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07:55 Montag, 26. Februar 2007
Der Gründer des grössten deutschen Werksarztzentrums mit 750 Unternehmen als Kunden, darunter bekannte Firmen wie Coca Cola, Degussa oder Randstad sitzt in U-Haft. Die vorgeworfenen Delikte reichen von unsachgemässer Lagerung von Medikamenten über die Abrechnung von ärztlichen Leistungen, die gar nicht von Ärzten erbracht wurden, bis hin zu Betrug bei der Verwendung öffentlicher Mittel. Der Professor war anerkannte Grösse im gesellschaftlichen Leben und er wurde regelmässig von Wirtschaftvertretern und Politik als Ideal des erfolgreichen Unternehmers präsentiert. Die Story hat alles, was sich ein Journalist wünscht.
Sollte man meinen.
Trotzdem war der Fall von Prof. Roland Schermer und das Werksarztzentrum Recklinghausen lange nur ein Thema für die Regionalseiten der WAZ. Mehr als zwei Wochen nach Inhaftierung des Beschuldigten wird am Montag wird der Spiegel darüber berichten, und nun wachen auch andere Zeitungen auf. Man bekommt den Eindruck, dass Betrug im Gesundheitswesen die deutschen Medien nicht besonders interessiert. Ob Ratiopharm, Amgen, Lohmann & Rauscher oder Zyprexa - es reicht selten mehr als zur Pflichtmeldung. Bei SZ-Online läuft der Artikel unter "Hochschule". Dieses traurige Bild wird noch dadurch verstärkt, dass sich die Medien die Tatsache rauspicken, dass wohl mindestens sechs medizinische Laien (darunter Maurer und Bäcker) Blut abgenommen, Krankenscheine ausgefüllt und Impfungen durchgeführt haben sollen. Die Bereicherung durch falsche Abrechung oder Hinterziehung von öffentlichen Mitteln ist nur ein Thema, wenn es um den Fuhrpark mit bis zu 19 Nobelkarossen geht, den der Schermer unterhalten haben soll. Aber die Medien stehen da nicht alleine: Die Staatsanwaltschaft hat sich von den ersten Hinweisen bis zum Beginn des Ermittlungsverfahrens fast 2 Jahre Zeit gelassen. Ist fast schon eine Anzeige wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung wert. Aber vielleicht gibt das Statement des Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte die Haltung in Deutschland gegenüber der alltäglichen Korruption wieder: "Allerdings muss man auch feststellen, dass man gegen Machenschaften dieser Art, falls sie sich so bestätigen, machtlos ist." Wer das Schlimmste erwartet - bekommt es. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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