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BooCompany Die innerbetriebliche Stasi
KOLUMNE BooCompany von lanu

19:58 Samstag, 03. Februar 2007

Jedes Unternehmen hat ja seine Besonderheiten und seine ihm eigene Unternehmenskultur. Bei der lustigen New Media Agentur, bei der ich vor deren Insolvenz zum Führungspersonal gehörte, gab es die Regel "Das Briefgeheimnis der Mitarbeiter hat Vorrang vor dem Betriebswissen". Wir waren angehalten, unsere Briefe selbst zuzukleben, weil unsere Kontakte und die art und Weise, wie wir diese pflegten, als unser eigenes geistiges Kapital betrachtet wurde, das wir bewahren sollten. Dahinter stand eine tiefe Achtung vor der Würde der Mitarbeiter/innen.
Als ich in das Systemhaus kam, musste ich mich umgewöhnen.
Hier galt das 4-Augen-Prinzip: jedes rausgehende Schriftsstück musste entweder einem der Chefs vorgelegt oder Kollegen der eigenen Hierarchiestufe zum Gegenlesen gegeben werden. Ich fand das immer sehr lästig und habe diese Regel öfter verletzt, weil Geschwindigkeit in einer Branche, in der die Uhren ohnehin schneller gehen als in der Old Economy, so kaum noch möglich war. Trotzdem konnte ich im Großen und Ganzen damit leben.

Inzwischen wurde der Laden umstrukturiert, mein Lieblingschef ist gegangen, und es gibt eine neue Regelung: Jede rausgehende Post ist unverschlossen bei der Pförtnerin abzugeben, die sie zur Kontrolle nochmal liest. Ein schönes Gefühl, wenn man weiß, dass diese Frau, Ostimport und üble Schranze, einmal bei der Firma war.

Ich glaube, ich frankiere meine dienstliche Post jetzt selbst und werfe sie eigenhändig in den Briefkasten, Dienstanweisungen hin oder her. Besser ist das.

(netbitch)





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888 Leser (netbitch)
Re: wie heisst es so schön: (lanu)
Re: Die innerbetriebliche Stasi (Peter_H)
Re: (che2001)




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