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08:09 Samstag, 21. Oktober 2006
"Von Hand buhen war gestern." Mit diesen Worten eröffnete Chi-Fu Lang, Sprecher der BooCompany Labs in Palo Alto, heute morgen eine kurzfristig anberaumte Pressekonferenz. Nach seinen Worten hat das multinationale Forscherteam im kalifornischen Silicon Valley einen sensationellen Durchbruch erzielt, der auch die deutsche Presselandschaft nachhaltig erschüttern dürfte. Ein Prototyp auf Basis der täglich erscheinenden medizinischen Fachzeitung "Ärzte Zeitung" konnte bereits erfolgreich getestet werden.
"Wir fangen mit Fachzeitschriften für medizinische Praktiker an. Das hat einen einfachen Grund: Je dümmer die Leserschaft, desto einfacher der benötigte Algorithmus.", so Lang. "An der Bild-Zeitung und an der Apotheken-Rundschau beißen sich meine Informatiker bislang noch die Zähne aus."
Er erläutert das weltweit patentierte Verfahren am Beisiel der heutigen Top-Meldungen der "Ärzte Zeitung". "Nehmen Sie doch einfach mal die hier: 'Stabile Knochen - dabei hilft eine gesunde Kost!'. Hier will ein großer Pharmakonzern als Gegenleistung für den Kauf von Anzeigenseiten in einem scheinbar redaktionellen Kontext Medikamente mit unbelegter Wirksamkeit und potentiell lebensgefährlichen Nebenwirkungen auf Kosten der Allgemeinheit zu überhöhten Preisen unter die Leute bringen". Solche Boos würde Lanu zumindest an mauen Tagen regelmäßig freischalten. So weit stelle die Automatisierung allerdings kein wirkliches Problem dar, muss Lang auf Nachfrage zugeben. Das Gesagte gelte ja schließlich für alle Artikel der Ärzte Zeitung. Die eigentliche algorithmische Herausforderung bestehe aber nun darin, folgende Variablen zu belegen, um den Boo-Leser gewohnt umfassend zu informieren. Das seien z.B. $HANDELSNAME, $PHARMAKONZERN, $LOBBYORGANISATION, $MIETMAUL-NAME, $MIETMAUL-TITELLISTE (Vorbelegung: "Prof. Dr. med"), $MIETMAUL-FUNKTION-IN-KLINIK (Vorbelegung: "Chefarzt/Chefärztin"), $MEITMAUL-FUNKTION-IN-LOBBYORGANISATION (Vorbelegung: "Vorsitzender/Vorsitzende), $AKTIONSTAG (Vorbelegung: "Tag des Cholesterins"). Diese Werte werden aus dem Text und mit Hilfe der Google-API extrahiert. Also hier z.B. "Fosavance® und Actonel®", "MSD Sharp & Dohme und Aventis", "Dr. med.", "Chefärztin", "Vorsitzende", "Kuratorium Knochengesundheit", "Welt-Osteoporose-Tag", so Lang. Und er fährt mit spürbarer Begeisterung fort: "Jetzt fehlen dann noch ein, zwei knackige Zitate und ein paar hässliche Interessenkonflikte. Die findet unser Algorithmus vollautomatisch mit Google, z.B. so oder so". Der Algorithmus habe da noch nie länger als 0.2 Sekunden suchen müssen, erläutert Lang. Anschließend nutzt Langs Verfahren das Arznei-Telegramm-Archiv, wo z.B. für Actonel solche Formulierungen extrahiert werden: "klinische Relevanz [...] nicht hinreichend geklärt", "hohe Abbruchraten", "mangelhafte Nachbeobachtung", "methodische Qualität noch unzulänglicher", "schädigen den Magen-Darm-Trakt", "potentiell lebensbedrohliches Risiko". Ganz zum Schluss fülle der Boo-Generator die Werte einfach in ein Template - mit der gleichen Software, die auch die Pharma-Pressemitteilungen schreibe. Und die Sentinels können wieder beruhigt in Urlaub fahren, strahlt Lang. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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