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08:02 Donnerstag, 12. Juli 2007
Ich beginne, zu begreifen, was der Herr Spoerr sich so alles hat einfallen lassen, wieso der Helmut Thoma als Aufsichtsratschef problemlos Optionsprogramme durchwinkt und wie man sich ein Geflecht aus Firmen bastelt, um sich gegenseitig ganz viel Freude zu machen. Nach Teil 1 meines Expertengesprächs, in dem es vor allem darum ging, wie die Schweizer iWorxx AG, die von einem guten Freund des freenet-Vorstands Spoerr gegründet wurde, durch einige Transaktionen mit freenet Gewinne machte, folgt nun der zweite Teil.
bc: Was machte iWorxx mit den Gewinnen? Die Gewinne wurden eingesetzt, um ein weiteres Start-up-Unternehmen, die vitrado GmbH, zu gründen. Ein Unternehmen, das kein Venture Capital von freenet benötigte, da die Gewinne aus den Transaktionen mit freenet als Startkapital eingesetzt werden konnten. bc: Was war bei vitrado anders als bei den übrigen Beteiligungen? vitrado hatte drei Gründungsgesellschafter. Die iworxx AG, die von einem Freund Spoerrs gegründet worden war, einen Unternehmensberater aus München, der ebenfalls aus Spoerrs Netzwerk kam und einen mobilcom-Mitarbeiter aus dem Online-Vertrieb, den Spoerr scheinbar auch kannte und der bei mobilcom ursprünglich genau das machen sollte, was dem Geschäftsmodell von vitrado entsprach. Ein Online-Kundengewinnungsprogramm, wie es sie auch von 1 & 1 vielen anderen auch gibt. Zudem schien vitrado erst einmal nichts mit freenet zu tun zu haben. bc: Wann kam freenet mit ins Spiel? Erst einmal gar nicht, außer dass freenet für vitrado eine positive Pressemitteilung verbreitete, was aus freenet-Sicht jedoch keinen Sinn machte. Interessanter scheint noch, dass das eigene Online-Kundengewinnungsprogramm bei mobilcom nur zögerlich voranschritt und stattdessen vitrado so etwas wie das Exklusiv-Online-Vertriebsprogramm für mobilcom wurde. Im ersten Jahr soll vitrado fast 80 Prozent des Gesamtumsatzes nur mit mobilcom gemacht haben. bc: Bedeutet das, dass vitrado dadurch finanziert wurde, dass mobilcom der Hauptkunde war? Ja, so sieht es aus. Ein Jahr nach der Gründung wurde vitrado dann mit 35 Millionen DM bewertet und freenet erwarb 51 Prozent für rund 18 Millionen DM. Zu beachten ist dabei, dass freenet zu 77 Prozent mobilcom gehörte und somit im Grunde genommen überwiegend konzerninterner Umsatz erworben wurde. bc: Der Wert von vitrado kam also eigentlich aus mobilcom heraus und dadurch, dass freenet vitrado gekauft hat, hat mobilcom quasi zu 77 Prozent ein Unternehmen gekauft, dass sie selbst finanziert haben? Wie viel von den 18 Millionen DM ging an iWorxx? Ja, so sieht es aus. Mehr noch sogar, wenn man wiederum bedenkt, dass das Startkapital für vitrado ja aus Transaktionen mit freenet stammte. Rund 88 Prozent des Geldes ging an iWorxx. bc: Wer waren die anderen Gesellschafter bei den übrigen Beteiligungen? Dem Anschein nach sind diese nicht von Bedeutung. Außer in einem Fall. Dort beteiligte sich auch nicht iWorxx, sondern der iWorxx-Gründer Christoph Bergner persönlich. Der andere Gesellschafter war Harald Thoma, der Sohn des heutigen freenet-Aufsichtsratsvorsitzenden Helmut Thoma. bc: Das klingt nach einer merkwürdigen Verbindung. Aus dem Dossier geht nicht hervor, wie diese Verbindung zustande kam. Es hat aber den Anschein, als wäre Harald Thoma nur zufällig mit hineingeraten. Dennoch hat er an Vorgängen mitgewirkt, Zahlungen an die iWorxx getätigt, die rechtlich möglicherweise zu beanstanden sind. Interessanter ist in diesem Zusammenhang aber noch, dass sein Vater Helmut Thoma scheinbar dafür gesorgt hat, dass sein Sohn über Jahre hinweg sein Einkommen aus Beraterpositionen bei freenet und mobilcom bestreiten konnte. bc: Was doch sicherlich Fragen aufwirft bezüglich der Unabhängigkeit Thomas als Aufsichtsratschef von freenet. Darauf kommen wir später noch mal zurück. Wären die Anschuldigungen denn hinfällig, wenn nicht herauszufinden ist, ob Spoerr an iWorxx beteiligt ist? Dann würde man ihm zumindest nicht vorwerfen können, sich selbst bereichert zu haben. Es sei denn, man würde Kick-back-Zahlungen finden, also Zahlungen, die dem freenet-Vorstand von der iWorxx zuteil wurden. Eine Veruntreuung von Vermögen muss aber nicht beinhalten, dass ein Täter sich selbst bereichert. bc: Sind die Vorgänge denn auch eine Veruntreuung gewesen? Bei einigen Transaktionen könnte dies zutreffen. Insbesondere dort, wo eventuell zu hohe Preise gezahlt wurden. bc: Gab es denn keine Gutachten für diese Werte? Zum Teil gab es die. Wenn die Darstellungen in dem Dossier jedoch zutreffend sind, wären die Gutachter nicht unabhängig gewesen. bc: Spoerr dementiert alles und sagt, es handle sich um alte Vorwürfe, die geprüft worden seien. Das könnte stimmen. Scheinbar gingen die Prüfungen aber nur bis zu diesem Punkt. Das Dossier führt ja auch Sachverhalte auf, die danach erst stattfanden. Laut Wirtschaftswoche behaupten Insider auch, dass das damals erstellte Gutachten nicht belastbar sei. Bei den Prüfern wird zudem Befangenheit vermutet. bc: Können die Aktionäre die Offenlegung dieses Gutachtens verlangen? Nein, das nicht. Dennoch können sie den Vorstand fragen. Wenn es nichts zu verbergen gibt, sollte eine offene Kommunikation schließlich im Interesse aller Beteiligten sein. ... wird fortgesetzt ... Download freenet Dossier Teil 1 des Gespräches Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: freenet inside - Teil 2 (nightrunner)
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