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17:42 Mittwoch, 28. März 2007
"Dies wird eines der wichtigsten Präparate in unserer Generation", log Pfizer-CEO Jeff Kindler noch am 30. November 2006. Drei Tage später verkündete Pfizer das endgültige Aus für den gedanklich längst mit zig Milliarden eingepreisten Wunderstoff Torcetrapib. Der deutliche Anstieg der Todesfälle in einer klinischen Studie war auch mit der üblichen Wortakrobatik nicht mehr zu verheimlichen. Jetzt wurden neue Details des Desasters bekannt.
Unmittelbar nach der Schreckensnachricht hatten die Befürworter der vollmundig propagierten neuen Klasse von Medikamenten zur Steigerung des sogenannten "guten Cholesterins" noch gehofft, die 31 zusätzlichen Todesfälle in der Behandlungsgruppe ließen sich durch einen Torcetrapib-spezifischen leichten Anstieg des Blutdrucks erklären. Immerhin hatte es der Zungenbrecher ja geschafft, den "guten" HDL-Cholesterinspiegel wie gewünscht deutlich zu steigern. In den neu veröffentlichten Daten zeigt sich nun, dass das Präparat auch sein eigentliches Ziel verfehlt hat, Plaques an den Wänden der Koronargefäße zu reduzieren oder zumindest deren Zunahme zu stoppen. Schlechte Nachrichten für das, was wirtschaftlich unabhängige Pharmakologen als Cholesterin-Legende bezeichnen, schlechte Nachrichten auch für die Konkurrenz, die an ähnlichen Präparaten arbeitet. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Damals und heute (noergler)
Es sind gerade auch diese hervorragenden Boos von hockeystick, die zu der These vom bc-seitigen Verflachen gegenüber DCT nicht recht passen wollen. Pharma in dieser Breite, Tiefe und Kontinuität hatten wir bei DCT nicht.
Es sollte auch nicht übersehen werden, daß das von Tomahawk Vermißte auch bei DCT niemals durchgängiger Stil war. Es war eine Minderheit von – allerdings sehr aktiven – Sentinels. Bleibt aber immer noch die Frage, warum so etwas nicht mehr in alter Form hier auftaucht. Ich möchte einen Grund anführen, der imho bislang noch nicht genannt wurde. Eines der Stilmittel, das eine zeitlang bei DCT gern genommen wurde, war eine überschäumende Leichen- und Friedhofsmetaphorik. Gegen die hochglanzpolierten Lügen in PR und Wirtschaftsteil setzten wir die Bilder von Moder, Tod und madendurchfressener Schädelstatt. Diese Bilder waren sozusagen die Komplementärfarbe zu den Schmierereien im Hype. Der Hype hat nicht nur die Idioten angeheizt, sondern auch uns. Diese Atmosphäre ist heute nicht mehr gegeben, und damit passen die sprachlichen Mittel nicht mehr so ohne weiteres, da sie eben auch Ausdruck eines, ich sage mal: Entflammtseins waren. Wenn aber jemand mit ähnlich zeitgerechten Schwung sich hier entäußerte, so glaube ich nicht, daß Lanu etwas dagegen hätte.
Wer das mit der Wortakrobatik für Zynismus hält... (hockeystick)
... dem sei die Lektüre des Abstracts der ersten großen Statin-Studie nahegelegt. Statine sind heute Hauptumsatzträger der Pharmaindustrie.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&db=pubmed&dopt=Abstract&list_uids=1985608 Bitte sorgfältig durchlesen. Und jetzt die Quizfrage. Was ist richtig? a) In den mit dem Statin behandelten Gruppen hatte es nach einem Jahr weniger Todesfälle gegeben als in der Placebogruppe b) In den mit dem Statin behandelten Gruppen hatte es nach einem Jahr etwa genauso viele Todesfälle gegeben wie in der Placebogruppe c) In den mit dem Statin behandelten Gruppen hatte es nach einem Jahr mehr Todesfälle gegeben als in der Placebogruppe, was sich jedoch im weiteren Studienverlauf nivelliert hat d) In den mit dem Statin behandelten Gruppen hatte es nach einem Jahr rund zweieinhalb mal mehr Todesfälle gegeben. Ob dieser Unterschied bereits statistisch signifikant war, wissen wir aufgrund von Rundungsunsicherheiten nur deshalb nicht, weil nie absolute Zahlen veröffentlicht wurden. Weitere Daten zur Mortalität in dieser Studie wurden nie veröffentlicht. Einfach, oder? Das Medikament ist inzwischen nicht besser geworden, nur die Studien. |
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