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07:32 Dienstag, 27. März 2007
Klar: Der CIO-Blogger, ein unverkennbarer Opportunist der 2.0-Hilfsschule, bewegt sich für BooCompany am unteren Ende der Sympathieskala. Immerhin bekennt er sich ziemlich offen zu seinen medialen und pekuniären Beweggründen.
Diese, bis auf die ungefilterten, spontanen, fast schon selbstmörderisch aufrührerischen, die uns einst auszeichneten, hat er uns voraus. (Ich gebrauche dieses "uns" mit sentimentalem Vorbehalt, weil ich kaum noch im Lande bin.) Aber der Knabe hat recht: Uns ist der heiße Atem der Erstwissenden, der gerechte Zorn der riskant agierenden Whistleblowers, der gut recherchierte essayistische Sarkasmus abhanden gekommen. BooCompany -- nix für ungut, Lanu -- wird allmählich zum Archiv wiedergekäuter Nachrichten, die anderenorts längst erschienen und dortselbst verschimmelt sind. Es ist so, als würde ein ICE auf den Antrieb einer Draisine bauen -- wobei letztere ein ehrenwertes Vehikel ist, aber heutzutage halt wenig konkurrenzfähig. Des Pudels Kern, Ihr lieben vertrauten Freunde, liegt nicht in einem Hype namens CO2 oder Web 2.0, sondern in uns selbst. BooCompany, als es (sie?) noch DotcomTod hieß, war auch der allererste Blog der Welt, erfrischend und à la minute; lange bevor dieses Wort existierte. Das wissen die Blogger, die heute so tun, als hätten sie's erfunden, ganz genau. Und sie leben von diesem Vorbild, ohne es zu nennen. (Warum auch? Das Web lebt vom Ideenklau.) Was bleibt? Die Wortspieler, die echten Insider, die poetischen Aufbereiter taufrischer Fakten, die Rock'n'Roller des 21. Jahrhunderts, die Rapper des Reports ... es gibt sie noch, vermutlich stärker denn je. Aber die hüten ihre Schafe in anderen Hürden, um den Evangelisten Lukas zu zitieren. Ich meine weder eine Graböffnung noch eine Wiederbelebung von Karteileichen. BooCompany ist fad und austauschbar geworden, mehr Zitat als zitierfähig, die Veteranen vermutlich saturiert oder außer Atem. Zu den Veteranen zähle auch ich, ein wenig saturiert, aber immer noch außer Atem. Eins meiner Kinder (jetzt 21, studierender Senior) war anno 2000 ein erklärter DCT-Fan; heute gähnt er über uns -- und über das legendäre DCT-Kotz-T-Shirt, das er mir damals aus den Händen riss. Aber: Nicht die kalendarische Jugend oder der Zeitgeist wird BooCompany erhalten, sondern die Frische der Meldungen und der Gedanken, die sich daran knüpfen. Weder Arzt noch Apotheker, maße ich mir nicht an, Rezepte vorzuschlagen. Wir hatten eine rotzfreche philosophische Dimension -- ohne Brimborium, politisch erfreulich unkorrekt, im Alltagswortschatz darstellbar. Es war unmöglich, uns zu verwexxxeln. Heute herrscht Alltag. Aber ohne Wortschatz, ohne echte Insider, ohne spontanen Zorn, ohne Begeisterung. Dies lässt sich ändern, wenn auch nur durch harte Arbeit. Mehr in einer Woche, sofern ich dann noch lebe. Denkt inzwischen mal ungeschminkt nach, während ich den neuen Eyeliner meiner schlafenden Frau ausprobiere. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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