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08:54 Mittwoch, 05. September 2007
Wir denken alle, die Telekom sei jetzt schon schlecht? Ist im Namen der 'Gesundschrumpfung' der Anorexie verfallen? Der Service ist so unter aller Kanone, daß im Frühjahr die Leute spotteten: 'Ist das noch Service, oder streiken sie schon?' Das ist alles noch gar nichts, erzählte mir gestern ein Insider. Es kommt in den nächsten Jahren noch viel schlimmer.
Es ist doch ein vertrautes Bild: einige Leute stehen zusammen und schimpfen auf die Telekom. Passiert hunderte von Malen jeden Tag in Deutschland. Aber gestern abend, als ich so mit anderen stand und schimpfte, bin ich an einen Insider geraten. Unvorsichtig, wie ich nun manchmal bin, gab ich damit an, vor Jahren mal an der Telefonbuchse einer mir bekannten Sphinx herumgeschraubt zu haben. Nein, wirklich, wörtlich. Ich hatte damals einen T-Online-Modemanschluß, und hatte für die Sphinx eine Mitbenutzerkennung eingerichtet, damit sie auch ins Internet kommt und dort ihr Sphinxwesen treibt, was sie seither auch mit stetig wachsendem Erfolg tut, und längst nicht mehr über eine T-Offline-Wählverbindung. Es funktionierte damals nämlich nicht sofort, also rief ich bei der Telekom-Hotline an, und die stellten mich durch zu einemTechniker, der erklärte mir, wie ich die Buchse aufzuschrauben hatte und nachgucken konnte, ob die Drähte für ein Modem auch richtig säßen - taten sie nicht, ich habe nach seiner Anleitung zwei Drähte gekreuzt, dann ging's und das Internet war um eine Sphinx reicher, wovon sich manche Teile bis heute nicht wirklich wieder erholt haben.* Diese schöne Geschichte habe ich nun erzählt, um einen Beweis anzuführen, daß es mal Zeiten gab, so kurz, um 2000 herum, da war die Telekom nicht mal schlecht. Staatsbetrieb waren sie nicht mehr, 'effektiv' waren sie noch nicht geworden - da lief es eine Weile richtig rund, bis man dann auf die Idee kam, alles verbessern und verändern und umbenennen zu wollen. Umbenennungen sind ohnehin des Teufels - da führe ich immer die Straßennamen in St. Petersburg an, wo man nie weiß, wo man gerade ist, aber so weit kam ich nicht. Wir hatten in unserer Runde nämlich einen, der lächte kühl und sagte, das wäre alles noch gar nichts. Ich dächte, es sei jetzt schon schlimm? Ich würde jetzt schon schimpfen? Pah, das ist doch Kleinkram. Paß auf, sagte mein Insider, das wird in den nächsten Jahren noch viel schlimmer. Und zwar folgendermaßen: Die Telekom werde in den nächsten fünf Jahren von den bisher 1.200 ehemaligen 'Fernmeldeämtern', also Vermittlungsstellen, fast alle ausdünnen, bis nur noch 25 davon übrig seien. Mit der modernen Technik sei das ja theoretisch wohl vielleicht auch möglich. Es bedeutet allerdings, daß zehntausende von Mitarbeitern entlassen, ausgegliedert oder sonstwie entsorgt würden. Er habe einen Verwandten bei der Telekom, so der Insider weiter, der sei allerdings zum Glück schon bzw. noch verbeamtet worden, also brauche er sich nicht wirklich Sorgen zu machen - tortzdem schreibe er schon wie wild Bewerbungen. Und à propos moderne Technik, diese großen grauen Kästen für VDSL, die die Telekom jetzt überall aufstellt, wären in ein paar Jahren total veraltet, da kommt nämlich jetzt schon etwas Neues (dessen Namen mein Insider allerdings nicht sagen konnte, soviel hatte der Verwandte von der Telekom doch nicht erzählt), und die VDSL-Technik wäre eine gewaltige Fehlinvestition. In ein paar Jahren, so das Resümee, gehe es der Telekom dann erst so richtig schlecht, und das, worüber wir jetzt schon schimpfen? Sei noch überhaupt gar nichts. Schlimme, schlimmer Dinge kommen auf uns zu. Die Telekom wird noch mindestens so schlecht, wie die Post es jetzt schon ist.** * Diese mir bekannte Sphinx übertrifft mich an Ruchlosigkeit, Durchblick und konspirativem Geschick um Einiges, was mir den höchsten Respekt abnötigt. Außerdem kann sie messerscharf sowohl formulieren als auch parodieren, und ihre Lieblingsbeschäftigung abends in der Kneipe ist das gepflegte Spotten über den Rest der Welt. Leider bloggt sie gar nicht; sie ist wohl viel zu beschäftigt, sich neue Rätsel auszudenken, die sie der Welt stellen kann. Ein Sphinxblog wäre schlagartig meine neue Lieblingslektüre. ** Die Post meine ich, bei der man aus München in Kiel anrufen muß, um den Münchner Briefträgern ausrichten zu lassen, daß an der eigenen Münchner Adresse trotz benachbarter Bauzäune noch Leute wohnen und man doch gerne seine Post hätte, anstatt daß die Leute anrufen und einem erschrocken mitteilen, Briefe und Päckchen kämen als unzustellbar zurück. Kiel!!! Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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