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11:27 Freitag, 25. Mai 2007
Die IBM wird von einem Ex-Angestellten, einem 58-jährigen Vietnam-Veteranen, auf 5 Millionen US-Dollar* Schadensersatz verklagt - wegen ungerechtfertigter Kündigung! Was war das Vergehen, wegen dem man ihn gefeuert hatte? Er hatte während der Arbeitszeit Porno-Sites besucht und an Sex-Chats teilgenommen.
Eigentlich ist der Fall glasklar - das rechtfertigt sogar hierzulande eine fristlose Kündigung, umso mehr also im rüden Ammiland, wo Kündigungsschutz und Arbeitnehmerrechte weitgehend unbekannt sind, außer, es gibt eine Gewerkschaft, die auf Verhandlungs- und Vetragsbasis mit den individuellen Arbeitgebern Bedingungen aushandelt. Was jedoch hat der Mann zu seiner Verteidigung vorzubringen? Er habe in jungen Jahren in Vietnam gekämpft, hat eine posttraumatische Belastungsstörung, und ist deshalb sexsüchtig - ganz besonders auf Chaträume im Internet. Die es am Ende vom Vietnamkrieg noch gar nicht gab - aber egal. Die ganze Geschichte ist eh abenteuerlich, und hat keine Chance auf Erfolg. Die wirkliche Panne ist aber eine andere. Die mangelnde Effektivität der IBM war schon öfters Gegenstand verschiedener Betrachtungen - aber das hier ist wirklich ein besonders amüsanter Fall. Jede größere Firma oder Organisation filtert doch inzwischen den Internetzugang der Mitarbeiter - manche tun es so strikt, daß ihre Angestellten nicht mal mehr an Fachinformationen herankommt, weil einer der weltweit wichtigsten Experten für Terra Sigillata seine Site nun mal bei Geocities hostet. Siemens zumindest sperrt noch die Basis-Netzwerke aus, und anderswo darf man zumindest keine Youtube-Filmchen angucken und Flash-Spielchen spielen. Der ideale motivierte Mitarbeiter würde sowas natürlich nie tun, weil er sich in seine Arbeit vertieft, aber schlecht bezahlte niedere Chargen mit Computer-Arbeitsplatz, eine Datentypistin oder ein Callcenter-Agent, der auf einen Anruf wartet? Aber klar doch. Jeder größere Verein filtert, wie gesagt - und das sollte ausgerechnet die IBM nicht hinkriegen? Big Blue, die Mutter aller Computerfirmen? Ist nicht in der Lage, die Internet-Nutzung seiner Mitarbeiter zu kontrollieren? Wenn ich meinen virtuellen Raubtierkapitalisten**, den ich in meinem Hirn installiert habe, befrage, dann sagt der: "Der Wichser geht mit Abfindung, aber wir feuern auch noch ein Dutzend zufällige Netzwerkadmins wegen erwiesener Unfähigkeit!" Der untote Altägypter macht den Deckel vom Kanopenkrug mit dem Hirn drin schnell wieder zu, bevor er der Versuchung erliegt, dem Kerl recht zu geben. *Na gut, 5 Millionen US-Dollar sind nicht mehr so viel wie vor 10 oer 20 Jahren, und bis der Prozeß vorbei ist, ist es schon wieder wesentlich weniger wert. Aber immerhin! ** Wie ein virtueller Rechner, nur eben als Raubtierkapitalist. So was braucht man manchmal, weil man sonst gar nicht verstehen kann, wie solche Leute denken. Vielen Dank an meine gute Freundin Sally aus Wales für den Hinweis! Wenn man einen Informanten hat, der Fernsehnachrichten schaut und in der Kaffeeabfülle bei Siemens um die Ecke herumhängt, und jemand anderes, der morgens BBC-Radio hört, gehen einem Sentinel die Geschichten nie aus. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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