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Vanity Fair Vanity Fair: Berlin Mitte Boy an der Borderline
BOO Vanity Fair von FoolDC

23:14 Samstag, 17. Februar 2007

Ausgerechnet Til Schweiger. Lahmer hätte die Wahl für den Coverboy der ersten deutschen Vanity Fair nicht ausfallen können. Dafür und für den auch sonst enttäuschenden Erstauftritt hat Ulf Poschardt, der Posh Spice der Berlin Mitte Boys, schon seine gerechten Prügel bezogen. Die lieben Kollegen sparen nicht mit Häme; den intelligentesten Beitrag zur Debatte leistete dagegen mit Nils Ruf ein echter Outcast der Branche. Ausgerechnet Til Schweiger also. Und jetzt der Grasser.
Eins muss man Poschilein lassen: Die Fotostrecke mit dem ehemaligen Finanzminister der Alpenrepublik und seiner Kristall-Erbin gehört zu dem Bizarrsten (und Besten) was je die Seiten eines Magazins zierte. KHG als Ludwig II im Bademantel. Ganz großes Kino. Vielleicht auch ein bisschen too gay. Schon die Schweiger-Strecke spielte ja nicht gerade subtil mit Porno-Klischees, die zuletzt in den 80er kurz hip waren. Die Kritikerrunde der Netzeitung entzückt sich zwar an der Golden-Shower-Symbolik, findet Schweigers enthaarte Brust allerdings auch out. Bei solchen Vorlagen drängt sich die Frage auf, was der Posch in seiner Freizeit eigentlich so treibt.

Es ist natürlich noch zu früh, nach zwei Ausgaben, die beide mit langem Vorlauf produziert werden konnten, endgültig über die Vanity Fair zu richten. Allerdings dürfte es unter Aktualitätsbedingungen eher schwieriger werden, das Blatt noch zu retten. Denn die ersten beiden Ausgaben liefern ein paar Indizien, dass die VF auf dem direkten Weg vor die Wand ist.

Diese Titel. Dass ein 90er-Sexsymbol nicht die beste Wahl war, hatten wir schon. Immerhin hatte das Schweiger-Cover noch was von der klassischen VF: Bunter, scharfer, hyperrealer Hochglanz. Und was macht Poschilein danach? Gisele Bündchen nackt in Schwarz-Weiß. Als ob es die 90er und die "Max" nie gegeben hätte. Dabei hat Posh die Story der Woche im Blatt: Anna Nicole Smiths morbides Gepose am Pool hätte einen geilen Titel abgegeben.

Dr. Poschardt hat mit den ersten beiden Ausgaben unter Beweis gestellt, dass er auch ohne Tom Kummer hart an der Borderline arbeiten kann. Das könnte ein Problem werden. Nicht mal einen Absatz O-Ton von Karl Lauterbach kommt ins Heft, ohne vorher von einem "Datenübertragungsfehler" zu zwei Dritteln kreativ überarbeitet worden zu sein. Wie ein Problem bei der Übermittlung ein "blauäugig" in den Text schmuggelt, fragt der höfliche Gesundheitsexperte und bekommt seine Gegendarstellung in Leserbriefform.

Damit will sich das Nacktmodell der zweiten Ausgabe nicht begnügen. Karl-Heinz Grasser ist ob der intimen Fotostrecke not amused: Der Österreicher will die Vanity Fair verklagen. Denn die Fotos seien Aufnahmen für den privaten Gebrauch und nicht zur Veröffentlichung gedacht. Entstanden sind die Grasser-Erotika offenbar im Rahmen eines Shootings für die Januar-Ausgabe der italienischen Männer-Vogue, in der KHG im feinen Zwirn posierte. Die "L'Uomo Vogue" erscheint auch bei Conde Nast, da braucht man wenig Phantasie, um sich den Weg der intimen Bildchen in den deutschen Ableger auszumalen.

Grasser ist stocksauer und wirft der Vanity Fair zudem vor, ihn in dem begleitenden Artikel falsch zitiert zu haben. Der Text suggeriert in geradezu Kummerscher Leichtigkeit eine intime Homestory, die so nie stattgefunden haben soll. Der Österreicher lässt durch seinen Sprecher klarstellen, dass er Interview-Anfragen abgelehnt habe. Das Magazin habe Zitate aus Interviews für andere Medien ohne Quellenangabe verwendet. Die Mitte-Mafia fragt sich unterdessen, ob auch der angebliche Szenebegriff "NoTo" auf Tom Kummers großen Haufen gewachsen ist. Ist er nicht.

Wir stellen uns Posh derweil vor, wie er in den seinem weißen Berliner Büro gelassen an einer Kummer-Büste lehnt und die journalistische Borderline verteidigt. "Bei uns ist keine Klage eingegangen", sagte der Chefredakteur der österreichischen Nachrichtenagentur APA. "Wir würden einer solchen gelassen entgegensehen." Vielleicht ist er deshalb so cool, weil kalkulierte Grenzverletzungen und deren mögliche finanziellen Folgen vom üppigen Marketing-Etat des Verlages gedeckt sind. There is no bad publicity.





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