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07:57 Freitag, 01. September 2006
"Die Arbeitslosigkeit geht zurück, Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung steigen, und die Zahl der offenen Stellen ist hoch."
Frank-Jürgen Weise, Chef der BA, hat diesen Joke anläßlich der jüngsten Bekanntgabe der
Aber nein. Kein "Jetzt lachen!"-Schild wurde im Hintergrund hochgehalten. Also muß diese Aussage ernst gemeint gewesen sein. Dabei setzt Weise offenbar immer noch darauf, daß die überwältigende Mehrheit der hiesigen Bevölkerung anstandslos schluckt, was ihnen in den Nachrichten vorgesetzt wird. Die Printmedien sind da schon ein wenig vorsichtiger; das Spektrum reicht von "Erwerbslosenzahl sinkt nur leicht" (SpOn - im Text folgt die gegenteilige Aussage) bis zum unerwartet deutlichen "Enttäuschung am Arbeitsmarkt" der SZ online. Und außerdem hofft Weise inständig, daß niemand die Daten abrufen möge, die das Arbeitsamt monatlich für alle frei zur Verfügung ins Netz stellt. Ist zugegebenermaßen auch nicht so ganz einfach, sich durch die wunderbar strukturierten Seiten zu lavieren und dann, wenn man es endlich geschafft hat, sich auch noch durch einen Trumm von PDF wühlen zu müssen, um an die realen Daten zu gelangen. Aber dann öffnet sich ein wahres Schatzkästlein oder das Schreckenskabinett des Frank-Jürgen Weise, je nach Betrachtungsweise. Da sind dem Frankie doch glatt ein paar Arbeitslose durch die Lappen gegangen. Beispielsweise diejenigen, die sich derzeit in sogenannten "arbeitsmarktpolitische Instrumenten des Rechtskreises SGB III" befinden (+ 559.326 Menschen). Und diejenigen, die derzeit in sogenannten "arbeitsmarktpolitische Instrumenten des Rechtskreises SGB II" hmm, nun, ja, beschäftigt werden (+ 574.136 Menschen). Machen zusammen schon mal 1.133.462 Menschen, die nach offizieller Gesetzeslage als arbeitslos bzw. arbeitssuchend gelten. Dann kommen noch diejenigen hinzu, die nach den Regularien von Hartz IV zwar arbeitslos sind, aber in sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben, in denen ein Partner über ein Einkommen verfügt, welches über der Bemessungsgrenze liegt. Schön für diese Bedarfsgemeinschaften, deren monatliches Einkommen diese willkürlich gezogene Grenze weit überschreiten. Pech für die Mitglieder der Bedarfsgemeinschaften, die teilweise nur um wenige Euro über dieser Grenze liegen. Dafür tauchen diese Menschen auch nicht mehr in der Statistik auf. Abzüglich dieser "blanks" beträgt die Zahl der Arbeitslosen laut BA 6.497.851. Ach ja, und abzüglich der 69 Optionskommunen, deren Zahlen auch diesmal wieder nicht in die monatliche Vielleicht sollte Herr Weise auch mal in aller Öffentlichkeit von der "Beratung und Unterstützung der Arbeitsuche" seitens seiner Bediensteten schwadronieren. Die hat sich nämlich im Zeitraum Mai-August 2006 nahezu halbiert. Und auch sonst hat sich das Amt nach Kräften bemüht, insbesondere den Langzeitarbeitslosen eine Rückkehr ins Arbeitsleben zu erschweren. Irgendwo müssen die 8.000.000.000 Euro "Gewinn" schließlich herkommen. Na, und das mit der zunehmenden Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen ist wohl auch eher Wunschdenken denn Realität. Jeder 400-Euro-Job kann in dieses Wunschdenken problemlos eingerechnet werden, denn auch für diese Tätigkeiten werden Sozialabgaben entrichtet. Und das Pendeln um einen toten Punkt betreffs der Erwerbstätigkeit, die seit einigen Monaten herrscht, ist auch nur eine temporäre Erscheinung. Wer dies nicht glauben mag, sollte einmal hier vorbeischauen. Fazit: noch nie war es so einfach, die Menschen über die realen Verhältnisse hierzulande zu belügen und betrügen. Selbst ein Aspirant auf einen Posten als Bürgermeister wußte über die Einzelheiten, die Hartz IV mit sich bringt, auf Anfrage nichts - weswegen er dieses Thema im aktuellen Kommunalwahlkampf auch tunlichst vermeidet. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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