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22:07 Sonntag, 20. Mai 2007
Eigentlich sind wir ein Portal für Negativmeldungen aus der Wirtschaft, nicht zum Kommentieren jeder Unternehmens-Meldung unter negativen Vorzeichen. Deshalb zögerte ich, die Meldung über den Umstand, dass der österreicherische Pharma-Manager Peter Löscher neuer Siemens-Vorstandsvorsitzender wird,hier als Boo zu melden. Es gibt aber doch zwei Gründe dafür: 1.) der Mann ist Österreicher, und 2.) er kommt aus der Pharma-Industrie.
1.) Die Ernennung eines Österreichers schon als Boo zu bezeichnen ist natürlich schon etwas frech. Aber die Siemens-Zentrale steht nun mal am Wittelsbacherplatz in München, und das ist in Bayern. Zwischen den Bayern und den Österreichern besteht eine historische Rivalität, die sich nicht nur in alten bösen Witzen ausdrückt. Einen Österreicher an diesen Posten zu setzen, wird auch neuen bösen Witzen Auftrieb geben. Um es milde auszudrücken. Das hätte nicht sein müssen. Was es hier noch an bayerischer Basis in der Belegschaft gibt, das hat schon gleich einen Grund, mißtrauisch zu sein und/oder zu meckern. 2.) Die Ernennung eines Menschen, der in der internationalen Pharma-Industrie Karriere gemacht hat und bis dato aus der Branche noch nicht weit weggekommen ist, zum Vorstandsvorsitzenden eines Elektronikkonzerns ist doch etwas erheiternd. Nein, nicht weil er fachfremd ist. Im Gegenteil - Siemens braucht ja einen neuen Chef, weil von dem alten der Ruch von Schmiergeld und Mauschelei einfach nicht mehr abzukriegen war, auch wenn ihm nichts bewiesen werden konnte. Je weniger er bisher mit der ganzen Chose zu tun hatte, um so besser. Nun, welche Branche ist für Preisabsprachen, Kungelei, Kundenbestechung und einvernehmliche Marktaufteilung ganz besonders bekannt? Richtig. Die Pharmabranche. Hierzulande läuft das unter 'Apothekensystem', dazu kommt ein Netz von Pharmavertretern, die selbstverständlich verschiedene Mittel verwenden, um die Aufmerksamkeit der verordnenden Ärzte auf ihre Produkte zu lenken, und ein eingespieltes, wohlgeschmiertes System der 'Sponsorships' für Kongresse an interessanten Orten, und unabhängige Studien. Und da ist bis jetzt noch nicht mal irgendetwas Unrechtes dran - das Kartell der Apotheker ist völlig legal.* Der kommt also, aus seiner Branche, wo es alle machen, ganz ohne Unrechtsbewußtsein, und soll bei Siemens aufräumen, in einer Branche, wo es natürlich auch alle machen, aber wenigstens heimlich und unterm Tisch? Und dann ist der Mann auch noch Österreicher? Irgendwie hat man da kein gutes Gefühl bei. Jetzt ist die Aufregung groß**, aber wenn das alles daneben geht, wird die Aufregung noch größer. Wollen wir schon mal gleich wieder einen Countdown aufmachen? *Wie das der Buchhändler auch, aber das ist a) Kultur und b) macht nur einen Bruchteil des Umsatzes und der Gewinne. ** Der Nazgul berichtete, in der Kaffeeabfülle am Odeonsplatz stapeln sich die Fernsehteams, die den Wittelsbacherpaltz gleich um die Ecke belagern, deshalb bekam der Nazgul heute doch keinen Kaffee! Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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