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19:34 Sonntag, 12. August 2007
Lange hatte die Aufsichtsbehörde im Fall Airnergy angestrengt weggesehen. Mit Gefälligkeitsschreiben von Scharlatanen und bizarren Pseudostudien gaben sich die Bürokraten zufrieden. Rund sechs Jahre gingen ins Land, und Millionen wechselten den Besitzer. Doch im Frühjahr 2006, nach Auslaufen eines NRW-Subventionsprogramms für Airnergy, konnten es auch Norbert Blüm und Rudolf Dreßler nicht mehr verhindern. Es geschah, was bis heute nicht an die Öffentlichkeit gelangt ist: Die Kölner Bezirksregierung zog die Notbremse.
Wenn man in Deutschland wirkungslose technische Pseudoinnovationen unter die Leute bringen will, kann das ohne weiteres im Gefängnis enden. Umso dummdreister erscheint deshalb der Versuch, solches mit einem Kästchen zu versuchen, das ganz ohne Zweifel unter das Medizinproduktegesetz (MPG) fällt. Denn Airnergy wird als ein Gerät beworben, das der Verhütung und Linderung von Krankheiten dienen soll (§ 3 Abs. 1 MPG). Damit hatten die Airnergy-Verantwortlichen neben den einschlägigen Paragraphen des StGB und dem Heilmittelwerbegesetz noch ein zusätzliches Problem an der Backe. Und das heißt § 4 Abs. 2 MPG: Es ist ferner verboten, Medizinprodukte in den Verkehr zu bringen, wenn sie mit irreführender Bezeichnung, Angabe oder Aufmachung versehen sind. Eine Irreführung liegt insbesondere dann vor, wenn [...] Medizinprodukten eine Leistung beigelegt wird, die sie nicht haben. Die Durchsetzung des MPG obliegt in NRW den Bezirksregierungen. Nun sitzt die für Airnergy zuständige Bezirksregierung in Köln, und nirgendwo sonst zählen echte Freundschaften noch soviel wie in der Hochburg der deutschen Bakschisch-Kultur. Man könnte also darüber spekulieren, warum die Kölner Bezirksregierung - obwohl dem Vernehmen nach ausgezeichnet informiert - das lustige Treiben in Hennef sechs Jahre lang billigte. Jedenfalls wurden irgendwann die Fragen der Beamten nach dem gesetzlich geforderten Wirkungsnachweis drängender. Und so blieb den Airnergy-Verantwortlichen etwa Anfang 2005 nichts anderes übrig, als eine Studie bei einem einigermaßen seriös erscheinenden Institut zu beauftragen. So konnten sie zumindest Zeit gewinnen. Das Ergebnis der an der Deutschen Sporthochschule in Köln durchgeführten Studie lag im Oktober 2005 vor, ist BooCompany-Freunden schon länger bekannt und fiel vernichtend aus. Die Studienleiterin, Frau Prof. Platen, fasst das Ergebnis auf Nachfrage prägnant zusammen: Nichts. Nada. Für das ZDF formuliert sie später: Wir haben keine Unterschiede in der Leistungsentwicklung zwischen der Verum- und der Placebogruppe gefunden. Das bedeutet, dass sich offensichtlich diese Inhalation nicht in irgendeiner Weise auf messbare physiologische Parameter ausgewirkt hat. Allen Veantwortlichen war klar, dass dieses Studienergebnis in letzter Konsequenz das Ende von Airnergy bedeutet. Airnergy weigerte sich deshalb, die Studie zu bezahlen, und die Sache landete vor Gericht. Im Frühjahr 2006 untersagte die Kölner Bezirksregierung schließlich das "Inverkehrbringen" von Airnergy. Nun waren an verschiedenen Fronten die Juristen am Zug. Dazu mehr im dritten Teil. (Teil 1) (Teil 3) Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Aktuelle Airnergy-PR in der BILD (hockeystick)
http://www.bild.t-online.de/BTO/sport/bundesliga/2007/08/12/koeln-daum-schumi/fc-koeln-hilfe,geo=2300506.html
Liebes Bildblog, kannst du das bitte übernehmen? BILD lügt. Singh hat in Hennef (bei Bonn) eine Kirche zu einem Gesundheitszentrum umgebaut, bietet dort eine spezielle Atemluft-Therapie an. Singh hat sie nicht umgebaut. Der Umbau sollte zwar längst beendet sein, hat aber noch nicht einmal begonnen. Fraglich ist es nach Lage der Dinge, ob er jemals beginnen wird.
Kirche -> Airnergy-Zentrum? (Schleiereule)
HILFE! Ich wittere in dieser seltsamen Zweckentfremdung einen Markenrechtsverstoss gegen die Praktiken der Scientology-Organisation. Wenn die mal nicht wegen Verwendung von unnützen elektronischen Kästchen für spirituelle Zwecke abmahnen. Lieber Herr Gesangsverein!
Nicht irgendeine Kirche (hockeystick)
sondern sogar eine Klosterkirche.
http://www.hennef.de/magazin/artikel.php?artikel=350&type=2&menuid=66&topmenu=7 http://www.formelphysio.de/Weltklasse-Physiotherapeut_Balbir_Singh.34.0.html?PHPSESSID=56c67d43339f816a95fcb29bc5f207fc Ja, einen gewissen Größenwahn konnte man ihnen noch nie absprechen.
Das sprichwörtliche Fingerspitzengefühl (hockeystick)
des überwiegend als sympathisch geschilderten Balbir Singh beschränkt sich auf das Aufspüren von Myogelosen. Bei der Auswahl seiner Geschäftspartner hatte er weniger Glück, und jetzt hängt er mit drin.
Re: Airnergy zyanotisch bei Schnappatmung - Teil 2 (Georgdrahtlos)
Eine gute Freundin hatte vor ca. 13 Jahren in ihrem Sonnenstudio so ein Sauerstoff-Dingsda stehen. Marke Ergoline, glaub ich. Hat aber kaum jemand benutzt und stand nur rum.
Erfunden hat den Quark also jemand anderes.
Re: Re: Airnergy zyanotisch bei Schnappatmung - Teil 2 (hockeystick)
Sowas in der Art?
http://www.piazza.ch/de/inserat/850222/sauerstoffgeraet_sauerstoffgeraete_neu.html Der erhöht angeblich den Sauerstoffanteil in der Luft. Das bringt außerhalb der Intensiv- und Notfallmedizin zwar auch nichts, wäre aber wenigstens physikalisch nachweisbar. Airnergy belässt den Sauerstoffanteil beim Ausgangswert, stellt aber angeblich mysteriöse Dinge mit den in der Luft enhaltenen Sauerstoff- oder Wassermolekülen an.
Re: Airnergy zyanotisch bei Schnappatmung - Teil 2 (GoGo)
Wenn einer einem anderen eine billige Blechkiste für 5000 Euro übers Ohr haut, dann ist er Betrüger.
GoGo
So, was die BILD kann... (hockeystick)
... kann der Express schon lange:
http://www.express.de/servlet/Satellite?pagename=express/index&pageid=1055757515336&unterrubrikid=606&rubrikid=214&ressortid=103&articleid=1187023017107 Der Express hatte seinerzeit schon das bemerkenswerte Stück über eine MS-Wunderheilung mit Airnergy gebracht.
Re: Airnergy zyanotisch bei Schnappatmung - Teil 2 (GoGo)
Bildt war dabei: Herr Singh auf dem Flugplatzgelände in Bonn. Ein alter Mann miot Krücken steht vor dem Frischluft-Atemgerät Airnergy, einen Plastikschlauch in der Nase. Er atmet die Heilluft tief ein.
Und dann geschieht das Unfassbare. Der Mann (Name ist der Bildt-Redaktion bekannt) wirft seine Krücken weit von sich. Ein Raunen geht durch die Menge. Und dann schweigendes Erstarren der Menschenmenge. Der Mann hebt ab. Er schwebt in Richtung Startbahn und taucht in das gleißende Sonnenlicht ein. Unfassbar. Da fragt man sich echt, warum die Regierung so ein schönes Wundergerät verbieten will. Der alte Mann steht leider erst zu einem Interview zur Verfügung, wenn er von seiner Reise zurückgekehrt ist. Bildt dir dein eigenes Urteil |
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