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16:53 Donnerstag, 01. Mai 2008
Der Wächter der journalistischen Tugenden vergisst alle Scham und stürzt sich für seinen Arbeitgeber ins Schlachtgetümmel an der Internetfront. Auch hier ist die Wahrheit das erste Opfer des Krieges.
Thomas Leif sagt anderen gerne, wie es geht. Das liegt am Beruf, Journalisten erklären ungefragt die Welt und halten sich für den Nabel derselben. Auch der rundliche Reporter vom SWR enthüllt gerne schlimme Geschichten. Investigativen Journalismus nennt er das, und der ist in Deutschland in Gefahr, weil kein Kollege mehr recherchieren kann. Gut, dass es den Alphajournalisten und sein Netzwerk gibt. Auch gut, dass es ARD und ZDF gibt, denn ohne die würde es Qualitätsjournalismus in Deutschlands gar nicht mehr geben. Meinen zumindest ARD und ZDF. Sie schicken den mutigen Reporter los, um von der Front im Internet zu berichten. Da tobt ein verbissen geführter Medienkrieg um die Grenzen des virtuellen öffentlich-rechtlichen Raumes. Was Leif im weiten Netz gesehen hat, muss ihn als Journalisten alter Schule in den Grundfesten erschüttert haben. Anders ist nicht zu erklären, dass der Hohepriester des investigativen Journalismus aus seiner Frontberichterstattung ein Stück Wochenschau macht: Öffentlich-rechtliche Propaganda. Dass die ARD es bei Kriegsberichten in eigener Sache mit den journalistischen Grundsätzen nicht so genau nimmt, hatte sie schon vorher mit einem Beitrag des Medienmagazins Zapp bewiesen. Leifs Stück "Quoten, Klicks und Kohle. Der Kampf um die Zuschauer" schlägt in dieselbe Kerbe. Mit spöttischem Unterton skizziert er den Frontverlauf: da sind die profitgierigen Zeitungsverleger und Privatsender, die den Qualitätsjournalismus unterminieren, und auf der anderen Seite stehen ARD und ZDF, das letzte Bollwerk guter Information. Im Internet wollen die zu Beliebigkeit und Menschenverachtung (Dieter Bohlen!) neigenden privaten Medienunternehmen den edlen Öffentlich-Rechtlichen keinen Raum lassen, es geht ihnen nur um's Geld. Dass es so simpel nicht ist, weiß auch Leif, schließlich hat er irgendwoher einen Doktortitel. Der Konflikt um die Pfründe im Internet ist komplexer als die alte Gut-Böse-Nummer, auf die Leif sie mit seinen kleinen Propagandatricks reduziert. Die Verleger haben das Netz lange verpennt und müssen sich dort mit gewachsenen Konkurrenten auseinandersetzen, die auch nicht wenig Geld haben. Dazu stehen die Zeitungsverlage mit dem Rücken zur Wand und müssen ihr Geschäftsmodell dringend renovieren. Die Verlage sind Angstbeißer. Sie wollen sie nicht auch noch einen mächtigen Medienapparat auf dem Spielfeld haben, der sich dank üppiger Gebührenausstattung um Kohle keine Sorgen machen muss. Der Ruf nach dem Gesetzgeber, den Leif als billigen Lobbyismus kritisiert (freilich ohne dabei zu erwähnen, dass auch die Anstalten ihre Lobbytruppen in Stellung haben), kommt allerdings nicht aus dem leeren Raum. Schließlich hat die EU-Kommission ein Missbrauchsverfahren gegen Deutschland wegen wettbewerbswidriger Beihilfen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (vulgo GEZ-Gebühr) nur gegen die Auflage eingestellt, den Auftrag der Sender klar zu definieren, insbesondere was das Engagement im Internet angeht. Der neue Rundfunkstaatsvertrag, der das künftig regeln soll, ist derzeit in Verhandlung. Von all dem kein Wort in Leifs Frontbericht. Es ist eine journalistische Todsünde, dem Zuschauer Informationen vorzuenthalten, die für das Gesamtbild wichtig sind. "Spin" nennen das die PR-Strategen, um nicht zu sagen, was es ist: Propaganda. Weil derzeit noch strittig ist, was genau ARD und ZDF im Internet machen dürfen und wer das kontrollieren soll, schießt Leif schon mal eine Testsalve gegen die Medienaufsicht. Zu Recht, übrigens, denn die Medienkontrolle ist ein Witz. Das merkt man spätestens bei Call-in-TV und der Pipi- und Omasex-Werbung, von der nächtliche Serienwiederholungen jäh unterbrochen werden. Allerdings dürfte auch Leifs Stück von einer strengen Medienaufsicht gerügt werden, wegen fehlender Kennzeichnung als Dauerwerbesendung. Dsiclaimer: Der Fool arbeitet bei einem Verlag. Er findet, dass sich in dieser Debatte alle beteiligten Parteien wie Kleinkinder benehmen, also daneben. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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