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10:58 Samstag, 31. März 2007
Ich fand es ja vor ein paar Monaten schon ziemlich erheiternd, dass ausgerechnet der notorische Pharmalobbyist und Lipid-Liga-Vorstand Hans-Ulrich Klör mit starken Worten die namentliche Enttarnung von rund 60 bis 80 deutschen Medizinern gefordert hat, die Verbindungen zur Tabakindustrie unterhalten haben sollen. Dabei kannte ich die eigentliche Pointe damals noch gar nicht. Denn, wie es der Zufall will, springt mir da heute ein Name ins Auge. Kein Zweifel: Einer dieser vom Teufel bezahlten Mediziner ist nicht nur Stammgast bei der beliebten MDR-Fernsehärztin Franziska Rubin, er ist sogar amtierender Funktionär der Lipid-Liga.
Der Mann heißt Professor Joachim Thiery, ist heute Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik der Universität Leipzig und sitzt im wissenschaftlichen Beirat der Lipid-Liga, dem pharmafinanzierten Schlachtross im Kampf gegen das Cholesterin. Im Jahr 2004 übernahm er sogar die Organisation des "1. Deutschen Atherosklerosekongresses" in Leipzig, der von der Lipid-Liga und ihrer Schwesterorganisation "Deutsche Gesellschaft für Arterioskleroseforschung" ausgerichtet wird. Thiery hat über einen Zeitraum von einigen Jahren immer wieder Forschungsgelder und Vortragseinladungen von Unterorganisationen des Verbandes der Cigarettenindustrie (VdC) angenommen. Dabei handelt es sich zum einen um den "Forschungsrat Rauchen und Gesundheit", zum anderen um dessen Nachfolgeorganisation "Stiftung VERUM für Verhalten und Umwelt". Wie sich der VdC 1993 in der Umwandlungsphase der "VERUM-Stiftung" mit Philip Morris abgestimmt hat, kann man z.B. hier im Original nachlesen. Im Vordergrund stand auch in der Stiftungskonstruktion stets die vollständige Kontrolle der Tabakindustrie über das, was mit dem Geld passiert: "Walter says that the PM [Philip Morris] position should be that we are, not, in principle, opposed to a foundation, but that the foundations charter (or whatever) must be structured such that we can guide/control what they choose to do with the money." Schon 1993 war Joachim Thiery dabei, wenn der "Forschungsrat Rauchen und Gesundheit" an den schönen Titisee lud. Beim Forschungsrat wie bei VERUM waren und sind stets Themen von Interesse, die von den längst bekannten Risiken des Rauchens und Passivrauchens ablenkten. Also z.B. die Gesundheitsgefahren von Cholesterin, Mikrowellen und Handystrahlen. Thiery, ein Hardliner in Sachen Cholesterinsenkung (Je niedriger der LDL-Wert, desto besser ist das für den Körper), war da ein willkommener Mitstreiter. Schon Mitte der 90er wurde seine Forschungsarbeit von VERUM finanziell unterstützt. Auch in den Jahren 2000 bis 2003, als Institutsdirektor in Leipzig, wollte er auf die schmutzigen Tabakgelder nicht verzichten. Nun hat Joachim Thiery nicht nur Geld von der Tabakindustrie genommen, sondern im Gegenzug auch als Sprachrohr für die Interessen der Tabaklobby gewirkt. Obwohl dies thematisch nur begrenzt zu seinem Fachgebiet (Blutfette und Labormedizin) passt, äußerte er sich immer wieder zu den Gefahren des Passivrauchens. Schon 1991 gab er ein Interview mit dem Titel "Weder pathophysiologisch noch epidemiologisch läßt sich Passivrauchen als kausaler koronarer Risikofaktor belegen". Im Jahr 1999 veröffentlichte er eine Untersuchung, in der er erneut einen Zusamenhang zwischen dem Passivrauchens und der Koronaren Herzkrankheit verneinte, und lieferte der Tabakindustrie so Munition in ihrem bis heute andauernden Rückzugsgefecht. Die Veröffentlichung erschien auf einer Veransstaltung, die vom VdC und Philip Morris organisiert war. Verschiedene andere Tabaklobbyisten traten dort ebenfalls auf, u.a. die einschlägig bekannten Herren Magnussen, Schmähl, Adlkofer und Überla. Gemeinsam mit diesen Herren findet sich Thiery wenig später als Item 104 in der "Expert Witness Database" der Kanzlei "Shook, Hardy & Bacon". Die Kanzlei führte für Philip Morris einen "Expert Witness Development Effort" durch, der den Konzern auf bevorstehende Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit Passivrauchen vorbereiten sollte. Die Schlussworte gebühren dem Hamburger Wirtschaftsrechtsprofessor Michael Adams (WiWo 13/2007 S.139): "Die Hersteller von Markenzigaretten haben sich seit über 50 Jahren in einer kriminellen Organisation zusammengefunden. Ziel dieser weltumspannenden Organisation war es, eine objektive Forschung zu Risiken des Rauchens zu verhindern und die Öffentlichkeit über die Wahrheit der Ursachen von Krankheit und Tod durch Zigarettenrauchen zu täuschen." und dem Magdeburger Pharmakologen Prof. em. Dr. Frank P. Meyer: "Über ein halbes Jahrhundert wurde uns von interessierter Seite (Pharma-Industrie, Lebensmittelindustrie, Verlage, Apotheker, Ärzte) die Cholesterol-Legende präsentiert. In 15 guten Studien wurde demonstriert, dass der Effekt der Lipidsenker hinsichtlich der Primärprävention gegen Null geht und im Hinblick auf die Sekundärprävention nur sehr marginal ist. In HPS (Heart Protection Study, 2002) wurde von den Autoren explizit auf die Bedeutungslosigkeit des Cholesterols verwiesen.". Da ist zusammengewachsen, was zusammen gehört. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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