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06:50 Dienstag, 21. November 2006
In diesem boocompany-Beitrag ging es um eine "Initiative", die sich als von einem Pharmakonzern bezahltes Marketing-Projekt herausstellte. Beteiligt natürlich eine PR-Agentur. Solche "Initiativen" und "Aktionsbündnisse sind ein gängiges Marketinginstrument der Pharmaunternehmen. Besonders ist mir ein Postfach aufgefallen, in dem es - per google aus der Ferne betrachtet - sehr kuschelig zugeht.
Die PR-Agentur Publicis Vital PR hat das Postfach 130 120 in 50495 Köln. Sie ist für die konzeptionelle und oft redaktionelle Betreuung solcher Initiativen und Aktionsbündnissen verantwortlich
Das Postfach wird aktuell genutzt:
Ausgezogen sind mittlerweile:
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Re: Publicis Vital PR: Kuscheln im Postfach (hockeystick)
Ich meine, so etwas wie drei Typen von "Initiativen" in dieser Branche zu erkennen:
Typ 1: "Initiativen", die unmittelbar von einer PR-Firma im Auftrag eines einzigen Herstellers ins Leben gerufen werden, die relativ unschwer als solche zu enttarnen sind (z.B. über das Impressum, den Denic-Eintrag). Beispiele siehe oben, offenbar eine Spezialität von Publicis Vital PR. Die Pharma-Firma zahlt Geld an die Initiative, an die PR-Firma und an die professoralen Mietmäuler. Typ 2: "Initiativen", die von professoralen Mietmäulern ins Leben gerufen werden, die wiederum von den Pharma-Unternehmen für ihren Einsatz fürstlich entlohnt werden. Hierbei geht es i.d.R. nicht um ein einziges Produkt, sondern um eine Klasse von Produkten. Kommt eine geeignete neue Produktklasse (z.B. Acomplia) des Weges, wird diese mit in den Bauchladen aufgenommen. Bleibt ein Produkt aus dem Bauchladen auf der Strecke (z.B. Lipobay, Vioxx), dann werden von heute auf morgen die Pferde gewechselt. Hier treten die PR-Firmen einmal als Kunde der Pharmafirma und einmal als Kunde der "Initiative" auf. Die Finanzierung wird i.d.R. nicht offengelegt. Das ist deutlich intransparenter als Typ 1. Beispiele: Lipid-Liga, Deutsche Gesellschaft für Atheroskleroseforschung, Ärzteinitiative Raucherhilfe (alle wohnhaft im Waldklausenweg 20 in München, in Geh-Entfernung vom Klinikum Großhadern), oder die Knochenliga. Dieses Setup scheint eine Spezialität von Edelman zu sein. Typ 3: "Initiativen", bei denen zum Gründungszeitpunkt vermutlich nicht ausschließlich Interessen der Industrie im Vordergrund standen, die sich dann aber durch Putsch oder schleichende Übernahme zum Vehikel der Pharmalobby gewandelt haben. Beispiel: http://www.boocompany.com/index.cfm/content/story/id/14314/">Deutsche Gesellschaft für Nikotinforschung, http://www.boocompany.com/index.cfm/content/story/id/13914">Deutsche Herzstiftung, ebenso zahlreiche kleinere "Patientenselbsthilfeorganisationen". Das ist ähnlich intransparent wie Typ 2 und insofern eine Spur perfider, als hier anders als bei Typ 2 tatsächlich wohlmeinende Bürger und Patienten instrumentalisiert werden.
Re: (strappato)
Diese Abgrenzung ist hilfreich, aber nur sehr grob. Das Feld ist komplex. Beispielsweise die Rolle der Medizinjournalisten wurde noch nicht angesprochen. Da bin ich auf einige interessante Dinge gestossen, die ich noch zusammenbringen muss.
Ich habe den Eindruck, das Internet ist auch eine Spielwiese, um die Grenzen des Heilmittelwerbegestzes auszutesten. Manche Informationen gehören klar zu denen, die in der Wrerbung eigentlich Fachkreisen vorbehalten sind. |
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