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09:15 Freitag, 29. Juni 2007
Die FAZ ist fuchtig. Nachdem letzte Woche die ARD eine große Online-Offensive angekündigt hatte, sah die schwarze FAZ rot. Doch nicht nur Liebe macht blind, auch Wut tut nicht gut.
Zunächst mal wurde der BDZV-Geschäftsführer mit einem Gastbeitrag aufgefahren. Dann schrie ein FAZ-Redakteur: "Enteignung". Dabei leistete er sich allerdings zwei Fauxpas. Erstens berechnete er die Online-Budgetgrenze der Gebührenfunker falsch. Die 0,75 %-Grenze bezieht sich auf den Gesamtaufwand, nicht nur auf die Gebühreneinnahmen. Die Grenze läge somit bei 60 Mio. Euro (von laut KEF 8 Mrd.) und nicht wie angegeben bei 52,5 Mio. (von abgerundeten 7 Mrd.). Zweitens trommelte er sich in Gorilla-Manier auf die Brust: "Denjenigen, die im ohnehin parasitär verfassten Internet mit unabhängigem Qualitätsjournalismus ihr Geld verdienen müssen, wird öffentlich subventioniert der Boden entzogen." Das "parasitär verfasste Internet" ist ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die auf eigene Kosten ihr Wissen im Netz zur Verfügung stellen, und das sind nicht wenige. Verfasst wurde das Internet als Veranstaltung von Geben und Nehmen. Bevölkert wurde es zuerst von Nutzern, die auch etwas zu geben hatten. Die kostenlosen Nehmerqualitäten kamen mit den steigenden Nutzerzahlen dazu. Es ist im Internet inzwischen eben nicht mehr anders als im wirklichen Leben: Wo es was umsonst gibt, wird zugegriffen. Doch wer einen 7,5 Mio. Euro-Fehler in seinen Text baut, sollte vielleicht die Nase qualitativ nicht ganz so hoch tragen, zumal wenn er Kollegen hat, die sich selbst mit einem Doppelfehler in einem einzigen Satz nicht begnügen. So vollbrachte diese Woche ein FAZ-Qualitätsjournalist bei einer Frage-Einleitung im Interview mit Privatsender-Verbandschef Jürgen Doetz, das als Fortsetzung der ARD-Prügel gedacht war, folgende Glanzleistung: "Laut Staatsvertrag dürfen ARD und ZDF nur 0,75 Prozent ihrer Gebühreneinnahmen in Digitalangebote stecken - rund 50 Millionen Euro im Jahr." 1. Fehler: Wie gesagt sind nicht die Gebühren, sondern die Gesamtetats entscheidend. 2. Fehler: Es geht nicht um die Digitalangebote (tatsächlich wurde im Interview gerade über Digitalfernsehen geredet), sondern nur ums Internet. 3. Fehler: Rund 50 Mio. kommt gar nicht hin. Selbst bei falscher Berechnungsgrundlage wären es mehr als 50 Mio. Euro. Tatsächlich sind es aber 60 Mio. Fazit: Wenn die FAZ nicht ganz heftig an ihrem Qualitätsaufschlag arbeitet, wird das kein großes Tennis mit der ARD. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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