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19:46 Samstag, 28. April 2007
Die Bildschirme werden flacher, das Fernsehprogramm wird flacher, nur die Rundfunkgebühr ist hoch. Mit dieser Arbeitsprämisse mischte sich Redakteur Helge Helgesson (Name vom Papagei geändert) von der Lokalredaktion Ostholstein der Lübecker Nachrichten unter die Hoteliers, um auf die GEZ einzuschlagen. Doch das einzige, was er plattklopfte, war das Niveau seiner Zeitung.
Gleich die Überschrift hat BILD-Qualität: "Hotels zahlen bis zu 100 000 Euro an GEZ-Gebühren". Die populäre, aber falsche Bezeichnung GEZ-Gebühren für Rundfunkgebühren ist verzeihlich, selbst die Tagesschau reitet diese Nummer. Doch die Überschrift wurde übergeigt. Im Text wird später die Rechnung einer Hotel-Direktorin vorgestellt, bei der 70.000 Euro an GEZ und 30.000 an die GEMA gehen. Die GEZ mag viel Unsinn machen, aber das Einziehen von GEMA-Gebühren gehört nicht dazu. Den Anfang macht allerdings ein kleines Hotel in Großenbrode, das für seinen Flachbild-Fernseher im Frühstücksraum laut Artikel sage und schreibe 273,77 Euro im Jahr bezahlt. Fragt man sich, wer hier wen reingelegt hat, denn die jährliche Rundfunkgebühr für ein TV-Gerät beträgt 204,36 Euro. Diese skandalöse Ungerechtigkeit wird noch gesteigert, wenn man Redakteur Helgesson glaubt, dass bei diesem Hotel mit seinen zwölf Zimmern schnell ein fünfstelliger Rundfunkgebührenbetrag im Jahr zusammenkommt. Fünfstellig? Ist das nicht was mit 10.000? So über den Daumen gepeilt wären das 50 TV-Geräte in zwölf Räumen. Dummerweise gibt es noch das Hotelprivileg, das für Hotels bis 50 Zimmern den halben Gebührenbetrag ab dem zweiten Gerät vorsieht. "Wo schlafen?", werden sich die Gäste dieses Hotels fragen. Dafür können sie jedoch etwa neun Programme gleichzeitig gucken. Nach der überzogenen Überschrift und den dicken Fehlern im ersten Absatz wird es in Absatz zwei des Artikels aktuell. Denn "erst kürzlich" ist die Ermäßigung für "Großabnehmer" von 50% auf 25% abgesenkt worden. "Erst kürzlich" war am 1.4.2005. Und "Großabnehmer" wird man nicht mit 50 Geräten, wie der Artikel behauptet, sondern mit 50 Zimmern. Rein rechnerisch müssen große Hotels nun "75 Prozent der vollen Gebühr bezahlen, und die beträgt wie in jedem normalen Haushalt 16,15 Euro monatlich für Radio und Fernsehen - pro Gerät!", wie es weiter heißt. Was soll man dazu sagen? Die Rundfunkgebühr wurde freilich "erst kürzlich" erhöht - der neue Satz von 17,03 Euro gilt erst seit zwei Jahren - aber seit wann zahlt man privat für jedes Gerät den vollen Gebührensatz? Gerade im privaten Bereich sind die Regelungen großzügig, um jedem Haushalt die Möglichkeit einzuräumen, eine beliebige Anzahl von Bild- und Tonschnullern bereitzuhalten, ohne dass es ihn mehr als einen vollen Gebührensatz kostet. Fazit: Die Flachheit des Niveaus im bezahlten Journalismus wird nur noch durch die Papierstärke begrenzt. GEZ und Rundfunkgebühr bieten viele Angriffspunkte, aber wer schon an den einfachsten Fakten scheitert, hat keine Chance, gegen die Mediengewalt der Rundfunksender anzukommen. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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