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13:16 Mittwoch, 11. Juli 2007
Firmen-Chef zahlt weniger für seine Chef-Villa und trifft dafür die Vereinbarung, dem Bauunternehmer Aufträge von der AG, deren Vorstand er ist, zukommen zu lassen? Nicht wirklich erstaunlich. Vor allem nicht in der Immobilien- und Baubranche, die doch weithin als besonders korruptionsanfällig gilt. Vor allem nicht in München, Hauptstadt der Amigo-Wirtschaft und des Spezl-tums. Nein, erheiternd ist nur, wer der betroffene Manager ist: Wolfgang Reitzle, Vorstandschef von Linde, der es vor einigen Monaten abgelehnt hatte, sich von Siemens abwerben zu lassen, um deren Sumpf trockenzulegen. Wozu sollte man auch in den Sumpf anderer Leute steigen, wenn man einen eigenen hat?
Auch wenn er Siemens verschmäht hat (da ist er ja nicht der Einzige, der die Hände überm Kopf zusammenschlägt und macht, daß er wegkommt), nach München zieht Reitzle nämlich trotzdem. "Leopoldstraße, München" klingt nämlich für ein global agierendes Unternehmen viel besser als "Abraham-Lincoln-Straße, Wiesbaden". Man muß ja auf das Prestige achten. Außerdem ist in Wiesbaden kulturell auch nichts mehr los, seit man die van-Cauwenbergh-Sippe vom Staatstheater vertrieben hat.* Also, man packt die Koffer und ab nach München, wo es gleich mehrere Staatstheater gibt, mit denen man wichtige Besucher und deren Gattinnen des Abends beeindrucken kann. Dazu braucht der Chef natürlich auch eine Chef-Villa - das ist genauso logisch. Wo Reitzle in Wiesbaden gewohnt hat, ist mir nicht bekannt, aber in München muß es natürlich Bogenhausen sein. Nicht mal Grünwald, nein Bogenhausen. Eine schöne Villa zum schönen Preis wurde dann auch gefunden; der potentielle Verkäufer, ein Immobilienunternehmer mit dem hübschen Namen Krawinkel, witterte jedoch noch viel mehr Geld. Krawinkel bot Reitzle einen deutlichen Preisnachlaß, gegen die Zusicherung, daß Krawinkel beim Bau der neuen Linde-Zentrale in München Auträge zugeschanzt würden. Denn natürlich muß nicht nur der Vorstand, sondern gleich die gesamte global agierende Firma mit Weltruf standesgemäß residieren - und natürlich ist so eine Vorstandsvilla, selbst in Bogenhausen, einfach nur Peanuts, im Vergleich zur Zentralverwaltung einer global agierenden Firma etc. etc. Siemens hat die alten Stadtpläste am Wittelsbacherplatz - wenn Linde schon mit etwas Neuem Vorlieb nehmen soll, dann soll das doch wenigstens auch standesgemäß werden. Jetzt kam das gesamt Geschäft nicht zu Stande - kein Villenverkauf, kein Firmen-Auftrag, gar nichts. Der Immobilien-Unternehmer sah sich im Regen stehen und flüchtete zur Staatsanwaltschaft, die jetzt gegen Reitzle ermittelt. Linde dementiert offiziell alles, Reitzle sagt gar nichts. Wäre er man doch in Wiesbaden geblieben, trotz minderem Prestige und geringerer kultureller Attraktivität.- * Lokaler Wiesbadener Culture-Vulture-Schmäh. Muß man nicht verstehen. Sorry, konnte ich mir nur nicht verkneifen. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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