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14:29 Mittwoch, 09. Mai 2007
Die von der Pharmaindustrie lancierte PR-Kampagne zum Thema "Die Deutschen sind die dicksten Europäer" hatte Erfolg. Morgen findet die Bundestagsdebatte dazu statt. Viel zu spät haben auch andere gemerkt, dass da der Wurm drin war. Der SZ-Journalist Martin Kotynek schiebt heute die Schuld für die Verbreitung dieses hanebüchenen Unsinns auf das Robert-Koch-Institut. Dabei war es Martin Kotynek höchst selbst, der die Lawine mit einem SZ-Artikel auf BILD-Niveau losgetreten hatte. Dieses Niveau hält er nun mühelos auch beim Dementi.
Herr Kotynek-Friedl wirft dem Robert-Koch-Institut in seinem heutigen Artikel vor, dass dieses Daten zur Verteilung des Körpergewichts in der deutschen Bevölkerung veröffentlicht hat, in denen die Gruppe der jungen Erwachsenen nicht erfasst ist. Somit fallen diese Daten tendenziell höher aus, als ähnlich gelagerte Angaben aus anderen Ländern, in denen Gewichtsdaten auch für jüngere Menschen erhoben wurden. Das ist der Lauf der Natur und sollte sogar für Journalisten nachvollziehbar sein. Das eigentliche Problem entsteht jedoch erst dann, wenn man einen länderübergreifenden Vergleich auf Basis uneinheitlich erhobener Zahlen vornimmt. Die Appetitzügler-Lobbyorganisation IASO hatte eine entsprechende Tabelle zusammengestellt, darin jedoch wohlweislich auf eine Sortierung verzichtet und sogar explizit auf die fehlende Altersstandardisierung hingewiesen. Die fehlende Vergleichbarkeit der Angaben wäre so auch einem durchschnittlich begabten Viertklässler ins Auge gesprungen. Jetzt brauchte die IASO also nur noch einen Blöden, der diesen letzten Schritt gehen würde und das Ergebnis lautstark als Sensation in die Welt hinausposaunen würde. Und hier kommt die Süddeutsche Zeitung und der feine Herr Kotynek-Friedl ins Spiel. Genau hier plazierte die IASO nämlich die Tabelle exklusiv, einige Tage vor der Veröffentlichung im Netz. Es kam, wie es kommen musste. Martin Kotynek hüpfte über das Stöckchen, freute sich über die Sensation und titelte in der SZ "Deutsche sind die dicksten Europäer", und alle schrieben es ab. Im heutigen Artikel finden sich über die Exklusivität der SZ-Falschmeldung wie über die wirtschaftlichen Hintergründe der Kampagne kein Wort. Es ist allerdings nicht so, dass die SZ das Dementieren eigener Falschmeldungen auf diesem Niveau erfunden hätte. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: SZ-Falschmeldung: Schuld sind immer die anderen (strappato)
Kinderkram. Der denkt wahrscheinlich, er hätte eine gewichtige gesellschaftliche Debatte angestossen.
Re: Re: SZ-Falschmeldung: Schuld sind immer die anderen (hockeystick)
"Freier Fachjournalist für Telekommunikation und Informationstechnologie mit Büros in Wien und München."
Evtl. liegt es daran. An Wien, meine ich. |
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