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20:42 Sonntag, 13. Mai 2007
Unter der Überschrift "Big Pharma forscht im Slum" berichtet die aktuelle Ausgabe von Le Monde Diplomatique darüber, dass immer weniger Menschen in den Industrieländern bereit sind, sich als Probanden für Testreihen mit Medikamenten zur Verfügung zu stellen. Infolgedessen findet pharmazeutische Forschung am lebenden Patienten hauptsächlich in Schwellen-und Entwicklungsländern statt, bevorzugt in Indien und Südafrika, oft ohne Einwilligung oder auch nur Kenntnis der Patienten. Sind Testreihen erfolgreich, werden ihre Ergenisse publiziert, sind sie es nicht, haben sie nie stattgefunden.
Mittlerweile gibt es schon Unternehmen, die das Format von Weltkonzernen erreichen, die darauf spezialisiert sind, Pharmaversuche am Menschen auf Krankenhäuser in den drei Kontinenten outzusourcen, wie Quintiles und Covance (letztere mit einem "Angebot" von 25 000 Kliniken in mehr als einem Dutzend Länder). Letztendlich ist der Trikont für die Pharmaindustrie der westlichen Welt nichts Anderes, als das was im NS die KZs waren: Ein Reservoir für billiges Menschenmaterial, an dem man sich beliebig bedienen kann. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Labor Dritte Welt (sirturbo)
Wieso eigentlich noch dritte Welt? Das ist doch so furchtbar weit weg und unpraktisch...
Würde mich gar nicht wundern wenn diese Versuche demnächst wieder bei uns stattfinden... Dann bekommen die Verharzten ein 400€-Job als Versuchstier und alle sind glücklich... Der Staat ist einen unnützen Fresser erst aus der Bilanz und bald darauf wahrscheinlich auch aus seiner Gesamtbilanz los... Der Konzern hat billige Opf- äh Helfer vor Ort... Und das Tier äh der Hartzer selber - nun der HAT gefälligst glücklich zu sein... Wenn ich mir anschaue wie es in D (und nicht nur da - erinnert sich jemand an die Waisenkinder in NY(?)?) abgeht dann fühle ich mich irgendwie an die Zeiten des Autobahnbaus erinnert... Erst Löhne wie in der dritten Welt und dann... nunja... Dabei wundert mich nur daß davon ausgegangen wird, daß die Leute sich das alles gefallen lassen... Auch in der 3. Welt spricht sich irgendwann rum, daß die lieben Doktoren mit ihren neuen Medikamenten besondere hm Interessen haben... Also wenn es schon nicht die Moral ist - ich für meinen Teil wäre vorsichtig eine Bevölkerung zu missbrauchen, die gerne mal in- wie ausländische Unterdrücker einen Kopf kürzt oder ihnen Halsbänder verpasst... Wahrscheinlich zählt da aber das "gute alte" "Gier frisst Hirn"... So - ich geh dann erstmal den Eimer mit meinem Abendbrot füllen:-(
Re: Labor Dritte Welt (hockeystick)
"Sind Testreihen erfolgreich, werden ihre Ergebnisse publiziert, sind sie es nicht, haben sie nie stattgefunden."
Diese Praxis ist zumindest bei klinischen Studien, die in halbwegs seriösen Zeitschriften publiziert werden sollen, seit ein paar Jahren wenigstens etwas erschwert worden. Zumindest in der Theorie werden dort nämlich nur noch die Ergebnisse solcher Studien veröffentlicht, die zuvor öffentlich angekündigt wurden, vgl. dazu die öffentlich zugängliche Datenbank http://clinicaltrials.gov . Zumindest unter den öffentlich bekanntgemachten klinischen Studien finden sich Länder wie Indien und Südafrika nicht auffallend häufiger als westliche Länder. Frankreich beispielsweise kommt bei einer Ad-Hoc-Google-Abfrage auf 4870 Treffer, http://www.google.de/search?hl=de&q=site%3Aclinicaltrials.gov+%22France%22&btnG=Suche&meta= Südafrika (bei einer etwas kleineren Einwohnerzahl als Frankreich) bei der entsprechenden Abfrage auf 1320, davon rund 500 zum Thema HIV/AIDS: http://www.google.de/search?hl=de&q=site%3Aclinicaltrials.gov+%22South+Africa%22&btnG=Suche&meta= Ich kann den scheinbaren Widerspruch im Moment auch nicht erklären.
Re: Labor Dritte Welt (strappato)
Das ist eine schwierige Kiste. Auf der einen Seite ist es in den Entwicklungsländern leichter an Probanden zu kommen, oft wird sind ethische Standards nicht so ausgeprägt - was aber auch die Publikation erschwert. Jedoch fehlt es in diesen Ländern an erfahrenen Medizinern und Kliniken, die klinische Studien qualitativ hochwertig durchführen können.
Um diesem Dilemma zu entkommen, setzen einige Unternehmen auf Länder des ehemaligen Ostblocks. Polen ist zur Zeit der Renner. Nirgendwo sonst in Europa ist die Zahl der klinischen Studien in den letzten Jahren so rasant gestiegen. Sonia Shah hat ja im letzten Jahr darüber ein Buch veröffentlicht. http://gesundheit.blogger.de/stories/716614/ Le Monde diplomatique hatte über die Thematik schon 2005 einen Artikel: http://www.taz.de/pt/2005/06/10.1/mondeText.artikel,a0060.idx,9 |
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