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11:09 Mittwoch, 11. Juni 2008
Haftstrafe auf Bewährung und Geldstrafe wegen Betrugs, Untreue und Vorteilsannahme. Mit dem Münchner Mediziner Professor Eberhard Standl hat es einen der prominentesten Weißkittel jäh erwischt. Er hatte das lukrative Treiben eines Berufsstandes zur Perfektion getrieben, dem längst alle ethischen Maßstäbe verloren gegangen sind.
Kaum ein Diabetes-Gremium ohne Professor Eberhard Standl, kaum eine Diabetes-Leitlinie, die an der er nicht mitgewirkt hatte, kaum eine nationale oder internationale Diabetes-Fachorganisation, in der er nicht ein Pöstchen hatte, kaum ein Diabetes-Industriesymposium, auf dem Standl nicht der Pharmaindustrie nach dem Mund redete. Und das Geld von Pharmafirmen wie Bayer, GlaxoSmithKline, Lilly, Menarini, Novartis, NovoNordisk, Rambaxi, Roche, Sanofi-Aventis, Servier und Takeda floß reichlich. Wie das Geschäft im Kern funktioniert, brachte der Spiegel schon 2003 auf den Punkt: "Wann immer ein Medikament in die Kritik gerät, können die Unternehmen darum "habilitierte Pharmareferenten" (Ärztespott) mobilisieren, die passende Gutachten liefern. Kaum war Bayers Glucobay vom Entwurf der Positivliste gestrichen, sprangen der Münchner Professor Eberhard Standl und sein Berliner Kollege Thomas Unger in die Bresche, um das Medikament bei einem "Festsymposium" als "Durchbruch" zu feiern." Der Autor eines Artikels in der Münchner tz über die Vorgänge ist hin und hergerissen zwischen Bewunderung für die den Professor ("... half Professor Eberhard S. (65) im städtischen Klinikum Schwabing zigtausenden Münchnern jahrelang im Kampf gegen die heimtückische Zuckerkrankheit.") und Verwunderung über dessen Missetaten. Standl muss sich allerdings wenig Sorgen machen, dass die Aufdeckung der kriminellem Vorgänge seine weitere Karriere als "habilitierter Pharmareferent" wesentlich behindern könnte. Auch nach seiner Freistellung als Chefarzt im Jahr 2006, als die Vorwürfe erstmals bekannt wurden, besetzt er weiter leitende Positionen in Fachorganisationen und gilt als gefragter Experte: Er ist seit Februar 2003 Präsident der Deutschen Diabetes- Union, sowie seit August 2003 auch Vizepräsident der Internationalen Diabetes – Federation (IDF) sowie der Europäischen Association of the Study of Diabetes (EASD). Er ist außerdem Alt-Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft, Leiter der Sektion Diabetes der Deutschen Gesellschaft für Angiologie sowie Kongresspräsident 2004 der Europäischen Diabetes-Gesellschaft. Er hat sowohl das Berufsbild der DiabetesberaterInnen DDG als auch des Diabetologen DDG maßgeblich mitgestaltet und hat sich seit Jahrzehnten in der Patientenschulung und –information engagiert. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes sowie des Bertram- Preises und des Castelli–Pedroli – Preises, der höchsten Wissenschaftspreise der Deutschen und der Europäischen Diabetesgesellschaft, sowie der Ernst-von-Bergmann Plakette der Deutschen Ärzteschaft. Update: Am 15.6. trat Eberhard Standl "aus persönlichen Gründen" von seinem Amt als Präsident der DDU zurück. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Wer einen Eindruck von den Summen haben möchte... (hockeystick)
.... um die es in dieser Branche gehen kann, dem sei der folgende Artikel ans Herz gelegt:
http://gesundheit.blogger.de/stories/1145969/ |
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