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19:48 Dienstag, 20. Februar 2007
Die Sendung "Hauptsache Gesund" mit Fernsehärztin Dr. Franziska Rubin gilt als die erfolgreichste deutsche Gesundheitssendung. Während Dr. Thomas Höhn von der Schwestersendung "Natürlich Gesund" seinen Ruf als MDR-Fernseharzt ungehemmt zur Ankurbelung seiner privaten Geschäfte mit dubiosen Anbietern von überteuerten Esoterikgeräten und Vitaminpräparaten nutzt, ist "Hauptsache Gesund" ein PR-Vehikel der Apotheker- und Pharmalobby. Im Gegenzug macht Franziska Rubin mit Pharmafirmen und Apotheker-Verlagen gute Geschäfte.
Zäh verteidigt Friedemann Schmidt als Vizepräsident des mächtigen Apothekerlobbyverbands ABDA im Ringen mit der Politik die Pfründe der Apotheker. "Entscheidend für die Zukunft wird sein, ob es gelingt, das professionelle Selbstbild, das wir haben, mit der Außenwahrnehmung bei den Verbrauchern deckungsgleich zu machen", sagt er. Zuletzt wurde der ABDA im Zuge der Umsetzung dieses Vorhabens dabei ertappt, wie er in der ARD-Serie "Marienhof" für einen sechsstelligen Eurobetrag illegale Schleichwerbung geschaltet hatte. Der ABDA-Toplobbyist - mitverantwortlich für einen Verband, deren Mitglieder es auf 35 Milliarden Euro Jahresumsatz bringen - schreckt bei seiner PR-Arbeit auch vor persönlichem Einsatz nicht zurück. Seit Jahren tritt er als "Apotheker aus Leipzig" regelmäßig an der Seite von Franziska Rubin in der Sendung auf und destilliert im Studio Salbei-Tinkturen oder erläutert Inhalationstechniken. Gerne zeigt er auch, "wie man sein Cholesterin ganz schnell und einfach testen lassen kann" oder erläutert den Zuschauern in einer kurzfristig anberaumten Sondersendung, wie die Medikamente heißen, die am besten gegen die bevorstehende Vogelgrippe-Pandemie helfen. "Hauptsache Gesund"-Moderatorin Dr. Franziska Rubin selbst ist eine studierte und promovierte Medizinerin ohne Approbation. Nach Studium und Promotion hat sie sich zunächst als Moderatorin beim Kinderkanal versucht und es als Schauspielerin zu Kurzauftritten in Fernsehserien gebracht. In der Sendung spielt sie eine merkwürdige Rolle. Als Journalistin sieht sie sich ebenso wenig wie als medizinische Expertin - kritisches Nachfragen ist ihr deshalb fremd. "Doktortitel für die Quote" ist ein PR-Porträt von ihr treffend überschrieben. Sie belässt es deshalb dabei, ihr Covergirl-Gesicht in die Kamera zu halten und sich als Stichwortgeberin für ihre Gäste zu betätigen. Neben dem regelmäßig auftretenden ABDA-Vize haben es auch die anderen Gäste in sich. Da kommt dann schon mal ein Prof. Dr. Markolf Hanefeld zum lukrativen Dauerbrenner-Thema Arteriosklerose vorbei, ein Mann, der sich bereits zwei mal dabei erwischen hat lassen, bei der Veröffentlichung von Studien seine engen finanziellen Verflechtungen mit der Pharmaindustrie entgegen den gültigen Publikationsrichtlinien verschwiegen zu haben. Oder ein Prof. Joachim Thiery, der gelegentlich den nicht gerade industriefernen Deutschen Artherosklerosekongress geleitet hat. Sponsoren im vergangenen Jahr: Alpro GmbH, B. Braun Medizintechnologie GmbH Becel / Unilever Deutschland GmbH, Boehringer Ingelheim GmbH, DGAF/ DGFF, Emmi Deutschland GmbH, Fresenius Medical Care Deutschland GmbH, Imendos GmbH, Immunodiagnostik AG, LDL/ Unter Hundert, Merck Pharma GmbH, Mercodia AB, Monasan, MSD Sharp & Dohme GmbH / essex pharma GmbH, Pfizer Pharma GmbH, ratiopharm GmbH, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, ssniff Spezialdiäten GmbH, Takeda Pharma GmbH, Trommsdorff GmbH & Co. KG, Zinsser Analytic GmbH. Der Apothekerlobbyverband ABDA kann sich ein wenig Stolz auf diesen PR-Coup nicht verkneifen. So schreibt ABDA-Funktionär Martin Schulz in einem Branchenblatt über die Sendung: "In conclusion, taking this effort is worthwhile and the best public promotion of both our profession and the community pharmacy in particular." Und der sächsische Apothekerverband bezeichnet die redaktionelle Zusammenarbeit mit dem MDR bei der Gestaltung des monatlichen Begleithefts zur Sendung und beim Vertrieb des Blättchens als "seriöse PR-Arbeit für die Apotheke vor Ort". Franziska Rubin träumt derweil von einer bundesweiten Ausstrahlung der Sendung. Bis dahin verdient sie sich ein Zubrot als Moderatorin auf Pharma-Produktpräsentationen und schreibt eine Kolumne in Apotheken-Werbeblättchen. Und sie veröffentlicht pharmaindustrie-freundliche Begleitbücher zur Sendung im "Verlag im Kilian" des bemerkenswert industrie- und apothekennahen "Deutschen Grünen Kreuzes". Aber das ist dann wieder eine andere Geschichte. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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