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08:58 Mittwoch, 06. September 2006
Eines muß man den Damen und Herren in Berlin und Brandenburg bei aller berechtigter Kritik lassen: im Geldverbrennen können sie sich durchaus mit den Cracks der New Economy messen. Das nächste Geldbündel wurde am 4.9.2006 in den Ofen geschoben.
Und zwar mit einem Spatenstich. Endlich, nach 15 Jahren hin und her und dem erfolgreichen Ignorieren sämtlicher gutgemeinten Ratschläge und Mahnungen wird nun der Flughafen Berlin Brandenburg International gebaut.
Wem "Berlin Brandenburg International" nichts sagt (obwohl dies ziemlich unwahrscheinlich sein dürfte), dürfte der Begriff "Schönefeld" vielleicht geläufiger sein. Der ehemalige Zentralflughafen der DDR wird nämlich zum "BBI" aufgerüstet. Koste es, was es wolle. Und diese Aufrüstung kostet einiges. Zum Beispiel die Umsiedlung ganzer Dörfer. Den Ausbau der Infrastruktur. Und, und, und. 2,7 Mrd. Euro soll der Flughafen kosten. Heute. Was er tatsächlich gekostet hat, werden die Steuerzahler 2011 erfahren: Der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands, Axel Wunschel, warf dem Bund als Hauptgeldgeber vor, die Risiken der internationalen Preisentwicklung für Stahl den Unternehmen aufzubürden, die sich um Aufträge bewerben. Allein in diesem Jahr sei der Preis bereits um 35 bis 40 Prozent gestiegen und diese Entwicklung werde vermutlich weitergehen. Der Bund sei deshalb gefordert, für eine «faire Lastenverteilung» zu sorgen. (Quelle) Und wer den Bund, die alten Hartzer Abschlächter, kennt, der weiß: die werden ihre "faire Lastenverteilung" bekommen. Und dafür wahrscheinlich Tausende von illegalen Arbeitern aus Osteuropa beschäftigen. Dafür bekommt Berlin aber auch ein 1A Vorzeigeobjekt, ähnlich dem Mehdornschen Glaspalast. Jede Menge Glas, das ist wichtig. Und architektonische Zitate von Schinkel bis Bauhaus. Denn immerhin soll dieser Flughafen vorerst bis zu 25 Mio. Fluggäste jährlich abfertigen können, mit einer Ausbauoption auf bis zu 40 Millionen. Und 40.000 Arbeitsplätze soll er schaffen. Nicht schlecht. Was Berlin mit dem BBI beispielsweise nicht bekommt, ist ein Flughafen mit uneingeschränktem 24h-Betrieb. Denn von 0 bis 5 Uhr hat Ruhe zu herrschen. Und das auch zu Recht, denn die Anwohner dieser Gegend, die kein Bonus-Vielflieger-Programm nutzen, werden den Flughafen eher als Objekt des Terrors denn als Wirtschaftsmotor empfinden. All die Frachtflieger müssen eben woanders landen. Zum Beispiel in Hannover-Langenhagen, weil dort die Anwohner mit ihren Protesten gegen die Zunahme des Nachtflugverkehrs wohl nicht ganz so erfolgreich sind. Dabei existieren bereits Alternativen. Zum Beispiel der ehemalige sowjetische Militärflughafen Sperenberg, der sich seit dem Abzug der Russen langsam in die Natur reintegriert. Seine Nachteile: es existieren bereits zwei je 4 km lange Runways, um den Flugplatz ist weit und breit kein Mensch (was Wunder...), und es gibt eine Bürgerinitiative. Die die Ansiedlung des BBI in Sperenberg unterstützt hat. Na gut, vielleicht müßte man da noch ein wenig Infrastruktur schaffen. Sollte aber kein Problem darstellen, und wer es schafft, für gerade einmal 2 Minuten Zeitersparnis nahezu 500 Mio. Euro zu verbraten, sollte sich über eine derartige Occasion geradezu freuen. Zu russisch? Gut, dann wäre da noch der ehemalige "Privatairport" (ehem. Regierungsflughafen der DDR) Neuhardenberg. Der ist zwar wohl noch in Betrieb, hat aber kaum Kundschaft. Ryanair wollte da wohl mal hin. Ist nicht, sagte man in Berlin - schließlich könnte Neuhardenberg eine Konkurrenz zum BBI darstellen, obwohl zum damaligen Zeitpunkt noch nicht einmal sicher war, ob es den BBI in Schönefeld überhaupt geben würde. Und verweigerte Ryanair die notwendige Zulassung. In der Gegend um Neuhardenberg gibt es eine Arbeitslosenquote von 25%, und sie gilt als Hochburg der Rechten. Man wagt kaum, angesichts der hoffärtigen Politik, die in Berlin und Brandenburg fabriziert wird, "kein Wunder" zu sagen. Wer sich auf "Wirtschaftsexperten" verlässt, ist meist verlassen. Bis 2011 sind es noch 5 lange Jahre, und kein Experte, der seine Prognosen als seriös verstanden wissen will, gibt eine Vorhersage über einen derart langen Zeitraum ab, wenn die Faktoren eher unbestimmt sind. Die "Wirtschaftsexperten" hielten ja auch die Hartz-Reformen für die Bringer, um Beweise für deren Kompetenz anzuführen. Als sicher darf jedoch gelten, daß es mit dem Öl in einer nicht allzufernen Zukunft vorbei sein wird; zumindest zu allgemein bezahlbaren Preisen. Und damit höchstwahrscheinlich auch mit all den schönen internationalen Flughäfen. Vielleicht sollten die "Wirtschaftsexperten" den Architekten anraten, die Gebäude für eine weitergehende Nutzung wie Kühlhallen zu gestalten (ich weiß auch nicht, wieso ich gerade jetzt darauf komme). Und zuguterletzt sind auch die Billigairlines nicht gerade besonders gut auf die Betrieber des BBI zu sprechen. Deren Plan, die Lowcoster zusammen mit den traditionellen Airlines quasi unter einem Dach abzufertigen, hat bei den Lowcostern zu Verstimmungen geführt. Aber auch da wird man sich irgendwie noch einig werden (HAJ hat noch Platz). Wolln' wir das alles nicht so verbissen negativ sehen - freuen wir uns auf das nächste Milliardengrab! Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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