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11:19 Donnerstag, 13. September 2007
'Da muß man Schmiergeld zahlen, sonst bekommt man keinen Fuß auf den Boden' - so lautet die Lieblingsentschuldigung von Firmen wie Siemens, Dell, HP und Co., wenn man wieder herauskommt, wo noch jemand einen (meist öffentlichen oder halböffentlichen) Auftraggeber bzw. deren Mitarbeiter bestochen hat. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft in Ungarn, Griechenland, Italien, Washington etc. - in China können sie schon mal das Leben kosten.
In Peking wurde gestern ein IT-Manager der Agricultural Bank of China, der sich angeblich bei der Auftragsvergabe für seine Geldautomaten von westlichen Firmen hat bestechen lassen, wegen Korruption hingerichtet. Er wurde auffällig, als er das Bargeld taschenweise zu Bank brachte. Jetzt ist er tot. Sein Name war Wen Mengjie, und bei Heise sieht man auch, wie der bedauernswerte Mensch aussah. Nein, ich bin jetzt nicht in der Laune, mich darüber lustig zu machen und vorzuschlagen, daß es doch hübsch wäre, wenn den Siemens-Managern das gleiche drohen würde - so nach dem Motto, wenn man ein paar über die Klinge springen läßt, dann ist bald Ruhe. Mal ganz ohne Kunstfigur: ich bin gegen die Todesstrafe, und es flößt mir tiefes Gruseln ein, wenn ich mir vorstelle, daß ohne Not von Staats wegen ein Mensch einfach vom Leben zum Tode befördert wird. Ist Korruption in China üblich? Sicherlich, wenn man Eliot Pattison glaubt, der dort Geschäfte gemacht hat und das Land kennt. Hat sich der jetzt hingerichte IT-Manager wirklich strohdoof verhalten, als er das ganze schöne Bargeld so auffällig zur Bank brachte? Sicherlich. Ist er nur die Spitze eines gewaltigen Eisbergs und mußte er sterben, um ein Exempel zu statuieren, so daß die chinesische Führung sagen kann, man bekämpfe die Korruption? Sicherlich. Hat er deshalb den Tod 'verdient', nach irgendwelchen Maßstäben, die dem momentanen Stand des ethischen Anspruchs an die Menschheit entsprechen, egal wie neo-konfuzianisch, neo-konservativ oder neo-kapitalistisch? Sicherlich nicht!! Und warum gehört der Boo jetzt Wincor-Nixdorf? Selbst die Siemens-Affiliation ist noch keine Garantie dafür, daß es gerade deren Bestechung war, die den IT-Manager mit seinem Bargeld hat auffällig werden lassen, ja sogar, daß sie ihm überhaupt Schmiergelder gezahlt haben. Nein, auch wenn es unwahrscheinlich ist, ist es nicht mal erwiesen, daß Wincor-Nixdorf in China oder irgendwo auf der Welt irgendwelche Schmiergelder an irgendwen gezahlt hat. Wincor-Nixdorf ist neben NCR und Diebold (die, die auch die Wahlmaschinen machen, savvy?) eine der drei westlichen Firmen, die Bankautomaten an die Agricultural Bank of China geliefert haben und im Kontext dieser Hinrichtung genannt werden. Es ging um Bankautomaten, also ist es relativ wahrscheinlich, daß das Schmiergeld von einer dieser drei Firmen gezahlt worden war. Wincor-Nixdorf ist eine deutsche Firma, siemens-affin zu allem Übel, und sie machen Geschäfte mit China, wo bekanntlich generell die Menschenrechte nichts gelten. Das ist schlecht, und sie sollten es lassen, so aus generellem ethischem Beweggrund. Sie werden es natürlich nicht - niemand tut es. Westliche Politiker liefern Sonntagsreden ab und fordern mehr Menschenrechte in China, westliche Firmen interessiert das alles ungefähr so sehr wie eine Wasserstandsmeldung vom Nil, denn sie machen dort gute Geschäfte. Selbst wenn diese einschließen, daß man mal den einen oder anderen Chinesen ans Messer liefert - sei es als Dissident, dessen Anonymität man herausrückt, oder indem man einem etwas doofen IT-Manager so viel Schmiergeld zahlt, daß er es nicht gebacken kriegt, damit umzugehen. Westliche Firmen machen Geschäfte. Leute sterben in China. Es besteht eine Verbindung. Da ist es gerechtfertigt, einmal 'Boo' zu sagen - und dafür greife ich mir jetzt einfach die geografisch nächstgelegene dieser genannten Firmen. Alles klar soweit? Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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