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11:54 Montag, 07. Mai 2007
Alle Zeichen stehen auf Streik, dunkle Wolken ziehen auf, von beiden Seiten wird gegrummelt, die Kunden gehen in Deckung, und die Telekom, erm, rechtsbelehrt ihre Mitarbeiter.
Seit zwölf Jahren haben die Telekomiker nicht mehr gestreikt. In diesen zwölf Jahren hat sich das Internet von einem Spaß für Geeks, die sich mit Modem einwählten, zum Massenmedium entwickelt, das selbst Omas per DSL und WLAN betreiben, um die Bilder ihrer Enkel auszutauschen. Aus der Mobiltelefonie, damals Prestigeobjekt einiger professioneller Hektiker, ist das wichtigste Kommunikationsmittel im Land geworden. Das geht bei einem Streik natürlich nicht sofort weg, aber was kaputtgeht, wird nicht mehr repariert - und nach Ende des Streiks ist der Überhang gewaltig. Wer wirklich drauf angewiesen ist, wechselt eher den Provider, als daß er wartet, bis die *Elekom wieder auf die Beine kommt. Dieser Streik zielt dahin, wo es wirklich wehtut. Das ist offensichtlich. Das weiß auch die Telekom-Führung - das soll sie ja auch wissen, denn das ist der Punkt bei Streikdrohungen! Eigentlich sollten die Drohungen ja schon ausreichen, die Arbeitgeberseite mit Zugeständnissen an den Verhandlungstisch zurückzubringen. Würde es der Firma nicht wehtun, hätte der Streik ja keinen Sinn. Statt dessen will man mit dem Kopf durch die Wand und läßt Arbeitnehmer - nun ja, laut ver.di 'unbotmäßig unter Druck setzen', laut Telekom 'über die rechtlichen Rahmenbedingungen informieren'. Man hat Angst um die Prestigeprojekte, das internationale Ansehen, ohgottohgott, der Aktienkurs! In den 70er, 80er, 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts waren Arbeitskämpfe formalisierte und ritualisierte Zeremonien; jede Seite wußte, was die andere anrichten konnte. Man kommunzierte daher eher in symbolischen Gesten - mehr Schach als Krieg. In den zwölf Jahren ohne Arbeitskampf hat die Telekom anscheinend all dies vergessen. Man erfindet jetzt das Rad neu; all der Unsinn, den in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten beide Seiten eines Arbeitskampfes tatsächlich anstellen mußten, bevor er ritualisiert und befriedet wurde, bricht jetzt wieder hervor. Das ist das wahre Leben! Es wird spannend, denn wir leben wieder in interessanten Zeiten.- Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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