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00:54 Dienstag, 17. Juli 2007
Tschakka! Das ging aber hurtig. Am Wochenende berichteten die Medien von bevorstehenden Sparplänen der unter Heuschreckenbefall und McKinseytis leidenden ProSiebenSat1 AG und schon am Montag war weitgehend Schluss mit Sat1 News.
Die Moderatorin von "Sat1 am Mittag", Mareile Höppner, bekam nach Angaben von DWDL noch während der Livesendung am Montag von der Regie schonend beigebracht, dass das gerade ihre letzte Sendung ist. In Stilfragen war der Kuschelsender schon immer ein Vorreiter. Außer dem Mittagsmagazin sind auch die Abendnachrichten am Montag zum letzten Mal über den Sender gegangen. Das erfuhr die Abendnachrichtentruppe immerhin vor der Last Picture Show; Senderchef Matthias "Am Programm wird ganz sicher nicht gespart" Alberti informierte sie am Mittag auf einem eilig anberaumten Termin. Zuvor hatte der Sat1-Boss der Crew des Mittagsmagazins mitgeteilt, sie seien ab sofort freigestellt, wie Spiegel Online erfahren hat. Ihre Verträge laufen im November aus, sie sind damit leichter loszuwerden als die fest angestellten Kollegen der Abendschiene. Deren Chef ist im Urlaub und lässt seine Anwälte über die Konditionen seines Abgangs verhandeln. Die Nachtschiene soll noch eine Gnadenfrist bis Ende August haben. Auslöser der hektischen Betriebsamkeit dürften die bösen Journalisten sein, die von den Plänen Wind bekommen hatten, noch am Wochenende berichteten und damit die ausgefeilte Kommunikationsdramaturgie des Konzerns durchkreuzten. Die wollten das von den McKinsey-Robotern ausgerechnete Konzept nach dem Plazet des Aufsichtsrates auf der Hauptversammlung am Dienstag vorstellen, am Donnerstag die Betriebsratsvorsitzenden informieren und für die Mitarbeiter dann auf einer Betriebsversammlung am Freitag eine bunte Überraschungsparty geben. Das ganze Desaster folgte nur zwei Tage, nachdem Sat1 der geladenen Werbekundschaft am Büffet in Düsseldorf "The Big Picture" (das jetzt wohl etwas schmalformatiger ausfallen wird) präsentiert hatte. Dass der Sender "fachfremde Journalisten" nicht dabei haben wollte, hat wohl nicht viel gebracht. Die Journalistengewerkschaft DJV empört sich über das "maßlos überzogene" Vorgehen der Sat1-Bosse. "So geht man nicht mit Kolleginnen und Kollegen um, die mit Engagement Nachrichtenjournalismus machen", sagte er DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken und schob die rührige Forderung nach, die "Einstellung der betroffenen Sendungen sofort zurück zu nehmen". Dabei blieb Konken eine Erklärung schuldig, warum ausgerechnet Journalisten das Schicksal anderer Arbeitnehmer in diesen Zeiten nicht teilen sollten. Auch Politiker und, ähem, die Medienwächter der Landesmedienanstalten geben sich besorgt. Sie denken schon mal laut über mögliche Konsequenzen nach, zum Beispiel wollen sie geprüft wissen, ob das neue Sat1-Programm noch den Lizenzauflagen für ein Vollprogramm entspricht. Angesichts der Tatsache, dass Trash-TV wie RTL II hierzulande ohne Probleme als "Vollprogramm" durchgeht, dürften die Latte für eine entsprechende Sendelizenz allerdings nicht allzu hoch hängen und von Sat1 locker genommen werden. Immerhin: "Es kann nicht sein, dass das Programm baden geht, um die Renditeziele der Eigentümer zu erreichen“, sagte Manfred Helmes, der Direktor der Landesanstalt für Medien und Kommunikation (LMK) in Rheinland-Pfalz, der FAZ und bohrt mit den Finger in der Wunde, die von den neuen Eigentümern der ProSiebenSat1 AG geschlagen wurde. Die Fondsgesellschaften (vulgo "Heuschrecken") KKR und Permira hatten die deutsche Senderfamilie übernommen und ihr gleich die Gruppe SBS samt Schulden verkauft - mit einem saftigen Rendite. Schulden hat jetzt vor allem ProSiebenSat1, die den Kauf finanzieren mussten. Damit folgen die Investoren akribisch dem Drehbuch des Finanzschockers "Day of the Locusts": Nach der Übernahme (wahlweise mit Abwälzung der Finanzierung) in Akt Eins wird im nächsten Teil eisern auf Rendite getrimmt, das geht nicht selten zulasten der Produktqualität und in der Regel auf Kosten der Mitarbeiter. Im letzten Akt folgt dann üblicherweise die Zerschlagung des Unternehmens, die einzelnen Teile werden mit Profit veräußert. Das ist übrigens das, was Richard Gere in "Pretty Woman" beruflich so trieb. Vielleicht denken die Alphamännchen der Investmentbranche ja immer noch, so kriegen sie Julia Roberts ins Bett. Was aber die Zuschauer vom "emotionalen Leitmediums des neuen Mainstreams" (Alberti-Prosa) künftig erwarten dürfen, zeigt der Senderchef auch geich: Statt dem Mittagsmagazin gibt es eine Extraportion Barbara Salesch, aufgewärmt aus dem Archiv. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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