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Ministerium für Verbraucherschutz Zuhause im Reiherland
BOO Ministerium für Verbraucherschutz von FA-Q

06:36 Samstag, 02. September 2006

"Komm nach Haus', ins Reiherland"...mit diesem "Slogan" warb Otto 1975 für ein Brechmittel, welches auch von Kindern gerne eingenommen wird.

Die Kids von heute müssen nicht mehr auf die Produkte der Pharmaindustrie zurückgreifen, wenn ihnen zum Kotzen zumute ist. Der Döner auf die Hand oder Muttis Hackbraten könnte genauso gut zum Speien reizen - und das muß nicht unbedingt an den mangelnden Fertigkeiten der Nahrungsmittelzubereiter liegen.
Vielleicht haben Bülent vom Dönerparadies nebenan und Mama einfach nur Pech beim Einkaufen gehabt, weil der Fleischgroßhändler der festen Überzeugung war, daß man es mit dem Haltbarkeitsdatum einfach nicht so genau nehmen müsse oder es doch eh egal sei, was ins Hack kommt, weil sich eh alles zusammen (zumindest kurzfristig) im Magen wiederfindet. Und genausowenig können weder Bülent noch Mama immer zweifelsfrei erkennen, ob das Fleisch denn tatsächlich noch zum Verzehr geeignet ist, weil sich nicht jedes Stück Gammelfleisch durch eine ausgesprochen spacige Farbe und dem vom Fleisch bzw. dessen Mitbewohnern selbst ausgesprochenen Wunsch nach Adoption verrät.

Die Hauptschuldigen sind jene Fleischdealer, die mit einer ausgesprochen kriminellen Energie das Gammelfleisch in den Verkehr bringen. Daran dürfte kein Zweifel bestehen.
Die für derartige Skandale wie dem jüngst erfolgten Fund von über 80 Tonnen (!) nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeigneten Fleisches in Bayern mitverantwortlichen Personen und Institutionen sind indes manchmal gar nicht so weit von den dubiosen Gestalten entfernt und manchmal etwas weiter weg. Gemeint sind die Institutionen, von den Ordnungs- und Veterinäramtern vor Ort bis hin zur Bundesregierung und dem für den "Verbraucherschutz" zuständigen Ministerium.

Es dürfte schon zu den besonderen Leistungen gehören, 10 Tonnen Gammelfleisch vor den Augen der Kontrolleure zu verbergen. Als absoluter Coup dürfte dann das Verstecken von 40 Tonnen verdorbener Fleischwaren gelten, zumal dies über Jahre geschehen ist. Allzuschwierig konnte es jedoch nicht sein.
Denn entweder sind die Kontrolleure vor Ort schlicht und ergreifend überfordert oder bestochen. Für die Überforderung gibt es einen guten Grund: nicht nur in Bayern wurden die entsprechenden Abteilungen in den letzten Jahren "kostenoptimiert", sprich: es wurden Stellen gestrichen. Für die Bestechlichkeit einzelner Personen gibt es wohl kaum gute Gründe.
Aber die Kette des Versagens zieht sich bis ganz nach oben. Nicht umsonst bedeutet Verbraucherschutz in Deutschland in erster Linie Produzentenschutz. Wer in Deutschland Gammelfleisch auf den Markt bringt, kann sich bis zuletzt sicher sein, daß der "gute" Name nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Genausowenig wie die Namen der Betriebe, die von diesen Unternehmen verdorbene Ware erhalten haben. Geschützt unter anderem durch das Ministerium für Verbraucherschutz, welches sich schon seit Jahren standhaft weigert, seinem Namen wirklich gerecht zu werden und mittels entsprechender Verordnungen und Gesetze für mehr Transparenz zu sorgen (wie das geht, machen uns die Dänen vor.
Und manchmal kann Föderalismus auch zum Kotzen sein. Weil die Lebensmittelkontrollen Ländersache sind. Und jedes Bundesland je nach Lust, Laune und finanzieller Ausstattung entscheiden kann, wie wichtig dem Land die Gesundheit der Bürger und Verbraucher ist.

Dieses Larifari müssen folgerichtig die Bürger und Verbraucher selbst ausbaden. Mamis Liebling verbringt, wenn alles gut geht, eine Nacht auf dem Klo. Bülent verbringt die nächste Zeit däumchendrehend im Dönerparadies, bis er den Laden möglicherweise dichtmachen muß, weil selbst er nicht mehr mit Sicherheit sagen kann, was denn nun alles in welchem Jahr in den Dönerspiess gekommen ist.
Aber wir leben bekanntlich im Zeitalter, in dem es auf höchste Eigenverantwortlichkeit ankommt. Und wenn das nicht ausreichen sollte, stellen wir einfach einen Haufen Hartz IVer als Vorkoster ein und hoffen, somit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können.





Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Hartz IVler als Vorkoster - genial (strappato)
Re: (stieglitz)
Re: (strappato)
Re: (stieglitz)
*träller* ...ich ess Gammelfleisch... (goebelmasse)
Re: Zuhause im Reiherland (Holg)
Okay,... (FA-Q)


Mir nach!



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