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09:19 Dienstag, 24. April 2007
Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) titelt die erste Auflagen-Quartalsstatistik für 2007 völlig unverdächtig: "Deutsche Presse mit leichten Auflagenschwankungen zu Jahresbeginn". Im Vergleich zum Vorquartal stimmt das. Vergleicht man jedoch mit dem ersten Quartal 2006, dann stimmt gar nichts mehr.
Insgesamt verloren Tages- und Wochenzeitungen, Publikums- und Fachzeitschriften innerhalb eines Jahres mehr als 6 Millionen durchschnittlich verkaufter Auflage. Tageszeitungen verloren 1,7%, Publikumszeitschriften 2,9%, Wochenzeitschriften 4,8% und Fachzeitschriften verzeichneten ein absolutes Rekordminus von 14,5%. Und das ist keine Schlagzeile wert? Anscheinend nicht. Denn schlechte Auflagen-Nachrichten sind schlecht fürs Anzeigengeschäft. So verwundert es nicht, dass sich jede Zeitung und Zeitschrift bei der Berichterstattung über die IVW-Zahlen ihre eigene Auflagenzahl herauspickt, wenn sie denn eine Steigerung aufweist. Über den allgemeinen Trend wird kein Wort verloren. Dieser Trend ist aber seit Anfang 2000 eindeutig: Mit einem Verkaufsauflagenverlust von mehr als 19 Millionen in den letzten sieben Jahren sind die Printmedien Verlierer im Wettbewerb der Medien, was zu einem großen Teil am Internet liegen dürfte. Print und Internet befriedigen in etwa die gleichen Informations- und Unterhaltungsbedürfnisse und bedienen sich der gleichen Mittel: Text und (statisches) Bild. Dies sehen auch die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender so. In den jährlichen ARD/ZDF-Onlinestudien wird auf diesen Zusammenhang verwiesen. Und da sich jetzt der Anstaltsfunk auf Gebührenbasis im Internet breit macht, wird Print in die Zange genommen: Auf der einen Seite Auflagenverluste, auf der anderen die Kostenlosmentalität im Netz plus gebührenfinanzierte Nachrichtenportale der Rundfunksender. Tatsächlich ist es die erklärte Strategie der öffentlich-rechtlichen Anstalten, Verlage im Internet zu bekämpfen. So benannte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender nicht RTL oder SAT1 als Hauptkonkurrenten im Internet, sondern Spiegel online und verwies darauf, dass Verlage auch im TV-Bereich tätig sind. Nu ist man halt im Netz Konkurrent, auch wenn es nicht Aufgabe des öffentlich-rechtlich Rundfunks ist, mit der Printbranche in anderen Medien zu konkurrieren. Diese Entwicklung, die mit Sicherheit zu weiterer Konzentration im Printbereich führt, wird jedoch weder von der Presse noch ihren Verbänden thematisiert. Damit Anzeigenkunden nicht mit der sinkenden Beliebtheit des Mediums Print aufgeschreckt werden, hält man sich lieber ans Augen-zu-und-durch als auf ein existenzgefährdendes Problem der aktuellen Medienpolitik aufmerksam zu machen. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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