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Siemens Siemens: Manager gehen nicht in den Knast
BOO Siemens von sethos

14:10 Montag, 14. Mai 2007

Zwei Jahre auf Bewährung und ein gewaltiges Bußgeld - ein übliches Strafmaß für einen Wirtschaftskriminellen, richtig? Manager schickt man ja nach Möglichkeit nicht in den Knast.

Interessant und bemerkenswert ist nicht nur der Meilenstein an sich: im Zusammenhang mit dem Bestechungsfall in der Kraftwerkssparte ist der erste ehemalige Siemens-Manager verurteilt worden. Nein, bemerkenswert ist auch, daß ein weitaus gewaltigeres Bußgeld nicht der Manager, sondern Siemens zu zahlen hat, zur Abschöpfung des unrechtmäßig erwirtschafteten Gewinns.

Aber was sind 38 Millionen für Siemens? Was sind 2 Jahre auf Bewährung und 400.000 Euro für einen ex-Finanzvorstand, der doch ansonsten im Laufe seiner Karriere ordentlich aus- und vorgesorgt haben dürfte, so daß er jetzt nicht wirklich den Abstieg in Hartz IV fürchten muß? Ein Schlag für den Sack, einer für den Esel, und keinem von beiden tut es so richtig weh.

Immerhin, es ist offiziell festgestellt, sie sind schuldig.





Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Siemens: Manager gehen nicht in den Knast (homer)
"Wenn man Hartz und Ackerman nicht ins Gefängnis 'reinkriegt, muss man eben die RAF 'rauslassen" (Entnommen aus Pardon, Deutschlands führende Satierezeitschrift)
Rauslassen (sethos)
ROFL!!

So kann man es auch sehen. Die Zeiten werden auf jeden Fall interessant. Vielleicht sollte ich mich doch zu einem Bogenbau-Kurs anmelden.
Re: Siemens: Manager gehen nicht in den Knast -- Why should they, baby? (Tomahawk)
Ach, Ihr Lieben, lang Vermissten!
Ich versteh' Eure Entrüstung ja, aber ich teile sie nicht.
Denn jedermann, der irgendwo auf der Welt öffentliche oder andere Großaufträge erhalten will, muss löhnen: in der Gestalt von Kickbacks, Nutten im Obergeschoß, Spa-Verwöhnungen, neutralen Briefumschlägen unterm Gourmet-Tisch, Überweisungen nach Burkina Faso, etc., ... you name it, they do it.
Dies gilt im nationalen Geschäft ebenso wie im internationalen -- und wenn Entwicklungsländer im Spiel sind, dann erst recht. (Da würde so manchem Moralapostel auch noch die Reservebrille beschlagen.)
Diese Mechanismen sind so alt wie die Welt, und jedermann hat das Recht, sie zu bedauern oder zu geißeln.
Nützen wird das alles nix, niente, nada. Wer nicht schmiert, der nicht fährt: Es sind sicht Un-, sondern Regelmäßigkeiten, und die Sehnsucht nach Moral beim Angeln von Deals ist, so ehrenwert sie einhertorkelt, sentimental, naiv und blauäugig. Schon im antiken Griechenland, als der alte Drakon noch regierte, waren Insider-Deals und Durchstechereien nicht in den Griff zu kriegen; vom alten Rom brauchen wir nicht zu reden.
Was bleibt? Die öffentliche und juristische Entrüstung über die gegenwärtig zur Aufbereitung erkorene Siemens-Altlast ist eine Heuchelei unterster Kajüte, die dem "Bild"-Leser eine heile Judikatur vorgaukelt. Aber:
Jeder Manager, jeder Richter, jeder Steuereintreiber, jeder Staatsanwalt weiß, dass Aufträge ihren Preis haben -- und den zahlt jeder, der ein Geschäft an Land ziehen will, das über einen Ketchup-Kauf beim nächsten Edeka hinausgeht: hier, dort und überall, um einen Beatles-Titel zu missbrauchen.
Wer sich jetzt spontan versucht fühlt, die Moral der (schon im nächsten Bauamt zu überführenden) politischen oder der wirtschaftlichen (just keep an eye on the news) Kaste mit seiner eigenen Untadeligkeit zu konterkarieren, sei gewarnt:
Bei der ehrlichen Erforschung der eigenen Moral haben sich schon viele, die anderen gern Charakterlosigkeit vorwerfen, unversehens in einem Niemandsland wiedergefunden.
Ich übrigens auch.



Re: Why should they, baby? (Tomahawk)
Bedauerlicher Typfälär:
In dem Satz "Es sind sicht ..." muss es natürlich heißen: "Es sind nicht ..."
Re: Re: Siemens: Manager gehen nicht in den Knast -- Why should they, baby? (homer)
Hört sich ein wenig nach Terry Pratchett an: Die einzigste funktionierende Staatsform in Ankh Morponk ist die Korruption.

Aber, selbst wenn man nicht mit Moral argumentiert, muss man das Gerichtsurteil kritisieren. Der angerichtete Schaden in Form eines eventuellen Ausschlusses an der New Yorker Börse und des damit verbunden Imageschadens dürften ein Kritikpunkt sein. Ich schätze auch dass dieses Urteil nur dadurch zustande kam, dass man schnell ein paar Baueropfer verurteilen wollte um die verärgerten Anleger zu beruhigen. Firmenintern dürften noch so einige Köpfe rollen.

Ich denke dass du mit deiner Argumentation ausdrücken wolltest dass es Gang und Gäbe in der Wirtschaft ist, Unrecht zu tun und dass Wirtschaften wertfrei, also auch moralfrei ist.

Dem kann ich aber nicht zustimmen, denn man vergisst leicht den Schaden der durch Unrecht entstehen kann. Wenn Korruption im Lande blüht wie eh und je, kann es keine Rechtfertigung eines Managers sein, dass es jeder macht, denn viele bettelarme Länder dieser Welt bekommen ihre Armut deswegen nicht in den Griff weil das Land korrupt nach Strich und Faden ist.






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