Spoerr sein Unternehmen mit so genannten Triple-Produkten aus einer Hand nach vorne bringen, dann prüfte er eine Aufspaltung des gerade fusionierten Unternehmens. Er führte Verhandlungen mit dem ungeliebten Aktionär Drillisch, zu dem sich zwischenzeitlich noch United Internet gesellt hatte, zeitgleich führte er geheime Gespräche über den Kauf von debitel, zog diesen schließlich durch und verärgerte so Drillisch-Vorstand Paschalis Choulidis und United Internet-Vorstand Ralph Dommermuth.

Diese wurden in der Zwischenzeit von Spoerr sogar so sehr gereizt, dass sie über ihr Gemeinschaftsunternehmen MSP Holding per Gerichtsverfügung die Abwahl des freenet-Aufsichtsrats und einen Vertrauensentzug des freenet-Vorstands auf die Tagesordnung der freenet-Hauptversammlung am 8. August setzen ließen.
BooCompany hat erneut ein Expertengespräch geführt, um etwas Licht in das Dunkel rund um freenet zu bringen. Angesichts von nahezu täglich neuen Meldungen zur Stimmungslage meinte selbst unser Experte, dass es zur jetzigen Zeit wenig Sinn mache, über alle Hintergründe zu sprechen. In der Sache ist sowieso für jeden informierten Aktionär und für regelmäßige BooCompany-Leser klar, dass Spoerr für den Vorstand schon lange nicht mehr tragbar ist. Bei der bevorstehenden Hauptversammlung könnte es dennoch sein, dass er mal wieder – wenn auch knapp – als Gewinner vom Spielfeld geht.

BooCompany: Die freenet-Großaktionäre Drillisch und United Internet greifen zu drastischen Mitteln. freenet-Boss Eckhard Spoerr sagt, dass es so etwas noch nie zuvor gegeben hat, dass Aufsichtsrat und Vorstand eines börsennotierten Unternehmens auf einen Schlag abserviert werden sollen. Zugleich wirft er dem United-Internet-Vorstand Ralph Dommermuth vor, damit nur günstig an freenet-Geschäftsbereiche kommen zu wollen. Nach Spoerrs Ansicht wollen Dommermuth und Choulidis bei freenet das Ruder übernehmen, ohne den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot zu machen. Nun sieht es aber so aus, als könnte Spoerr doch noch mit einer Mehrheit für sich rechnen.

Experte: Dass es ein solches Vorgehen bisher nicht in Deutschland gegeben hat, sagt nichts über die Rechtmäßigkeit des Gleichen aus. Hier werden offensichtlich Ursache und Wirkung verwechselt. Solche drastischen Maßnahmen wie die vorliegenden Anträge wären sicherlich niemals ergriffen worden, wenn nicht zuvor Dinge geschehen wären, die ebenfalls einzigartig in der deutschen Wirtschaftsgeschichte sind. Dommermuth und Choulidis fühlen sich von den jetzigen freenet-Organen ganz offensichtlich für dumm verkauft, ihre Interessen als Großaktionäre nicht richtig wahrgenommen. Sie wollen wohl einen unbelasteten Neuanfang, wie er von einigen Analysten durchaus auch als nachvollziehbar angesehen wird. Immerhin schlägt sich das jetzige freenet-Management schon seit Jahren mit unerledigten Rechtsstreitigkeiten herum und niemand mag ihnen mehr so recht glauben, dass sie selbst nicht Teil dieser Probleme sind.

BC: Wie soll so ein Neuanfang aussehen mit Aufsichtsräten, die nur von United Internet und Drillisch gestellt werden? Argumentiert Spoerr da nicht zu Recht, dass dies einer verdeckten Übernahme gleichkommt?

E: Im Grunde genommen schon, wenn man von Spoerrs Argumentationsbasis ausgeht. Er kennt es ja gar nicht anders. Kennt es nicht, dass Aufsichtsräte ihren Job unabhängig, ohne Interessenskonflikte und im Sinne aller Aktionäre ausüben. Selbst wenn alle von MSP vorgeschlagenen Aufsichtsräte gewählt würden, könnten diese aber nicht plötzlich gegen die Interessen anderer Aktionäre als MSP handeln. Zum einen wären sie dann nicht besser als die jetzigen Aufsichtsräte, zum anderen gibt es ja auch noch den Großaktionär Permira, den bisherigen debitel-Eigner, der in einem solchen Fall rechtlich einschreiten könnte und sicherlich auch würde. Außerdem hatte MSP bei dem Vorschlag der neuen Aufsichtsratsmitglieder erst mal nur die Möglichkeit, ihnen bekannte Personen vorzuschlagen. Drillisch-Vorstand Choulidis hat mittlerweile Permira schon angeboten, dass diese ebenfalls Kandidaten vorschlagen könnten. Ebenso offen ist man sicherlich auch noch für Vorschläge anderer Großaktionäre. Es geht hier nur um Eines und das ist auch wichtig: die unbedingte Abwahl der jetzigen Aufsichtsratsmitglieder! Diese vertreten weder die Interessen eines aktuellen Großaktionärs, noch irgendeines Aktionärs, sondern ausschließlich ihre Eigenen. Ich bin sicher, dass über die Kandidatenwahl der neuen Aufsichtsratsmitglieder im Einzelnen ein Konsens unter allen Aktionären gefunden werden könnte.

BC: Dennoch scheint es so, als könnte Spoerr doch eine knappe Mehrheit für sich selbst und seine Sicht der Dinge erzielen.

E: Spoerr hat in den letzten Wochen eine Menge Geld in die Hand genommen, um Investorenpflege zu betreiben. Das weltweit auf Investor Relations spezialisierte Unternehmen Computershare hat eine Umfrage unter institutionellen freenet-Investoren durchgeführt. Demzufolge sollen rund 38 % für das amtierende freenet-Management stimmen.

BC: Ist das normal, dass solche Umfragen durchgeführt werden?

E: Nein, normal ist das nicht. Aber unter den gegebenen Umständen wollte Spoerr wohl wissen, wie seine Chancen stehen, auch nach dem 8. August noch an der Macht zu sein.

BC: Um zu wissen, wie schnell er sich absetzen muss, wenn ein unabhängiger Aufsichtsrat mal in all die Vorgänge bei freenet Einsicht erhält?

E: Auch das könnte sein. Einen Teil seines Vermögens hatte Spoerr jedenfalls bereits nach Südafrika transferiert. Aus informierten Kreisen war auch zu vernehmen, dass einigen Investoren im Rahmen der Umfrage Anreize bei einem bestimmten Abstimmungsverhalten in Aussicht gestellt worden sind.

BC: Spoerr hat die Stimmen gekauft?

E: So offensichtlich wird es sicherlich nicht gewesen sein. Man kann jedoch davon ausgehen, dass Spoerr alle Mittel einsetzt, um weiterhin an der Macht zu bleiben. Interessant ist aber, dass man unmittelbar nach Vorliegen des Umfrageergebnisses damit an die Öffentlichkeit geht und angeblich mit Drillisch und United Internet spricht, um diesen Plätze im Aufsichtsrat von freenet anzubieten.

BC: Was ist daran so bemerkenswert?

E: Wenn diese 38 % so sicher wären, könnten Vorstand und Aufsichtsrat von freenet entspannt in die Hauptversammlung gehen. Welchen Grund hätte Aufsichtsratschef Helmut Thoma nun, Drillisch und United Internet plötzlich Sitze im freenet-Aufsichtsrat anzubieten? Das ist ganz billige PR.

BC: Wieso billige PR?

E: Spoerr hat Drillisch und United Internet vor wenigen Tagen noch öffentlich vorgeworfen, üble Machenschaften zu betreiben. Spoerr hingegen hat Choulidis und Dommermuth mit Genuss in der Öffentlichkeit mehrfach bloßgestellt. In internen Betriebsversammlungen ging das sogar bis hin zu ausländerfeindlichen Äußerungen durch Spoerr. Das Tischtuch zwischen Spoerr, Choulidis und Dommermuth ist schon lange zerrissen. Und Thoma soll nun angeblich bemüht sein, dauerhaften Frieden herzustellen?

BC: Der Drillisch-Vorstand Choulidis hat ja angekündigt, auch bei einer Niederlage auf der freenet-Hauptversammlung seine Ziele weiterzuverfolgen. Vielleicht befürchten Spoerr und Thoma, dass sie anders keine Ruhe bekommen.

E: Stimmt, Ruhe werden sie sicherlich keine bekommen. Bei der Hauptversammlung können Spoerr und Thoma höchstens einen Etappensieg erzielen. Die Zeit spielt aber für Drillisch und United Internet. Bei Veränderungen in der Aktionärsstruktur kann die nächste Abstimmung schon andere Mehrheitsverhältnisse bringen.

BC: Aber auch das würde doch für das Friedensangebot sprechen. freenet-Aufsichtsrat Richard Roy z. B. hat letzte Woche bei einem anderen Aufsichtsratsposten einen Vertrauensverlust der Aktionäre hinnehmen müssen. Seine Position könnte man ja zur Verfügung stellen.

E: Das Friedensangebot würde nur funktionieren, wenn Thoma seinen eigenen Posten anbieten und den Aufsichtsrat verlassen würde. Das wird er aber nicht tun. Das angebliche Angebot an Drillisch und United Internet ist daher nur ein billiger PR-Trick. So können Spoerr und Thoma erneut behaupten, dass Dommermuth und Choulidis nur störende Aktionäre seien, mit denen ein vernünftiges Gespräch nicht möglich ist.

BC: Thoma ist doch schon so lange im Aufsichtsrat und auch nicht mehr der Jüngste. Ist es nicht denkbar, dass Thoma von dem ganzen Trouble irgendwann genug hat und auch seinen Posten anbietet?

E: Die Position von Thoma und seine Person sind die letzen, die im gesamten freenet-Konzern zur Disposition stehen. Da dürfte eher Spoerr geopfert werden, wie es momentan auch schon kolportiert wird. Nur eben noch nicht zum jetzigen Zeitpunkt. freenet hat gerade debitel gekauft und ist dabei, das DSL-Geschäft zu verkaufen. Es ist daher nachvollziehbar, dass einige Aktionäre die Ansicht vertreten, eine Absetzung des Vorstands sei momentan kontraproduktiv und eher Wert vernichtend. Zumal Drillisch und United Internet noch keine klare Strategie vorgestellt haben, wie es nach einer Absetzung des Vorstands weitergehen solle und United Internet zudem ein Interessent für freenets DSL-Geschäft ist. Zu einem späteren Zeitpunkt ist aber auch Spoerr nicht unersetzbar. Es zeigt auch, dass selbst unter den übrigen Großaktionären nicht mehr die Frage gestellt wird, ob Spoerr gehen muss, sondern nur noch wann.

BC: Und wieso sollte dann Thoma so unersetzbar sein?

E: Thoma hat erst mal das Glück, noch nicht so in der Kritik zu stehen wie Spoerr. Gegen Thoma ist auch noch keine Anklage erhoben worden. Spoerr hingegen, das merkt Thoma langsam auch, ist einer der umstrittensten Manager, die es in deutschen Konzernen momentan gibt. Spoerr ist nicht nur nicht unersetzbar, er ist vor allem nicht mehr tragbar. Wenn Thoma noch länger an Spoerr festhält, muss er befürchten, selbst als nicht mehr tragbar von den Aktionären gesehen zu werden. Bei Thoma geht es jedoch um ganz andere Dinge, die mit dem Tagesgeschäft nichts zu tun haben. Thoma steht in einer alten Pflicht gegenüber France Télécom und er muss dafür sorgen, dass er nicht abgewählt wird, um diese Verpflichtung weiterhin zu erfüllen. Auf der Tagesordnung der Hauptversammlung steht jedes einzelne Mitglied des Aufsichtsrats in einer Einzelabstimmung zur Abwahl und insbesondere für die Abwahl von Aufsichtsratschef Helmut Thoma könnte es sein, dass sich eine ausreichende Mehrheit findet, auch wenn der freenet-Vorstand noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen könnte.

wird fortgesetzt





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