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Pfizer Pfizer: Champix-Krisen-PR beginnt mit blanker Lüge
INSIDER Pfizer von hockeystick

14:45 Mittwoch, 21. November 2007

There were no suicides in patients taking Chantix in our clinical trials, teilt Pfizer dem bekannten Pharmablogger Ed Silverman im Zusammenhang mir der jüngsten Warnung der FDA per E-Mail mit. Das soll erst einmal die Gemüter beruhigen, und Silverman scheint das auch erst einmal zu glauben. Dumm nur, dass es nicht stimmt.

Werfen wir doch einmal einen kurzen Blick in eine der Studien. Darin findet sich eine bemerkenswerte Passage, im üblichen wolkigen Marketingduktus industriefinanzierter Medikamentenstudien. Die unangenehme Tatsache wird bereits vor ihrer Eröffnung hinter einer Wolke von Dementis und Rechtfertigungen verschleiert: Three participants died in this study. None of these deaths was considered related to the study drug. One man with a history of depression that was not revealed at the time of enrollment died of suicide 27 days after completing double-blind treatment.

Obwohl es nicht offen ausgesprochen wird, ist unschwer nachvollziehbar, dass der Mann tatsächlich mit Champix behandelt wurde: In der Plazebogruppe gab es nämlich keine Todesfälle.

Pfizer lügt also.

Wo wir schon dabei sind, schauen wir uns die feine Formulierung doch noch einmal genauer an: "... with a history of depression that was not revealed at the time of enrollment..."

Mit anderen Worten, der Mann war selber Schuld. Er hatte seine "history of depression" zu Studienbeginn nicht offengelegt. Wollten wir Pfizer glauben (warum sollten wir eigentlich?), dann hätte dieser Mann also bereits in der Vergangenheit psychische Probleme gehabt.

Diese Argumentation ist bemerkenswert. Champix darf nämlich heute durchaus auch Personen verschrieben werden, die in der Vergangenheit psychische Probleme hatten.
Solche Personen wurden in den vorliegenden Studien mit größtmöglicher Akribie ausgeschlossen, wohl wissend, dass von dieser Seite Gefahr für den "Milliarden-Blockbuster" droht. In der Normalbevölkerung ist der Anteil "psychisch labiler" Personen weitaus höher.

Genau dieser Suizidfall ist es offenbar auch, der merkwürdigerweise nur in der kanadischen Version der Fachinformation zu Champix/Chantix Erwähnung findet, nicht jedoch in der offiziellen Fachinformation für Ärzte auf PfizerPro.com.

Update:
Ed Silverman stellt die Aussage des Pfizer-Sprechers mittlerweile ebenfalls in Frage und hat seinen Artikel entsprechend ergänzt:

ANOTHER UPDATE: Actually, a Phase III trial did yield one suicide in a patient with a history of depression, but it was ‘not considered related’ to Chantix. Also, the US label notes that side effects reported by patients include suicidal ideation, but not suicide. By contrast, the Canadian label doesn’t say reported by patients, but also mentions suicide.





Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Inzwischen... (hockeystick)
...glaubt er es nicht mehr.
BooCompany-Leser... (hockeystick)
Re: BooCompany-Leser... (lanu)
hatte ich schon erwähnt, dass du eine sehr gute geschichte an land gezogen hast? :-)

glückwunsch
Re: Re: BooCompany-Leser... (hockeystick)
Statt das hier zu posten hätte ich mir besser Put-Optionen gekauft. Nu isses zu spät. ;-)
Das Arznei-Telegramm... (hockeystick)
...hat jetzt auch ein "blitz-a-t" zum Thema. Ich zitiere in Auszügen:

SUIZIDALITÄT UND AGGRESSIVITÄT IN VERBINDUNG MIT RAUCHERENTWÖHNUNGSMITTEL VARENICLIN (CHAMPIX)

Der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA liegen mehrere Berichte über Suizidgedanken und suizidales Verhalten sowie depressive Verstimmung, Aggressivität und andere Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung mit dem partiellen Nikotinrezeptoragonisten Vareniclin (CHAMPIX) vor (1).

[...]

Auch in der Laienpresse


Strappato, ich fürchte damit sind wir gemeint ;-)

...und im Internet kursieren viele Berichte über Depression, Aggressivität, Angst und Suizidalität in Verbindung mit Vareniclin einschließlich dem über einen texanischen Musiker, der nach einwöchiger Einnahme erst seine Freundin verprügelt und anschließend von einem Hausbesitzer erschossen wird, vor dessen Tür er randaliert hatte (3,4). Zumindest in diesem Fall könnte auch Alkohol zu den Ereignissen beigetragen haben (1), dessen mögliche Wechselwirkungen mit Vareniclin wenig untersucht sind (2).

[...]

Laut kanadischer Fachinformation ...


Die Lesen doch nicht etwa hier mit? ;-)

...sind Suizide und Suizidgedanken bereits in klinischen Studien aufgetreten (5). In der deutschen Fachinformation werden bislang weder Depression noch Suizidalität aufgeführt (2).

Wir stufen Vareniclin als ein schlecht verträgliches Mittel mit eher dürftigem Nutzen ein, das allenfalls als letzte Reserve in Betracht kommt, wenn eine medikamentöse Unterstützung bei der Nikotinentwöhnung erforderlich ist und Nikotinersatztherapie fehlgeschlagen hat (a-t 2007; 38: 25-7).


Re: Das Arznei-Telegramm... (lanu)
laienpresse

ts
Re: Re: Das Arznei-Telegramm... (hockeystick)
Ich habe das mit Absicht ein wenig falsch verstanden. Es gibt im ärztlichen Weltbild nur zwei Möglichkeiten: Man ist Arzt, oder man ist Laie (=Patient). Laienpresse sind Zeitungen, die nicht von der Pharmaaindus sich nicht ausschließlich an Ärzte richten.
Das Deutsche Ärzteblatt... (hockeystick)
Mehr zum Thema... (hockeystick)
...in einem Beitrag von mir bei strappato.

http://gesundheit.blogger.de/stories/977922/
Re: Mehr zum Thema... (lanu)
soso, der herr geht fremd ;-)
Re: Re: Mehr zum Thema... (hockeystick)
Für die schnellen, harten Nummern komme ich schon wieder nach Hause. ;-)


Mir nach!



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