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Spiegel Gabor Steingart: Der Vollprolet
BOO Spiegel von FA-Q

09:47 Sonntag, 17. September 2006

"Daher wissen wir: der Prolet von heute besitzt mehr Geld als die Arbeiter vergangener Generationen und wenn er im Anzapfen des Sozialstaats eine gewisse Fertigkeit entwickelt hat, verfügt er über ein Haushaltseinkommen, das mit dem von Streifenpolizisten, Lagerarbeitern und Taxifahrern allemal mithalten kann. Es ist nicht die materielle Armut, die ihn von anderen unterscheidet.

Auffällig hingegen sind die Symptome der geistigen Verwahrlosung. Der neue Prolet schaut den halben Tag fern, weshalb die TV-Macher bereits von "Unterschichtenfernsehen" sprechen. Er isst viel und fettig, er raucht und trinkt gern. Rund acht Prozent der Deutschen konsumieren 40 Prozent allen im Land verkauften Alkohols. Er ist kinderreich und in seinen familiären Bindungen eher instabil. Er wählt am Wahltag aus Protest die Linken oder die Rechten, zuweilen wechselt er schnell hintereinander."
Laut seiner Bio soll Herr Steingart Wirtschaftsstudent gewesen sein, heute ist er der Leiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros. Was ihn offenbar nicht davon abhält, Artikel zu verfassen, deren Inhalte teilweise schon vor siebzig Jahren in gewissen deutschen Hetzblättern en vogue waren. Vielleicht lernt man aber auch eine solche Schreibe erst auf der Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten, wer weiß. Und damit nicht genug, verfaßt Herr Steingart darüber hinaus Bücher, welche in neoliberalen Kreisen als gängige mentale Onaniervorlagen gelten.

"Deutschland - Abstieg eines Superstars" hat der interessierten und beipflichtenden Leserschaft, die sich größtenteils aus den Größen der Politik und Wirtschaft sowie ein paar besonders ehrgeizigen VWL-Studenten zusammensetzt, bestimmt den einen oder anderen multiplen mentalen Orgasmus verschafft. Und mindestens einen Auftritt bei Christiansen.
Jetzt hat Steingart sein neuestes Machwerk ins Rohr geschoben: "Weltkrieg um Wohlstand: Wie Macht und Reichtum neu verteilt werden". Und passend zum Buch gibt es nun auch die Serie bei SPIEGEL online. Und dort darf er - ungestraft - auch solche Absätze wie den einleitenden Text zu diesem Boo verbreiten. Natürlich in der Hoffnung, daß seine Claqeure in Massen die Buchhandlungen und Onlineshops stürmen und dem Herrn Steingart neben seinem ganz und gar nicht proletenhaftem Gehalt auch noch einen hübschen Nebenverdienst bescheren. Und eine weitere Einladung zur Christiansen, bevor die sich auf hoffentlich Nimmerwiedersehen verpisst.

Selbstverständlich handelt dieses Buch nicht ausschließlich vom Proletenbashing, und Steingart verbrämt das P. mit der Frage, ob das Ausgrenzen größerer Bevölkerungsschichten nicht irgendwann einmal zum Zündstoff für die Nationen wird, die sich derzeit dieser Methode im großen Stil befleißigen. Aber bevor im letzten Absatz diese Frage gestellt wird, zieht Steingart erstmal mächtig vom Leder. Und stellt Behauptungen auf, die sogar für Proleten relativ leicht erkennbar entweder grob verfälscht, unwahr oder schlicht und ergreifend Unsinn sind.
Wie zum Beispiel die Behauptung, daß 8% der Deutschen 40% des im Lande verkauften Alkohols konsumieren. Zum einen ist Alkoholismus nicht nur eine rein auf Proleten beschränkte Krankheit (gerade Politiker und gesellschaftlich als erfolgreich angesehene Menschen greifen nachweislich häufiger zur Seelenmassage aus der Flasche als der Durchschnitt), und zum anderen...geht man von ca. 62 Mio. Menschen im "alkoholkonsumfähigen" Alter aus (wobei Kinder und Jugendliche ausgeklammert sind), müssen diese 8% wahre Lebern aus V4A-Stahl besitzen. Ausgehend von einer in Deutschland verkauften Bierproduktion von 91,1 Mio. hl (2004; Statistisches Bundesamt) und einer von Steingart angegebenen Quote von ca. 5 Mio. Hardcore-Trinkern müßte jeder Prolet satte 7,29 hl Bier pro Jahr (zum Vergleich: der "normale Deutsche" schafft gerade mal etwas mehr als 1 hl in diesem Zeitraum) zu sich nehmen, damit Steingarts Geschreibsel aufgeht. 1 Hektoliter sind übrigens 100 Liter. Und das wirklich harte Zeug ist in dieser Rechnung noch nicht einmal drin.
Aber ist schon erschreckend, gelle? Die Prolls saufen den Leistungsträgern den ganzen Alk weg! Und wer gibt diesen Schmarotzern denn die Kohle für das Zeugs?

Mit Steingarts neuestem Werk verhält es sich wie mit dem Schmuddelheftchen aus dem Sexshop: egal, wie reißerisch der Titel auch sein mag - der Inhalt ist stets derselbe. Quantitativ und qualitativ.





Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Gabor Steingart: Der Vollprolet (sempralon)
... es könnte ja sein, dass er dies nicht soooooooooo meint wie er es schreibt ... wech mit diesem Gedanken !
In den Hemisphären in denen sich seine Art der Menschheit bewegt, ist Alkohol wirklich keine Droge ... eher ein Vorspiel ... wie der Artikel es schon beschreibt, ist es fast unmöglich auf diese "Literleistung" zu kommen, auch für den trinkfestesten Alki ... und ob der noch dazu in der Lage ist den Plasmafernseher einzuschalten wage ich zu bezweifeln (vielleicht kommt da demnächst ein neues Feature mit rein, ein Bewegungsmelder) ... aber im Krankenhaus gibbet ja nu schon TFT' ... aber hey, vielleicht macht er ja nur auf ein anderes "Problem" aufmerksam :

http://www.stern.de/tv/sterntv/549180.html?nv=stv_pd

http://www.netzeitung.de/medien/348535.html

http://www.politik-digital.de/archiv/fun/kokain.shtml

... Kokain für die Winner und der schnöde Alk für die Looser ? May be ... vielleicht wollte er genau auf diese Misere hinweisen ? Wenn man mit Alkohol verwarlost und mit Kok's an die Spitze kommt ... jaaa wir haben die Wahl, wir ... die schnöden Alloholer ... ich hatte schon die Geschäftsidee ... ein Filtersystem für das Spreewasser ... 30 Kilo Kok's pro Tag ... da schneit es sogar im Sommer, habe ich aber nicht genemigt bekommen ... wieso ?

http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/10.11.2005/2165625.asp

... "Und Wolfgang Bergfelder von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung meint nur: ?Die Spree ist sauber, wir sehen keinen Anlass, sie testen zu lassen.? "

... aber filtern wäre doch da erlaubt, oder nicht ?
Nunja ... ich gebe zu, ich wollte die Filter im Regierungs-und einem Nobelviertel platzieren ... die waren nicht gerade begeistert ...

... da drängt sich mir ein Gedanke auf ... ist Drogenbesitz nicht strafbar ... und warum besitzt Berlin soviel davon ?
Re: Gabor Steingart: Der Vollprolet (Boolysses)
Ohne mich zum Tenor des SPON-Artikels äußern zu wollen:

Ich nehme mal an, eine Flasche Haake-Beck enthält 0,33l Bier, davon nehmen wir erstmal 6 Flaschen am Tag, das sind dann knapp 2 Liter Bier. Das jeden Tag, dann sind wir bei über 700 Liter Bier pro Kopf und Jahr.

Sechs Flaschen Bier bekommt jeder mir bekannte Trinker locker bis zum späten Nachmittag hin - ohne sich deshalb gleich für fahruntüchtig zu halten. Von irgendwelchen Schwierigkeiten beim Einschalten eines Fernsehgerätes oder Problemen beim Einschütten von Korn oder Branntwein zwischendurch weiss ich auch nichts.
Stimmt schon ... (sempralon)
... deine Berechnung ... 2 Liter/Tag zu schaffen sind für mich ein Problem, eine Flasche Rum komischerweise weniger ... aber das ist mein Problem, das eigentliche Problem besteht nur eben darin, das man sich das von 345 Teuro/Monat nicht wirklich leisten kann ... und ein Auto nebenbei schon gar nicht ... ich kenne auch viele, viele haben schon mit dem Rauchen aufgehört oder sind auf selbstgedrehte umgestiegen ... die Frage, die sich die Politiker und unser "Freund" stellen : "Woher kommt das Geld ?"
Diese Frage beschäftigt unsere Politiker schon seit den 60'er Jahren und ... sie sind Politisch nicht weiter gekommen, hat sich die Welt nicht zwischenzeitlich geändert ? Die Welt schon, aber die Politik unserer Volksvertreter nicht ... verrückterweise hat sich auf dem Verdienstsektor viel getan, die Löhne stiegen, die erkämpften Sozialleistungen ebenfalls ... die Steuern/Preise noch viel mehr ... aber hey was soll's unsere Regierung von Schröders gnaden hat es geschafft, die Lohnentwicklung ist rückläufig ... in den letzten 10 Jahren um 0,5% ... in anderen Ländern Europas sind sie um 20% gestiegen, also von wirtschaftlicher Seite gesehen ein voller Erfolg, denn Hartz IV ist ist der aktuelle Mindestlohn in Deutschland und Herr Steingart teilt die Meinung unserer Regierung, das der Wirtschaftliche Tiefpunkt der Bevölkerung noch tiefer liegt, denn die 5 Mille Arbeitslose plus den allgegenwärtigen Praktikannten sind ein gutes Druckmittel ... zum senken der aktuellen Löhne ... ferner ist das diskreditieren einer Bevölkerungsgruppe, der man nach einem Jahr Arbeitslosigkeit angehören könnte, aktueller denn je, denn man gehört ja nicht zu "denen", noch nicht ... die Beschäftigten von Gerling und der Allianz z.B. kriegen jetzt das "Muffensausen", denn ihnen droht ein solches Schicksal und einige haben ein Angebot bekommen ... einen neuen Arbeitsvertrag ... mit neuen Bedingungen ... mehr Arbeit (wir kennen den Slogan von der letzen Bundestagswahl) ... allerdings für weniger Lohn ... ist doch besser als Arbeitslos und nach einem Jahr bei der ARGE die finanziellen Hosen runter zu lassen, nicht ???

... und ... stehen nicht aktuell beim Spiegel ebenfalls Personalfragen im Raum ???
Re: (porschekiller)
"das eigentliche Problem besteht nur eben darin, das man sich das von 345 Teuro/Monat nicht wirklich leisten kann"

Dann muss es hier irgendwie irgendwo eine dieser "Tafeln" geben, die statt Obst, Gemüse und Brot Schnappes und Piwo verteilen. Tut mir ja leid, das gängige Schubladendenken zu stören, aber der Alkoholkonsum hat sich in keinster Weise durch HartzIV verringert. Das kann ich hier nun wirklich hautnah beobachten. Noch billiger und nochmals billiger an Alkohol zu kommen, scheint für die "Gebeutelten" überhaupt kein Problem zu sein. Oder es wird an den anderen Bedarfssachen nochmals gespart.
Jepp ... (sempralon)
... genau, das ist die Frage der Fragen ... "Woher kommt das Geld ?"
Wenn die Alki's weniger Geld zum saufen haben, dann müßte der Verbrauch ja sinken ... tut er aber nicht ... Schwarzarbeit ? ... ist eine Möglichkeit, für 20 Teuro den Garten von Oma umgraben ... sind auch schon eine Hilfe ...

Eine andere Möglichkeit wäre natürlich, das die "anderen Bevölkerungsschichten" mehr als vorher zum Glas greifen ... sei es durch den gestiegenen Stress oder wirklich aus dem Genuss heraus, es sich leisten zu dürfen ...
Einen habe ich noch ... (sempralon)
... sorry, ist mir gerade über den Weg gelaufen, der satirische Artikel ist bezeichnend :

http://www.das-eule.de/eulenspiegel0304realsatire.html>http://www.das-eule.de/eulenspiegel0304realsatire.html
Re: Gabor Steingart: Mal nachgerechnet (Martin Stein)
Lieber F-AQ,

ohne Ihren sehr schönen Beitrag abwerten zu wollen, aber Ihrer Rechnung nach wären das ca. 2 Liter Bier pro Kalendertag, also 4 Flaschen oder vier "Halbe" am (bayerischen) Tresen. Das mag Ihnen viel erscheinen, aber wer wie ich jemals mit Blick auf einen Biergarten gewohnt hat und diesen in jungen Jahren (viel zu oft) aufgesucht hat, für den ist das Sparration. Da geht noch ein Klarer hinterher. Oder noch einer.
Aber wie gesagt, das soll kein Widersrpruch zu Ihrem Beitrag sein.



Re: Mein Vorredner hat das natürlich schneller und viel besser formuliert als ich. (Martin Stein)
Ich war zu langsam.
Re: (Boolysses)
Ach was - ich war nur n winziges bisschen schneller. ;)
Re: Gabor Steingart: Der Vollprolet (Chat Atkins)
Der schlaue Gabor verbreitet das Licht seiner Aufklärung auf eine denkbar dämliche Art: Er errichtet jene Laternen, von denen er, dem Dümmsten verständlich, in kommenden dunkleren Zeiten als Lehrstück herabbaumeln wird. Vielleicht, weil's gerade aktuell ist, könnte er ja seine Thesen in Anklam oder Lübtheen mal zur Diskussion stellen ...
Der Mann hat vollkommen recht... (porschekiller)
...wenn man den gesamten Text lesen würde. Es geht um den Vergleich zwischen der Herkunftszeit des Begriffs "Prolet" und der heutigen Realität. Wenn man mal mit sehr alten Mitbürger redet (was ich eher empfehle als Polemik oder Dreisatz-Rechnungen), die sehr wohl früher als Prolet galten und dies auch nicht unbedingt als Abwertung empfanden, dann stellt man fest, dass deren Leben damals wirklich von viel mehr Kultur, Bildung und Organisation geprägt war, als es bei den entspr. Mitmenschen heutzutage vorkommt. Und dass der Besitz von Konsumgütern, die z.B. nur der reinen Unterhaltung dienen, den Menschen damals wie eine Fata Morgana vorkam, sollte klar sein.

Der Gimmick mit der Alk-Statistik ist ja mittlerweile geklärt. FA-Q, was bleibt noch an Kritikpunkten übrig?
Re: (dico)
"Der Gimmick mit der Alk-Statistik ist ja mittlerweile geklärt. FA-Q, was bleibt noch an Kritikpunkten übrig?"

Das Gimmick ist geklärt und es ist wieder alles supi-dupi? Ich denke nicht.
Beim Lesen des Artikels ist mir mein Abendbrot sprichwörtlich wieder hochgekommen.

"Die fortschreitende Deindustrialisierung hat im Westen eine neue Unterschicht der Unproduktiven und geistig Verwahrlosten geschaffen. Diese Fremdlinge im eigenen Land werden zur ernsten Gefahr für die Demokratie." Auch wenn dies ein reisserischer Aufmacher gedacht sein mag ist er nichts weiter als eine bodenlose Herabwürdigung der Arbeitslosen. Pauschalisierungen wie ...geistiger Verwahrlosung.../...Fremdlingen.../...ernsten Gefahr... erinnern mich sehr an Propaganda im 3. Reich.

"...Er hungert nicht, er haust im Trockenen, er wird von keiner Seuche dahingerafft, er besitzt sogar deutlich mehr Geld. Er ist in jedem Staat Westeuropas nicht nur Bürger, sondern zugleich Kunde des Wohlfahrtsstaats, auch wenn dessen Leistungen nirgendwo mehr üppig ausfallen."
Früher konnte der Arme sich wenigstens als Tagelöhner durchschlagen ohne das er mit Sanktionen des States rechnen musste. Ausserdem: deutlich mehr Geld ist es auch nicht, da die Lebenshaltungskosten von heute um ein vielfaches höher sind. Kennt jemand den Nazi-Propagnadafilm aus dem Warschauer Ghetto wo alle Juden in die Kamera grinsten? Ich muss grerade daran denken.

"Die Schlafstätte früherer Jahre war oft nur ein Obdachlosenasyl oder ein Männerwohnheim. Die Armenspeisung war kärglich und fand im Freien statt. Kranke waren weder versichert noch konnten sie sich Arzneimittel oder gar ärztliche Honorare leisten. Greise waren auf Gedeih und Verderb der Gnade der Jüngeren oder der kirchlichen Fürsorge ausgeliefert."
Genau da steuert der Sozialstaat wieder hin. Die Preise steigen und Hartz IV soll abgesenkt werden.

"Daher wissen wir: der Prolet von heute besitzt mehr Geld als die Arbeiter vergangener Generationen und wenn er im Anzapfen des Sozialstaats eine gewisse Fertigkeit entwickelt hat, verfügt er über ein Haushaltseinkommen, das mit dem von Streifenpolizisten, Lagerarbeitern und Taxifahrern allemal mithalten kann."
Ich wüsste nicht dass ein einfacher Arbeiter mit 700 Euro heim geht. Und wenn es so wäre, ist nicht der Leistungsempfänger sondern der Arbeitgeber schuld an der Missere.

"Vor allem an seinem mangelnden Bildungsinteresse erkennen wir den Unterschied. Er besitzt keine Bildung, aber er strebt ihr auch nicht entgegen."
Das ist eine dreiste Unterstellung. Ich persönlich kenne einig belesene Hartzer die ich um ihr Wissen und ihren Intellekt beneide. Aber wer stellt schon einen 50-jährigen ein? Dumme gab es auch schon immer.

"Das neue Proletariat als homogene Klasse ist erst in den vergangenen zehn Jahren entstanden."
Die neoliberale Presse und die Politiker haben vor 10 Jahren mit ihrer Hetze begonnen. Kulturen wandeln sich nicht so schnell.


Übrigens, feste gesoffen wurde auch vor 100 Jahren... (porschekiller)
...und die SPD hatte damals nix besseres zu tun, als sich zu verbeten, den "Geknechteten" den Alk abzusprechen:

http://www.labournet.de/diskussion/geschichte/alkoholfrage.pdf

Die mussten sich ja schliesslich zuknallen, damit sie die Lebensumstände aushalten konnten. Insofern gibt es zwischen heute und damals keinen Unterschied (noch nicht mal in der Argumentation), wenn die gleiche Politkaste heute die EU-Initiative gegen Alk-Missbrauch vehement ablehnt.
Re: Gabor Steingart: Der Vollprolet (nickpol)
Der Begriff Prolet, oder Proletarier kommt aus dem alten Rom, das waren die "Nichtsnutze" der römischen Gesellschaft, für die gab es panem et circensis. Der Begriff hat natürlich im Laufe der Zeit ein Umdeutung erhalten, unstrittig.
und zum anderen gibt es noch den Wohlstandsalkoholismus. Alkoholismus ist in allen Klassen und Schichten vorhanden, die Wohlhabenden können ihn besser verstecken, die laborieren dann an übersäuertem Magen, Gastritis und andere Folgeerscheinungen des Saufens, ein Manager geht auf Geschäftsreise und säuft sich die Hucke voll, der Prolo fällt auf, weil er es in seiner sozialen Umgebung tut.
Alkoholstatistiken (strappato)
Nett, wie hier in den Kommentaren das eigene Trinkverhalten relativiert wird.

Aber die Statistik von Herrn S. taugt nix. Ich wette, dass weitere 20% der Bevölkerung für nochmal 40% des Alkoholverbrauchs verantwortlich gemacht werden können. Dann haben wir 30% auf deren Konto 80% des Alkohol geht. Ganz schön grosse Proletengruppe. Würde nämlich fast der klassischen 80/20-Regel entsprechen.

Die instabilen familiären Bindungen gibt es wohl gehäuft eher bei den Singles in den Grossstädten, wo sie schon 50% der Haushalte stellen. Auch eine verdammt grosse Gruppe von Proleten.

Auch ein These von S. "er besitzt keine Bildung und strebt nicht danach". Wenn ich mir die grossstädisch-universitäre Kultur/Party-Gesellschaft ansehe, dann ist das sicher auch keine Bildung, die man gemeinhin so bezeichnen würde. Und das Streben beschränkt sich meist irgendeinen Abschluss zu machen, aber nicht das Wissen für ein selbstverantwortliches Leben einzusetzen.

Was Herr S. das als "neues Proletariat sieht, dann kumulieren eigentlich nur darin gesellschaftliche Trends in Deutschland. Sozusagen: Wenn die Vorbilder nichts taugen...



Das Buch von S. ist im Prinzip genauso relevant wie das von Eva Herrmann. Interessant, wie beide eine "gute alte Zeit" beschwören. Herrmann mit der Naivität, dass man was ändern könnte, S. mit dem Fatalismus, dass es zum grossen Knall kommt.


Und? (boolysses)
Ehrlich gesagt verstehe ich das Gefasel hier nicht.

Der SPON-Artikel entbehrt schon deshalb jeder Grundlage, weil der Pro-Kopf-Alkverbrauch ja gar nicht sein kann ... Ist jetzt wohl hinreichend Vorgerechnet worden, dass das ein Irrtum sein könnte. ("Dreisatz" geht aber anders, nur mal am Rande.)

Und dann? Hat jemand von den späteren Kommentatoren den Artikel wirklich gelesen? Irgendwer kam mit dem Nazi-Vergleich und ist damit erfreulicherweise raus - alte Regeln soll man hochhalten. Die Diskussion schwenke um auf Harz IV. Dann mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass die Politiker das Proletariat absichtlich besoffen halten. Wurden dankenswerter Weise darüber aufgeklärt, dass auch andere Gesellschaftsschichten Alkohol konsumieren. Jemand hatte eine Erleuchtung zur Weiterführung der Alk-Statistik und erklärte diese auf Grund seiner Vision für Unsinn. Alle Singel haben instabile familiäre Bindungen. (Aber wer wäscht dann, wenn nicht Mutti?) Und die universitäre Spassgesellschaft ist genau so gebildet wie die, die bei Richterin Barbara Salesch das fünfte Bier mit noch nem Kurzen ansticht.

Möglicherweise spielt hier meine urlaubsbedingte Internet-Abstinenz der letzten Tage mit rein, aber ich hab schon lange nicht mehr so viel Mist gelesen.

Meiner Meinung nach spielt der SPON-Artikel (Link ist oben, falls doch noch jemand nachlesen will ...) eher auf die Entmündigung und schrittweise Entrechtung der beschriebenen Gesellschaftsschicht an. Und weist darauf hin, dass das möglicherweise (wieder) die Lunte entzündet. Mal ein paar Wochen zurück und die paar Kilometer nach Paris rüber geschaut ist das ja auch keine große prophetische Leistung, die der Autor da erbringt.

Und sonst les ich da nichts.

Aber steinigt ihn, steinigt ihn - er hat "Prolet" gesagt!

Die Relevanz des Buches kann ich im Gegensatz zu einem meiner Vorredner leider genau so wenig beurteilen wie die des Buches von der Frau Hermann - hab beide noch nicht gelesen. Aller Voraussicht nach wird sich das auch nicht ändern, Schande über mich. Die Relevanz der hier gebotenen Meinungen allerdings ... Gab es nicht vor ein paar Wochen mal den Ansatz einer Qualitätsdiskussion bei der BooCompany? Wird die noch fortgeführt?

Aber wenn ich mich in den Boos und den Interns und den Finals zurechtfinden würde, dann würde ich nicht Boolysses heissen sondern Boothfinder oder so. Klar. Und jetzt vergess ich das Account-PW am besten und schalte den Nur-Konsumentenmodus wieder ein.
Steinigt mich ruhig auch (porschekiller)
"Und sonst les ich da nichts.
Aber steinigt ihn, steinigt ihn - er hat "Prolet" gesagt"

Exakt. Manche, so scheint es mir, denken bei ihrem "Engagement" für die "sozial Schwachen" eher an die steigende eigene Zuleserschaft aus dieser Zielgruppe.

Trotzdem les ich da mehr, denn der Begriff "geistige Verwahrlosung" ist m.E. ein bisher noch nicht so drastisch formulierter Aspekt in der ganzen Diskussion um Arbeit statt HartzIV. Mal abgesehen von PISA, den mangelnden Fähigkeiten vieler Jugendlicher zum Einstieg in die Arbeitswelt und der Misere der Pädagogik allgemein ist dieser Begriff für jeden passend, der sich mangels Wissen und Erfahrung (und diese kann man auch suchen) nur dem Konsum ergibt, ohne noch nicht mal ansatzweise auch nur den Versuch zu machen, sich für Bildung zu interessieren. Bildung ist keine Bringschuld oder nur aufoktroierte Pflicht des Allmacht-Lebensgestalters und -retters Vatter Staat, sie ist individueller Ausdruck für den Wunsch und die Bereitschaft, zu leben.

Gerade da hat Steingart ja den passenden Link zur historischen Arbeiterbewegung gemacht, denn auch wenn damals nicht alles selbstorganisiert war und die Mehrheit der Vereine eher politischer Geburtshilfe entsprangen, war es doch Ausdruck der Sehnsucht nach etwas, was mir persönlich zwar nicht automatisch Arbeit und Brot versprach, aber zumindest das Gefühl vermittelte, nicht doof sterben zu müssen. Gibt's heute nicht mehr, zumindest fragt das nur ein Bruchteil der "Zielgruppe" wirklich aus eigenem Antrieb nach.

Mehr gibt dieser Ausschnitt auf SPON nicht her, aber drüber nachdenken darf ja schon noch, vor allem, wenn einem im persönlichen Umfeld immer wieder genau dieser Begriff wie Schuppen auf die Augen fällt.

PS: Ja, ich kenne auch wenige Arbeitslose und sog. "Lebenskünstler", die ich als gebildet bezeichne, aber komischerweise ist bei fast allen der Wunsch, diese Bildung eher beifallheischend am Tresen loszulassen, grösser als der Wunsch, damit wirklich was anzufangen.
Vielleicht gehe ich euch auf den ... (sempralon)
... Nerv, was mich an dem Artikel aufregt, ist schon die Einleitung :

"Diese Fremdlinge im eigenen Land werden zur ernsten Gefahr für die Demokratie."

... heißt --->> merzt das Geschwür aus, bevor es unsere Demokratie zerstört !
... welche Demokratie denn ? Es ist doch mittlerweile egal welche Partei wir wählen, es sind immer die gleichen Köpfe an der Spitze und wer die "Instrumente" der Macht nicht erträgt ... wird halt Krank, wie Platzeck ... Demokratie ... hat euch jemand gefragt ob ihr den Euro wollt ? Ich weiß olle Kamelle ... aber hey, nur ein kleines Beispiel ...

"Und dennoch: Der Prolet von einst besaß vieles, was die Armen von heute nicht mehr haben: ein einheitliches und für alle gültiges Feindbild, ein Klassenbewusstsein, veritable Gegner und oft sogar eine ausgeprägte Kultur."

... können Proleten nicht wieder endlich auf die Straßen gehen ? Haben wir keine Streitkultur mehr ? So ein bisschen Terror machen, damit der Schäuble und die Merkel endlich die neuen Antiterrorgesetze gut begründet inkrafttreten lassen kann ? Nur so ein Gedankengang: "Proletarier, werdet endlich zu Terroristen ! Die komischen Libanesen haben es versucht, aber ihr Deutschen Proleten seit doch besser, oder nicht ? Zeigt mal was ihr könnt !"

"Sein Vorgänger stand am Rand der Gesellschaft, er steht außerhalb."

... kommt mit Gewalt wieder in die Gesellschaft, denn wir (Zeitungen) sagen euch, das ihr nichtmehr Mitglieder dieser Gesellschaft seid ... damit wir (Zeitungen) wieder was zu schreiben haben ... damit wir (Zeitungen) wieder echte Nachrichten aus dem Innland berichten dürfen ...

"Wir verfügen über eine ziemlich scharf gerasterte Typologie, die uns die Fremdlinge im eigenen Land besser erkennen lassen."

... wir kennen den Feind, wir treiben den Feind, warum wehrt er sich nicht ???

"Auffällig hingegen sind die Symptome der geistigen Verwahrlosung."

... die von früher standen noch auf, wenn man ihnen was wegnahm, die heutigen sind schon so Faul und geistig umnachtet, dass sie es vielleicht nichtmal mitbekommen ...

"Er isst viel und fettig, er raucht und trinkt gern."

... woher bekommt der das Geld dafür ???? 90 Eu/Monat für Zigaretten, 2 Liter Bier/Tag ... und der tägliche Gang zu MC***** das geht ins Geld, das kann ich mir als Redakteur nicht leisten !

"Er ist kinderreich und in seinen familiären Bindungen eher instabil."

... und die echten Deutschen Eliten sterben aus !

"Er besitzt keine Bildung, und er strebt auch nicht danach"

... unser Bildungssystem ist ja das beste der Welt (und grenzt Proleten nie nicht aus), aber der Prolet nutzt es nicht (Hr. Munos ist da anderer Meinung)

"Anders als der Prolet des beginnenden Industriezeitalters, der sich in Arbeitervereinen organisierte, die zugleich oft Arbeiterbildungsvereine waren, scheint es, als habe das neuzeitliche Mitglied der Unterschicht sich selbst abgeschrieben."

... Proleten, macht endlich was, die Antiterrorgesetze brauchen eine Grundlage um inkrafttreten zu dürfen (ich weiß, das ich mich wiederhole)

"Selbst für seine Kinder unternimmt er keine allzu großen Anstrengungen, die Tür in Richtung Zukunft aufzustoßen."

... er geht nicht auf die Straße, er tut es einfach nicht, er kämpft nicht gegen das proletenbenachteiligende deutsche Bildungssystem, er tut es nicht, die faule Socke ... steh doch endlich auf ! Wenigstens für deine Kinder, wieviel muß noch gekürzt werden ?

"Der Analphabetismus wächst im gleichen Maß, wie die Chancen auf Integration der Deklassierten schrumpfen."

... tjooooooo deutsches Bildungssystem ... I Love Pisa ...

"Die Amerikaner sprechen in der ihnen eigenen Direktheit von "white trash", weißem Müll."

... Müll, erhebe dich aus der Tonne ! Die deutschen Zeitungen brauchen endlich Horror auf den Strassen ! Denkt doch auch mal an unsere Arbeitsplätze !

"Das neue Proletariat als homogene Klasse ist erst in den vergangenen zehn Jahren entstanden."

... wie ich schon sagte, die Politik von Schröders Gnaden war ein voller wirtschaftlicher Erfolg !

"Die Zerfallsprozesse im Innern der Gesellschaft bedrohen den Westen heute stärker als der internationale Terrorismus, auch wenn die Politiker sich auf die Bekämpfung von Letzterem konzentrieren."

... also dann auf zum Hallali ! Bekämpfen wir den echten Feind, den Arbeitslosen !
Wie jetzt die Arbeitslosigkeit bekämpfen, wenn die verschwindet, wer hat dann noch Angst vor ihr ??? ... und arbeitet Mehr für Weniger ?

"Demokratie und Marktwirtschaft können durch Bomben erschüttert, aber nicht beseitigt werden."

... ich bin jetzt echt in Versuchung den wirklichen Begründer des letzten Aufschwungs zu erwähnen ... er hat erst alles in Schutt und Asche gelegt, das dann wieder Aufgebaut werden mußte ...

"Der ökonomische Erosionsprozess aber, entzieht dem Westen erst die Jobs, dann das Geld und am Ende auch die demokratische Legitimation."

... im Osten hat der Westen alles Platt gemacht, tja, so geht man halt im Kapitalismus mit der Konkurenz um, das haben die damals nicht geschnallt, sooooo ein Jammer !! Und in Mc Pom sehen wir ja wohin das führt ... endlich wieder Nachrichten !

"Was ist die Staatsbürgerschaft eines Landes wert, wenn den Menschen dort die Teilnahme am Arbeitsprozess verwehrt bleibt? Was nützen bürgerliche Freiheiten aller Art, wenn das Recht auf eine eigenständige Lebensführung nicht mehr dazugehört? Ist es zulässig, dass die in der Verfassung verbrieften Rechte auf Teilhabe nur für den Gebildeten weiter ihre Gültigkeit besitzen?"

... faule Proletarier, wann steht Ihr endlich auf ???

"Kann eine Demokratie es tatsächlich hinnehmen, dass ein Teil des Souveräns dauerhaft von der Wohlstandsmehrung ausgeschlossen bleibt? Und wenn sie es hinnimmt: Wird sich diese Entscheidung nicht noch zu unser aller Lebzeiten rächen?"

... schauet auf Mc Pom ... und sehet das neue Wirtschaftswunder naht !

"Ob dann wieder Nationen gegeneinander antreten, weil die aufgestaute Wut sich ein Ventil sucht, oder die Unterschichten in ihren jeweiligen Ländern die Verhältnisse zum Tanzen bringen?"

... also, die Nationen sind im 1./2.Weltkrieg gegeneinander im Wettstreit angetreten ... komisch ... und ich dachte, dass das Kapital des Friedens überdrüssig und mal wieder Kasse machen wollte ...


... ich habe komische Ansichten und die sind Zynisch ... aber hey, es ist nur eine Meinung ...
... (sethos)
Erm, sorry, Meister Sempralon, aber Deine Meinung wäre wesentlich leichter zu verstehen ohne eine beliebige Menge an Dreifachpunkten im Text.

Das ist jetzt keine Rechtslinksschreibungskommazählerei. Echt nicht. Nur, daß ich mir gerne zu Gemüte führen würde, was die Leute hier so ausführlich kommentieren, aber ab einem gewissen Unlesbarkeitslevel geht man halt zum nächten Kommentar über.

Sorry.-
kleine Erläuterung (sempralon)
- die Punkte sind Trennungen, der Leser kann den Text lesen, verstehen und die Juristen bröckeln, denn diese Punkte trennen diese "Textabschnitte" voneinander und haben als juristisch miteinander nichts zu tun, da die Punkte etwas "fehlendes" ersetzen ... deswegen die Punkte ...

- zur Kommentarfülle, es wurde unterstellt, das der Originalartikel nicht gelesen wurde
Kleiner Einwurf... (FA-Q)
...bin auch gleich wieder weg, weil, ihr streitet euch gerade so schön:

Eigenartig finde ich, daß die Kritiker meiner "Annäherungswerte" (die m.E. auch solche gekennzeichnet waren) sich zwar über die Menge des konsumierten Alkohols ausgelassen haben, aber nicht über die Menge der Konsumenten, die beinahe zufällig der Menge der in Deutschland entspricht, die derzeit hauptsächlich ohne eigenes Verschulden arbeitslos ist. Ein Schelm und so weiter und so fort.

Jetzt könnt ihr weitermachen. ;-)
Re: (boolysses)
Vielleicht erklärst Du uns allen mal, wer denn die Menschen sind, die "derzeit hauptsächlich ohne eigenes Verschulden arbeitslos" sind, und wie groß ihr Anteil a) an der Gesamtbevölkerung, b) an der Gesamtbevölkerung abzüglich Kinder und Jugendlicher und c) an den derzeit Erwerbslosen ist. Wir rechnen dann gerne nochmal für Dich nach.

Das statistische Bundesamt geht übrigens von knapp 70 Mio Menschen im "alkoholkonsumfähigen Alter" aus - jedenfalls, wenn man das mal mit "ab 15" annimmt. Aber wenn man die Grundmenge ein wenig zusammenstaucht, dann passt ja vielleicht irgendein "ungefähr" ungefähr.

Um es kurz zu machen: Dein Boo ist Mist, Deine Zahlen - "Annäherungswerte", schon gut - sind völlig aus der Luft gegriffen und insgesamt fehlt Deiner Textwüste da oben irgendwie eine Aussage. Halt mal abgesehen von "steinigt ihn".

Was steht denn sonst noch so in dem Buch? Immerhin hast Du es ja gelesen, nicht wahr? Oder ist Dein Boo etwa nur für den Teaser?
Hätte ich geahnt, (FA-Q)
daß sich hier der "Freundeskreis Gabor Steingart" trifft, hätte ich diesen Boo dennoch geschrieben. Allein schon deswegen, weil sich die Eigendemontage der Freunde Steingarts einfach nur köstlich liest. ;-)

Noch ein paar Facts gefällig? Bitteschön:

Der "Streifenpolizist" geht in der Stadt Hamburg mit 817 Euro monatlich nach Hause. Wobei natürlich erst einmal zu klären wäre, wer oder was als "Streifenpolizist" bezeichnet wird. In diesem Fall ist es der/die Polizeimeisteranwärter/in (mittlerer Dienst), ledig. Plus 63,69 Euro Polizeizulage im ersten und 127,38 Euro im zweiten Jahr. Das ausgebildete "Streifenhörnchen" indes, offiziell im Rang eines/einer Polizeimeister/in (mittlerer Dienst), bekommt 1595,74 Euro netto. Das bekommt selbst ein Vollprofi unter den Vollproleten nicht, aber der Vergleich zwischen Prolet und Polizist klingt griffig genug, um die Klientel schon einmal entsprechend zu präparieren.

Den Begriff des "Unterschichtenfernsehens" haben nicht die TV-Macher aufgebracht, sondern Harald Schmidt. Damit kann er nicht nur die Privaten gemeint haben, denn schließlich wurde auch ihm zuliebe die Sendezeit der Politmagazine und Infobeiträge des ARD um 15 Minuten gekürzt. Immerhin können die Proleten lange genug aufbleiben, um die Dokus ab 23.00 Uhr zu sehen, sofern sie daran Interesse haben oder noch nicht völlig dicht sind. Das ZDF ist auch nicht viel besser - wenn irgendwo auf der Welt ein Furz quersitzt, trifft es oft genug auch deren Infomagazine.

Nahezu die Hälfte der Deutschen im wahlberechtigten Alter nimmt nicht mehr an den Wahlen teil.

Über die Hälfte der Deutschen ist jüngsten Untersuchungen zufolge übergewichtig.

Wer als Mann mehr als 40 g (1 l Bier oder 1/2 Liter Wein) oder als Frau 20 g reinen Alkohol täglich zu sich nimmt, begeht laut WHO Alkoholmissbrauch. In Deutschland gelten ca. 2,5 Mio. Menschen offiziell als alkoholkrank, wobei die Dunkelziffer durchaus höher liegt (aber eben - wie z.B. bei einer anderen Lieblingsvokabel, der "Schwarzarbeit" - nur geschätzt, jedoch nicht belastet werden kann).

1,4 Kinder bekommt die deutsche Durchschnittsfrau. Das ist manchen wie der Vollproletin von der Leyen (Vollproletin deshalb, weil 7 Kinder) zu wenig, dem Abbau von Arbeitsplätzen und der daraus resultierenden steigenden Arbeitslosigkeit zum Trotz. Aber die deutsche Durchschnittsfrau hat eben auch keinen bestdotierten Job mit Erhaltsgarantie und exzellenter Nachversorgung sowie einen Arschvoll Kindermädchen um sich herum. Und heutzutage gelten schon Familien mit zwei Kindern als latent asozial, zumindest bei der Wohnungssuche.
Dafür wachsen die Kinder der echten Proleten überwiegend in "mehrfach risikobelasteten Verhältnissen" auf, haben durchweg die schlechteren Bildungschancen und gehören auch bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz meist zu den Letzten, die von den (neoliberalen) Hunden gebissen werden.

Alles Proleten. Laut Gabor Steingart wisst ihr "Freunde" offenbar mehr als alle anderen. :-))
Re: (porschekiller)
In Deiner Bunten Mischung aus Zahlen und Behauptungen fehlt mir nur noch eins:

"Alles Proleten." Was spricht dagegen?
Zahlen (porschekiller)
"Der "Streifenpolizist" geht in der Stadt Hamburg mit 817 Euro monatlich nach Hause."

Ein Erwerbsloser in Hamburg mit Frau + 1 Kind kann bei HartzIV mit Gesamtleistungen von 950,76 Euronen im Monat rechnen.

"Nahezu die Hälfte der Deutschen im wahlberechtigten Alter nimmt nicht mehr an den Wahlen teil."

Über "Teilnehmen" kann man diskutieren, denn Nicht-Wahl kann auch Protest sein, also irgendwie schon Teilnahme. Wo ist aber hier ein Widerspruch zu Steingart?

"Über die Hälfte der Deutschen ist jüngsten Untersuchungen zufolge übergewichtig."
"In Deutschland gelten ca. 2,5 Mio. Menschen offiziell als alkoholkrank"
"1,4 Kinder bekommt die deutsche Durchschnittsfrau"

So, das waren Deine Facts. Was spricht nun daraus gegen Steingart???
Re: (boolysses)
Siehst Du, Herr Porschekiller, weiter oben hab ich noch auf Dir rumgehackt - und jetzt sind wir schon vereint im "Freundeskreis Gabor Steingart". So dicht liegt das beieinander. ;)

Dafür will ich ein Freiexemplar, Herr Steingart. Von dem Hermann-Teil auch gleich! Wenigstens einer hier sollte das Buch gelesen haben.
Themenbezug? (boolysses)
Ok, also wenn wir mal das Geschwafel einfach überlesen und auch den irrelevanten Teil (Übergewicht? Wahlbeteiligung? Kinderzahl? Latent asozial? Themenbezug?) ignorieren, dann haben wir so "ungefähr" genau eine echte Information: 2,5 Mio offizielle Alkoholkranke kennt der Herr FA-Q, bei beliebig hoher Dunkelziffer.

Sind also diese 2,5 Mio die von dir angeführte "Menge (...), die derzeit hauptsächlich ohne eigenes Verschulden arbeitslos ist"? Und musst du jetzt noch die Dunkelziffer "belasten", damit die 2,5 Mio so "ungefähr" acht Prozent von irgendwas sind? Also abgesehen von 31,25 Mio?

Oder was wolltest Du uns damit sagen?

(Wikipedia kennt übrigens sogar ungefähr 4,3 Mio - das sind ungefähr acht Prozent von 53,75 Mio. Da geht noch was!)

Ich würde vorschlagen, diesen Boo in den bootanischen zu verfrachten. Mit dem Vermerk "Paradebeispiel für die haltlose Konstruktion von Zusammenhängen mittels 'ungefähr' und beliebigen Dunkelziffern."

Außerdem wäre sicherlich eine kleine Statistik-Einführung beim Boo-Camp angebracht. Zwangsweise.
Freunde, (FA-Q)
nun atmet einmal tief durch und entspannt euch wieder - ihr platzt ja gleich. ;-))

Hey, was macht es denn dem Steingart schon aus, daß jemand seine "Stürmer"-gleiche Schreibe kritisiert? Ist doch überhaupt kein Problem!
Sein Roman wird sich wie geschnitten Brot verkaufen, er darf bei der Christiansen nochmal auftreten, und alles bleibt wie gehabt. Die Prolls machen eh einen großen Bogen um die Buchhandlungen, weil es da kein Bier, keine Fritten und keine Tittenheftchen gibt. Kein Grund zur Panik.

P.S.: Gabor hat mir geschrieben. Sein "Weltkriegs"-Buch ist lediglich der Mittelpunkt einer Trilogie. Und weil ihm meine Kritik so gut gefallen hat, verriet er mir vorab schon den Titel des dritten Buches Gabor: "Deutschland nach dem globalen Gehirnfick - und ich war ganz vorn dabei".
Re: (netbitch)
Ich finde diesen Beitrag ganz große Klasse und dem Steingart ihm seine Schreibe dümmlichen wirtschaftsliberal-ideologischen Dummfick!
Falle (porschekiller)
"Sein Roman wird sich wie geschnitten Brot verkaufen, er darf bei der Christiansen nochmal auftreten, und alles bleibt wie gehabt. Die Prolls machen eh einen großen Bogen um die Buchhandlungen, weil es da kein Bier, keine Fritten und keine Tittenheftchen gibt. Kein Grund zur Panik."

Selten hab ich einen angeblichen "Sentinel" gelesen, der so unverliebt zu seinem Ausgangs-Statement steht wie Du. Möchte da Jemand zum Ironiker 2006 oder zum "Ich hab's ja nicht so gemeint"-Schofel des Jahrzehnts gewählt werden??? Du bist gemarkt und aus dieser Nummer kommst Du sehr schlecht wieder raus. Punkt.
"Kein Politiker will Unterschicht sagen" (boolysses)
Interessiert zwar keinen mehr, aber da ja das ganze Internet immerzu in die Geschichte eingeht sei hier noch angemerkt:

Politiker würden http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,442754,00.html">"abgehängtes Prekariat" sagen.

Das klingt natürlich viel besser als "Proletarier".


Mir nach!



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