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Grundig Intermedia GmbH Grundig: Bald ist nur noch der Hausmeister da
BOO Grundig Intermedia GmbH von voetsak

15:12 Donnerstag, 14. Dezember 2006

Es ist schon ein Jammer, mit ansehen zu müssen, wie Grundig immer weiter schrumpft. Gibt es dort draußen noch jemanden, der an eine Gesundung des von verschlafenen Trends und Qualitätsproblemen überrollten Wirtschaftswunderunternehmens glaubt. Mir fällt´s schwer. Jetzt sollen wieder 20% der Belegschaft gehen.
Klingt üppig, nicht wahr? Da Grundig zur Zeit aber nur noch ganze 450 Mitarbeiter beschäftigt, relativiert es sich etwas (zur Erinnerung: Situation 2001). Den 90 Mitarbeitern, die ihren Hut nehmen müssen, helfen Zahlenspielereien aber nicht. Schuld an dem Schlamassel ist ein dickes Minus von 20 Millionen Euro - nicht im ganzen Geschäftsjahr, sondern nur in den ersten beiden Quartalen! Schuld daran wiederum sind hauptsächlich Qualitätsprobleme bei den Fernsehgeräten (bei meinem scheppern die Boxen, gut daß ich den Ton über mein Surround-System laufen lasse), hohe Lagerbestände und zu hohe Kosten. Zu hohe Kosten? Da staunt der Laie, wurde ihm doch von deutschen Unternehmen und ihren Beratern immer wieder glaubhaft versichert, daß nur eine Produktionsverlagerung ins Ausland Abhilfe schaffen und die (Rest-) Arbeitsplätze in der Heimat retten kann. Tja, Grundig-Fernseher werden seit Jahren ausschließlich in der Türkei gefertigt. Die trotzdem angefallenen Miesen hätte man dann ja wohl auch hier produzieren können...
Die verbleibenden Mitarbeiter können vorerst aufatmen. Die Gesellschafter spendieren nochmal 40 Millionen Euro. Mal sehen, wie lange das reicht...





Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Grundig: Der Intershop der TV-Branche... (tempest)
Eigentlich schade..
War mal wirklich gut (Schleiereule)
Ich komme mir zwar wie ein Jubelredner am halboffenen Grab vor, aber mich hat die Marke in früheren Tagen arg begeistert: klotzige Weltempfänger ("Satellit"), gutes Design bei Fernsehern (Monolith-Serie, schwärm) und mein erster Radiowecker. Und heute? Heute verschlafe ich dank kleiner Kinder ohnehin nicht mehr. Vor ca. 15 Jahren kamen dann die ersten Schmähkritiken am schleichenden Qualitätsverlust: "aussen Grundig, innen schundig" war da wohl der griffigste Slogan. So sah ich schon vor Langer Zeit den Stern dieser Marke auf das Niveau der mega-uncoolen SCHNEIDER-Kompaktanlagen absinken.
Traurig, aber wahr :-(
Die Kernkompetenz ... (sempralon)
... bleibt ja in Deutschland, der Produktname, das Management und die Verwaltung ... die Qualität ist Nebensache, wenn ich die Möglichkeit habe einen TV der 100€ Wert ist unter einem anderen Namen für 1000€ zu verkaufen ... dann würde ich das auch tun, aber Grundig ist das beste Beispiel für Globalisierung ... nur, das die Firmen gern wieder in Deutschland wirkliche Qualität produzieren möchten, sich aber an die Löhne der "gering Qualifizierten" gewöhnt haben ... und deswegen hat sich Peter Hartz die "Reformen" ausgedacht ... und sind sie nicht ein voller Erfolg ?
Die Löhne sind ind Deutschland effektiv gesunken, während sie überall in Europa gestiegen sind und aus Angst vor Hartz IV sind alle fleißig bei der Sache ... aber die Wirtschaft möchte gern die Löhne aus China einführen, bei gleichbleibender Produktivität und Qualität, versteht sich !

... und Kaufen sollen wir die Produkte auch noch zum "alten Preis", am besten vom ersparten ... denn Konsumunlust ist schlecht für die Wirtschaft ... logisch, oder ??
... und wenn man keine Erbschaft/erspartes hat, dann gibbet ja noch die Kreditkarte !
Für Sempralon (Pathologe)
Nur gut, dass dies hier kein Papier ist. Ich schätze, Dein Kommentar hätte es ruck-zuck weggeätzt. Aber ich schaue auch schon vorsichtig, ob sich da Säurelöcher an meinem Bildschirm auftun.

Gut geschrieben!
Ja, früher (voetsak)
war nicht alles, aber Grundig eben doch besser! Selbst bei uns in der SBZ war Grundig ein Begriff, wegen der Preise in den sog. Intershops und knappem "Westgeld" blieb es aber meist beim Träumen. Ich bin nicht sicher, ob bei Grundig schon vor 15 Jahren der Verfall begann, wie Schleiereule schreibt. Falls das so war, hatten sie aber nochmal ein hübsches Zwischenhoch mit ihrer Space Fidelity. Dieses Schmuckstück steht heute noch bei uns im Wohnzimmer, sieht nach wie vor spitze aus und klingt auch gut. Tja, was hilft´s?! Vorbei ist vorbei!
Re: Grundig: Bald ist nur noch der Hausmeister da (Münchhausen)
Naja, der Niedergang hat ja schon mit dem Einstieg von Philips angefangen. Da waren die Franzen schon immer kleverer... Konkurrenz aufkaufen, Patente rausziehen und dann das Gerippe im Regen stehen lassen. Zur Jahrtausendwende sahs dann ja nochmal ganz gut aus. Hübsche Designs und edle Produkte, nur dass dann die doofe Zielgruppe ihre ganze Kohle für wertlose Internet-Aktien rausgeschmissen hatten und nach dem Blasenplatzen kein Geld mehr für ein bisschen Luxus übrig hatten. Und im Handel findet der Kunde sowieso so gut wie keine Grundig-Geräte mehr, weil letztens mal geguckt. Bleibt noch Produkt-Diversivizierung, beispielsweise eine Grundig Döner-Kette. Da fällt mir ein, was wurde eigentlich aus Blaupunkt, Telefunken und Saba?


Mir nach!



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