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17:04 Sonntag, 15. Juli 2007
Während News-Anchor Thomas Kausch im Sommerurlaub sein Gemüt kühlt, verhandeln seine Anwälte mit Sat1 über eine Vertragsauflösung. Nicht alle der bis zu 300 Kollegen, die der Konzern dem Vernehmen nach "freisetzen" will, werden es so gemütlich haben.
Thomas Kausch ist im Urlaub. Vorher hat der offenbar ehemalige Nachrichtenchef von Kuschelsender Sat 1 sein Berliner Büro geräumt und eine verzweifelte Assistentin hinterlassen. Damit geht zu Ende, was von Beginn an ein riskantes - wenn nicht gar unmögliches - Unterfangen war: Dem Sender im Niederspannungsfeld zwischen der talkenden TV-Blondine Britt und dem animierten Ost-Kleiderständer Kai Pflaume so etwas wie Nachrichtenkompetenz zu verpassen. Roger Schawinsiki, damals noch Chef des Ganzen und immerhin ein TV-Mann mit Visionen, holte den lässigen Nachrichtenmann Kausch von ZDF "heute nacht" und setzte ihn an die Spitze seiner "Nachrichtenoffensive". Die Offensive ist kläglich verreckt. Schawinski ist ist längst weg, jetzt auch seine Speerspitze Kausch, und mit ihm werden weitere Nachrichtenleute gehen müssen. Wenn stimmt, was die Kollegen so schreiben, macht Schawinski-Nachfolger Matthias Alberti jetzt kurzen Prozess nicht nur mit dem News-Team. In der ganzen Sendergruppe sollen bis zu 300 Stellen abgebaut werden, das ist etwa jeder zehnte Job. Den Standort Berlin (Sat1, N24) trifft es dem Vernehmen nach besonders hart, ein Viertel der Sat1-Jobs stehe zur Disposition. Ausgedacht haben sich das die angeblich so kompetenten wie kreativen Berater von McKinsey, deren Power-Point-Präsentation gerne mit einem Fazit wie "Kostenoptimierung durch Personalreduktion" enden. Die Beratungsroboter haben Alberti womöglich auch sein neues Kredo auf den Sprechzettel diktier. Er will aus Sat1 jetzt "das emotionale Leitmedium des neuen Mainstreams" machen. Dahinter steckt einerseits der Renditehunger der neuen Eigentümer aus der Finanzbranche. Bei der Übernahme von ProSiebenSat1 durch KKR und Permira hatte es noch beschwichtigend geheißen, Arbeitsplätze seien nicht gefährdet. Das musste Konzernchef Guillaume de Posch inzwischen korrigieren. Sein Auftrag: Die Rendite soll von 22 auf 30 Prozent steigen. Ein Problem sind auch die enormen Schulden nach der Übernahme von SBS. Wenn man ausgerechnet McKinsey fragt, wie das alles gehen soll, braucht man für die Antwort kein BWL studiert zu haben. Die für Freitag erwartete Betriebsversammlung dürfte also ganz nach Albertis Credo große Emotionen freisetzen. Leider bleibt der Zuschauer dabei außen vor. Ein Grund für die Misere dürfte allerdings auch die zunehmende Verachtung sein, mit der nicht nur Sat1 seine Zuschauer behandelt. Wen sich Fernsehmanager angesichts schwächelnder Quoten larmoyant über die wachsende Zuschauerverweigerung beklagen, lässt das Rückschlüsse auf ein schweres Missverständnis der TV-Macher zu: Als ob der Zuschauer die verdammte Pflicht hätte, alles mit Begeisterung einzuschalten, was die BWLer in den Sendern sich so ausdenken. Wenn es denn wenigsten ausgedacht wäre, und nicht nur die schlechte Kopie eines guten Formats aus dem Ausland. Das Fernsehen zunehmend von Leuten ohne jeden Funken Originalität oder wenigstens kreativen Ehrgeiz gemacht wird, merken auch die größten Trottel vor den Bildschirmen. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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