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DaimlerChrysler DaimlerChrysler: Gehirnwarnung
BOO DaimlerChrysler von FA-Q

09:09 Samstag, 16. September 2006

Eigentlich ist es schon erstaunlich, daß unsere Welt immer noch existiert, nachdem DC eine Gewinnwarnung herausgegeben hatte. Statt projektierter 6 Milliarden Euro werden es wohl doch nur deren 5. Die Schuld an diesem Debakel tragen - erwartungsgemäß - Mitarbeiter des Konzerns und die Konsumenten. Und niemand sonst.
Chrysler ist es wieder einmal, der den DC-Aktionären die Suppe verhagelt. Statt der erwarteten 500 Millionen Euro Miese werden es jetzt wohl mehr als doppelt so viele, nämlich ca. 1,2 Mrd. Euro werden. Als Begründung nannte der deutsch-amerikanische Autohersteller, dass sich die Chrysler Group in den USA mit "einem schwierigen Marktumfeld konfrontiert" sehe.

Tja, woran könnte es wohl liegen, daß die Amerikaner, denen ansonsten eine überdurchschnittlich hohe Affinität zu (vermeintlich) im Inland hergestellten Produkten nachgesagt wird, speziell die Fahrzeuge der hiesigen Provenienz verschmähen?
Am den Preisen pro Vehikel kann es kaum liegen. Denn die sind erstaunlich niedrig und waren es auch schon, bevor man im Amiland begann, sich in kostenintensiven Rabattschlachten gegenseitig aufzureiben. Der PT Cruiser wird in seiner natürlichen Umgebung derzeit ab 15.125 Dollar (D: 15.990 Euro) angeboten, der Crossfire ab 30.070 (D: 32.500 Euro) und den Town & Country, hierzulande als Voyager bekannt, gibt es drüben ab 21.985 (D: 25.250 Euro) "green bucks". Allerdings bietet allein die einheimische Konkurrenz bereits vergleichbare Modelle zu vergleichbaren Preisen an, ganz zu schweigen von den Mitbewerbern aus Japan; die Koreaner besetzen derzeit das Segment, welches die Japaner mittlerweile verlassen haben, und auch der Rest der Welt ist gerade dabei, sich einen Anteil vom größten Automobilmarkt der Welt sichern zu wollen.

Also muss es andere Gründe geben, warum insbesondere die Amis aus eigenem Grund und Boden dermaßen schwächeln, daß z.B. Ford 2008 30.000 Mitarbeiter (!) entlassen will und Chrysler eben besagte 1,2 Mrd. Verlust einfährt.
Es könnte unter anderem an der Modellpalette liegen, und die ist bei Chrysler nicht unbedingt der Bringer. Der PT Cruiser wird seit 2001 vertrieben und stellt den Einstieg in die Chrysler-Modellpalette dar. Als der PT Cruiser der Weltöffentlichkeit präsentiert wurde, war das Retro-Design gerade schwer in Mode, und das Modell traf mit seinem vom Chrysler Airflow (1934-1937) inspiriertem Design die Nerven des trendorientierten Autokäufers. Vielleicht hätte man in der amerikanischen Konzernzentrale allerdings gewarnt sein sollen, denn der Airflow galt als eines der größten Desaster der automobilen Geschichte - kaum war die Retrowelle vorbeigerauscht, blieb auch der PT Cruiser in den Showrooms der Welt stehen. Mitschuldig waren/sind auch die teilweise ungenügende Verarbeitungsqualität und die unglückliche Auswahl der Motorenvarianten, die dem Cruiser hüben wie drüben zugesetzt hatten, speziell die Cabrioversion mit dem 2,4l-204 PS-Turbo gilt als Standuhr.
Aber auch sonst hat Chryslers Modellpalette nur wenig zu bieten. Der Sebring des Modelljahrs 2007 könnte ebensogut aus Korea stammen, was das Design betrifft. Dem Crossfire fehlt es trotz eines durchaus gelungenen Designs einfach an Strahlkraft, und vielleicht stört es die Kundschaft auch, daß er auf einer Plattform eines abgelösten Modells (MB SLK) steht. Der 300C punktet zwar mit einer interessanten Designvariation im Bereich der Luxusklasse, sieht aber im Vergleich zur deutschen und asiatischen Konkurrenz kaum einen Stich. Bei den Tochtermarken Dodge und Jeep sieht es auch nicht viel besser aus, zumal die Modellpaletten teilweise durch "badge engineering" künstlich aufgeblasen werden, ohne sich jedoch in grundlegenden Details zu unterscheiden.

Ein entscheidender Faktor ist in der Tat, daß sich die wirtschaftlichen Verhältnisse im Amiland in der Tat ändern. Beziehungsweise, daß die Schattenseiten des Lebens auf Pump und eine fehlende soziale Sicherheit immer deutlicher zutage treten.
Die Zeiten, als der Sprit an der Zapfsäule im wahrsten Sinne des Wortes billiger war als Leitungswasser, waren schon vorbei, bevor Hurrikan Katrina dem Konsumenten klargemacht hatte, daß es beim Preis nach oben (und bei den Gewinnen der Ölkonzerne) kein Limit gibt. Immerhin hatte diese Katastrophe den Nebeneffekt, daß auch im Land der SUVs und Mittelklassemodellen mit V8-Motoren alternative und vor allem verbrauchsgünstigere Antriebskonzepte immer häufiger nachgefragt werden. Aber da hat Chrysler gerade nichts auf Lager, zumindest nicht in absehbarer Zeit.
Und selbstverständlich gilt auch in Amerika, daß Autos keine Autos kaufen, allen mehr oder minder niedlichen CGI-Animationsfilmen zum Trotz. Ob diese Einsicht jemals auch den Weg in die Chefetagen findet, steht in den Sternen bzw. dem Stern über Stuttgart. Denn solange die wirtschaftliche Ausrichtung eines Unternehmens strikt an den maßlos überzogenen Forderungen der Aktionäre ausgerichtet wird, findet die Vernunft keinen Raum.

Und darum wird auch bei Chrysler demnächst die Sense in overtime rotieren. Besser oder wenigstens attraktiver werden die Autos davon zwar nicht, aber wenn es die Unternehmensbilanz schee' macht...und Amerika hat noch viel Platz, für die Arbeitslosen und auch für die arbeitslosen Neuwagen.





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