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09:52 Donnerstag, 19. Juni 2008
„Er sieht sich in erster Linie als Opfer. "Man hat versucht, uns zu täuschen, wenn wir auf einer Prüfspur waren", sagt H. im Zeugenstand vor dem Münchner Landgericht. Er leitet heute jenes Team der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, das die Jahresabschlüsse von Siemens prüft. Auch zu den Zeiten, als bei Siemens heftig geschmiert wurde, war er schon dabei - und wie alle Mitarbeiter der KPMG muss er sich nun immer wieder die Frage anhören, ob er denn von den dubiosen Praktiken nichts gemerkt habe.“
„Allein zwischen 1999 bis 2006 betrug die Summe dubioser Zahlungen bei Siemens satte 1,3 Milliarden Euro.“ Die Wirtschaftsprüfer wollen nun also weismachen, dass sie für all die dahinter stehenden Zahlungen auch einen Verwendungsnachweis gefunden haben, der sie nicht stutzig werden ließ. „Als Beispiel nennt H. eine E-Mail, die kursiert habe. Darin sollen die Siemens-Mitarbeiter angewiesen worden sein, die dubiosen "Provisionszahlungen" künftig als ungerade Summen zu leisten: "Die KPMG sucht nach glatten Beträgen." Die Erklärung lautet also, weil Siemens dann in ungeraden Beträgen schmierte, war es für KPMG nicht mehr möglich, dahinter zu kommen? „Und über beleglose Bargeldzahlungen von vier Millionen Euro nach Nigeria, die der KPMG 2003 auffielen, habe man unter anderem den damaligen Finanzvorstand des Konzerns, Heinz-Joachim Neubürger, informiert. Dieser habe damals "zum Ausdruck gebracht, dass wir den Sachverhalt aufklären sollen", auch die Rechtsabteilung sei laut Unterlagen mit einer Untersuchung beauftragt worden. Das Ergebnis: "Uns wurde dann erklärt, das seien Zahlungen für Baukassen in Nigeria, das sind Bargeldbestände auf großen Baustellen", so Zeuge H.“ Natürlich, in einem Land mit einer so geringen Kriminalität wie Nigeria ist Bargeld auf Baustellen gut aufgehoben. „H. berichtet auch, Neubürger habe sich einmal bei ihm beschwert, "wir würden auf den Gängen behaupten, bei Siemens würde bestochen". Er habe daraufhin versichert, dass er dies abstellen werde, falls dem so sei.“ Was möchte H. uns denn damit sagen? Dass er das Gerede über Korruption lieber abstellte, als nachzuforschen, worauf sich ein solches Gerede begründete? In einem früheren Bericht der Süddeutschen Zeitung über KPMG im Fall Siemens heißt es, dass ein junger KPMG-Mitarbeiter merkwürdige Zahlungen entdeckt hatte. Doch es wurde nur „dieses Thema im Sinne von Siemens mit einer Führungskraft der KPMG besprochen. Danach habe sich eine KPMG-Mitarbeiterin für den Übereifer ihres jungen Kollegen entschuldigt.“ Kann man den Aussagen H.´s nun Glauben schenken? Würde man aus der Lebenserfahrung heraus nicht eher annehmen, dass es so wahr, dass junge Prüfer tatsächlich auf merkwürdige Vorgänge gestoßen sind, die von den älteren Prüfern schon jahrelang nur noch abgenickt wurden und diese ihre jungen, übereifrigen Kollegen zurückpfiffen? Und dass eben diese jungen Kollegen sich dann auf dem Flur zu Recht zugeflüstert haben, dass Siemens der abolute Schmiergeldsumpf sei, es aber niemand sehen wolle? Liegt es vielleicht daran, dass KPMG alleine im Jahr 2005 Honorare in Höhe von 74,8 Millionen Euro bei Siemens in Rechnung stellen konnte? Ein solches Mandat verliert keine Prüfungsgesellschaft gerne. Aber da die neue Siemens-Führung es sich nicht erlauben kann, auf irgendwelche alten Gentleman´s Agreements mit KPMG Rücksicht zu nehmen, muss KPMG sich eben solche abenteuerlichen Erklärungen einfallen lassen, wie sie von H. nun vor Gericht vorgetragen wurden. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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