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13:34 Dienstag, 22. Mai 2007
Heise meldet relativ knapp einen Polizeieinsatz beim bestreikten Telekom-Standort in Eschborn, mit dem 'Zeitarbeiter' aufs Firmengelände gebracht worden seien. Dies ist an sich schon einen Boo wert. Liest man zwischen den Zeilen, so wird es jedoch zum multiplen Boo.
1.) Der Polizeieinsatz, zusammen mit den Schwarzen Sheriffs. Die Polizei ist ein Staatsorgan, die zusammen mit der Bundeswehr und noch paar kleineren Organisationen das Gewaltmonopol des Staates verkörpert. Wir bezahlen sie alle mit unseren Steuergeldern. Daß diese Gewalt auch gerne mal gegen uns angewendet wird, weil die Polizei nämlich immer noch statt der Bürger (die alle miteinander ihr Chef sind, da das Volk der Souverän des Staates ist) lieber wie dermaleinst Untertanen sieht, ist eine Sache. Daß diese Gewalt auch im Namen von Privatunternehmungen angewendet wird, die in irgend einer Form mit dem Staatsapparat verfilzt und verbandelt sind (wie die Münchener Nato-Sicherheitskonferenz immer wieder zeigt) interessiert hier schon mehr. Das ex-Staatsmonopolunternehmen Telekom benutzt gerne die Dienste der Staatsgewalt, die wir alle bezahlen, um diese 'Leiharbeiter' aufs Betriebsgelände zu bekommen. Dazu kommt die Zusammenarbeit mit den Schwarzen Sheriffs, die sich ja bekanntlich aus Wehrsportlern und Leuten, die bei der Polizei nicht genommen wurden, zusammensetzen und ein Laden sind, der das Gewaltmonopol des Staates unterläuft, indem er im Auftrag von Firmen Gewalt gegen Kunden und Mitarbeiter ausübt oder androht. Das ist schon mal eine feine Gesellschaft - und was machen diese Leute im aktuellen Fall? b) Sie eskortieren 'Zeitarbeiter' auf das Firmengelände. Die Telekom behauptet zwar, diese Leute seien vor Beginn des Streiks angeheuert worden, weshalb sie keien illegalen Streikbrecher seien. Nur hatte sich der Streik ja von sehr langer Hand abgezeichnet; die Telekom hatte alle Muße der Welt, rechtzeitig Leiharbeitskräfte zu beschaffen. Es sind wirklich gute altertümliche Streikbrecher; wie schon gesagt, dieser Streik läßt nichts aus und erfindet den Arbeitskampf neu - auf ein Mal wird nach Art der industriellen Revolution wieder mit ganz harten Bandagen gekämpft. So auch mit Streikbrechern und Polizei. Und wo findet das Ganze nun statt? c) In Eschborn. Das ist ein Gewerbegebiets-Vorort von Frankfurt, in dem besonders die IT-Industrie massenhaft vertreten ist. In Eschborn gibt es 16 IBM-Businesspartner, im viel größeren Frankfurt selber 20 - nur mal so als Vergleichsgröße aus der IT-Welt. Ansonsten ist Eschborn ein widerliches, widerliches Kaff, das mir aus eigener, leidvoller Erfahrung bekannt ist. Aber die IT ist vom Feinsten - so sehr, daß die Gemeinde von der sonst gern gemiedenen Gewerbesteuer und dem Gemeindeanteil seiner Einwohner so stinkreich ist, daß alle Kindergärten mit allen Leistungen kostenlos sind. Von dem überflüssigen, luxusrenovierten kleinen Heimatmuseum in einem aufgemotzten Fachwerkhaus mal ganz zu schweigen. Das IT-Hochhaus-Viertel hat sogar seine eigene S-Bahn-Station. Was auch immer die Telekom dort sitzen hat, ist so wichtig, daß sie Streikbrecher einsetzen müssen. Ein gewähnliches Callcenter ist das nicht, bei dem gewöhnliche Kunden *Der Vater und Co-Autor meines als Nazgul bekannten Genossen war noch nicht mit seinem Internetanschluß von der Telekom weg, als der Streik ausbrach. Jetzt sind DSL und Telefon kaputt, werden nicht repariert, der Nazgul kann nur noch per Handy über die laufenden Projekte reden, und die Webseite mit Anleitung zur Freischaltung älterer Programmversionen unter Windows Vista, den ich entdeckt habe, mußte ausgedruckt und per Brief geschickt werden. Nazgul & Pappa, die zusammen IT-Fachtexte schreiben, kommen in echten Zeitverzug mit ihren Projekten. Aber denen helfen die Eschborner Streikbrecher natürlich genau gar nix. Die sind nur für die wichtigen Großkunden der T-Systems, die mit den feinen Nadelstreifen, die jedes Jahr den Betriebsrat zum gepflegten Bordellbesuch ausführen, oder so. Gah, mir kommt bei Betrachtung des gesamten Boo-Komplexes echt die Galle hoch. Nicht nur die Lady Lanu wird gelegentlich rabiat. Auch der untote Altägypter, der sich sonst nicht gar so leicht aus der Ruhe bringen läßt. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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