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Unitall-Verlag / HJB-Shop "Stahlfront": Von "Fandom-Stasi" und Insiderwitzen
INSIDER Unitall-Verlag / HJB-Shop von Prospero

07:45 Sonntag, 16. Dezember 2007

Wer bisher wirklich daran zweifelte ob die beim Unitall von Herrn Bernt verlegte Serie "Stahlfront", der rassistische Tendenzen vorgeworfen werden, eventuell nicht doch eine überspitzte Satire sein könnte wurde eines Besseren belehrt. Nachdem der Autor sich schon zu Wort meldete, tat dies nun auch der Verleger Hans-Joachim Bernt selbst. Das sprach dann Bände und hat das Zeug zum Baron der Woche.

Der rauhe Gegenwind, der der vermeintlichen SF-Serie aus dem Fandom, der Gesamtheit der Fans, entgegenschlägt - und zwar sehr massiv, wenn es auch natürlich den ein oder anderen Fürsprecher für die Serie geben mag - lässt den Verleger Bernt kalt: Es handelt sich um ca. 15 Neo-Helden, die eine bestimmte Meinungsmache betreiben wollen. Dass es alleine im SF-Fan.de-Forum an die 33 Leute sind, die Kritik an der Serie äußern irritiert den Macher natürlich keineswegs. Dazu kommen, da der Verlag in diversen anderen Foren auch Werbung gemacht hat noch der Ein oder Andere dazu. Aber warum sich auch irritieren lassen?
[...] da Du Dich, wie ich weiß, gerne in Foren aufhältst, besteht die Möglichkeit, daß Du diese wenigen Leute für einen echten Faktor hältst. Sind sie aber nicht, weder in deren eigenem Leben noch darüber hinaus.

Für einen Kleinverleger, der von einer gewissen Stammklientel abhängig ist, gewagte Worte. Wer sich eine Werbung im "Börsenblatt" des Deutschen Buchhandels nicht leisten kann oder nur Werbung in Genre-Zeitschriften oder Heftromanen schalten kann - wobei es strenggenommen auch nur die "TV-Higlights" und die "SpaceView" hierzulande als Genre-Zeitschriften gibt und ich denke, die werden sich jetzt hüten Anzeigen für "Stahlfront" zu schalten nach der Diskussion - ist auf Mundpropaganda wie sie in Foren erfolgt oder in Blogs durchaus angewiesen. Bernt brüstet sich zwar damit, dass der erste Band der Serie sich verkauft wie geschnitten Brot - Ich habe auch noch nie zuvor erlebt, daß täglich mehrere Privatkunden zwei/drei/vier Exemplare von einem Buch bestellen bzw. nachbestellen, weil sie einen bestimmten Titel an Freunde verschenken wollen. - aber spätestens bei dem dritten Band der Serie wird der Reiz definitiv verflogen sein. Es mag durchaus Absicht des Verlages sein, eine Umorientierung der Zielgruppen vorzunehmen. Wenn das der Fall sein sollte werden ihm allerdings eine Reihe von SF-Lesern ihr Votum entziehen. Dass die rechte Szene größer ist als die der SF-Fans mag ja sein - es mag auch sein, dass die Debatten über die Serie nur den "harten Kern" der SF-Fans erreicht - aber es ist sehr gewagt wenn man glaubt auf seine bisherigen Stammkunden verzichten zu können. Und zwar Knall auf Fall.

Aber Kritiker in SF-Foren sind bei Herrn Bernt halt nicht gerne gesehen, dass konnte man schon in der Diskussion nachverfolgen die im Rhen-Dark-Fanforum geführt wurde und bei der schon vor dem Interview abzulesen war wessen Geistes Kind der Verlagsleiter des HJB-Verlages ist. Kostprobe gefällig?

»Rechts« ist nicht nur eine legale, sondern auch eine völlig legitime politische Richtung! Ich finde die heute so angesagte Hetze »gegen Rechts« einfach nur zum Kotzen. [...] Bis dahin aber kann ich als überzeugter Konservativer alle noch klar denkenden Menschen nur dringlichst dazu auffordern, sich endlich mit aller Kraft gegen Links zu engagieren. [...] Ich bin es leid, hier eine politische Diskussion über Realitäten zu führen, die es laut Meinung einiger linker Weltverschlechterer nicht geben »darf«. [...]

Da darf es nun nicht verwundern wenn im Interview folgendes geschwafelt wird: Für „Literaturdiskussionen“ in „freien SF-Foren“, in denen sich auffallend viele Selbstbeweihräucherer aus den Kreisen der Fandom-Stasi rumtreiben, bin ich nicht zuständig. Zuständig wohl nicht, aber das Engagement in diversen Foren von Bernt für die Serie spricht wohl für sich, obwohl er ja rein offiziell nichts mit der Serie zu tun hat. Natürlich, er ist nur der Verleger und gestaltet das Programm, aber damit hat man ja nichts mit der Serie an sich zu tun. Sicher. "Unfreie" SF-Foren wären dem Herrn offenbar auch lieber, da man da recht schnell mißliebige Kritiker sperren lassen kann.

Das Feinbild des Herrn Bernt ist auf jeden Fall deutlich definiert - und so sehen nun die typischen Leser der "Landser"-Heftromane, in denen auch Werbung für "Stahlfront" geschaltet wurde nun vermutlich eher nicht aus: Ich kann aber sagen, daß – um meiner Unterhaltungsverpflichtung nachzukommen – die Serie Stahlfront eher nicht präferiert wird von Leuten mit rot-grün gefärbten Haaren oder Doppel-Namen, die im Focus-Fragebogen als größten Wunsch „Daß alles gut wird“ und als persönliches Lebensziel „Möglichst viel Gutes tun“ und als Vorbild „Nelson Mandela“ angeben. Eine sehr schöne Selbstoffenbarung. Vor allem interessant woher der Verleger nach kurzer Zeit schon weiß wie die Leute aussehen, die die Serie bestellen, aber natürlich hat man sich schon vorher Gedanken über die Zielgruppe gemacht.

Die Nachkommen einer Absetzbewegung aus überwiegend Truppenteilen der Wehrmacht und Wissenschaftlern/Technikern würden im Abstand von so vielen Jahrzehnten unter eingehender Nachbetrachtung der deutschen Katastrophe von 1945 keinem Hitlerismus anhängen. Ah ja - sicherlich würden sie das auf jeden Fall tun. Wir überlegen jetzt kurz mal was 1945 passiert ist - richtig, die Deutsche Wehrmacht gab die Kapitulation bekannt und der Zweite Weltkrieg war zu Ende. Das ist natürlich dann extrem logisch, dass sich eine Gruppe, die ihre Einflüsse von der SS bezieht - das kommt im Roman andauernd durch - sich dann natürlich sofort von ihrem Weltbild verabschiedet und freiheitlich-demokratische Grundordnungen anerkennt. Macht ja jeder normale Fanatiker heutzutage...

Keinen Kampf gegen die Aliens zu führen, sondern sich versklaven zu lassen, weil die einzigen starken Helfer welche sind, die … einem nicht gefallen? führt Herr Bernt weiterhin als Argument ins Feld - dass der Autor der Serie allerdings statuiert, dass nur die "Arier" immun gegen die Beeinflussung der Außerirdischen sind weil sie halt die genetischen Voraussetzungen dafür besitzen - das verschweigt Herr Bernt im Interview.

Zum Schluss dann die großartige Begründung dafür, warum der Verlag die bösen, bösen Kritiker, die lauter falsche Unsterstellungen verbreiten nicht verklagt: Diese Schreiber sind mir im Grunde doch dankbar, daß Torn und ich sie von ihrer langweiligen und erfolglosen Suche nach der „ganz neuen, ganz anderen Space Opera“ erlöst haben. Endlich gibt es ein Produkt, der Kategorie SF zuzurechnen, das Zündstoff bietet. Für mich sieht das eher so aus als ob der Verlag genau wüßte, dass die Vorwürfe durchaus Hand und Fuß haben und wenn ein Indizierungsantrag gestellt werden würde - was keiner der Kritiker übrigens getan hat - könnte das Ergebnis trotz der Tatsache, dass der Roman ja angeblich durch einen Rechtsanwalt geprüft wurde eventuell nicht all zu gut für den Verlag aussehen.

Dieses Machwerk dann allerdings noch in eine Reihe mit "1984" - scheint eine Lieblingslektüre Herrn Bernts zu sein - und "Uhrwerk Orange" zu stellen, dass ist dann endgültig ein Grund den Herrn für den Baron der Woche zu nominieren. Na, dessen Interpretationen der Werke von Orwell und Burgess möchte man ja dann doch mal lesen oder zumindest mal das Original-Manuskript in englischer Sprache vorliegen haben, dass der angebliche Professor Chaines ja verfasst hat. Übrigens: Der Name ist ja sowas von witzig, wenn man Insider des HJB-Verlags ist kapiert man das auch sofort...





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